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Wirtschaft Friseurbranche vereinbart Mindestlohn von 8,50 Euro
Mehr Welt Wirtschaft Friseurbranche vereinbart Mindestlohn von 8,50 Euro
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08:17 23.04.2013
Ab Sommer 2015 soll in der deutschen Friseurbranche ein Mindestlohn von 8,50 pro Stunde gelten. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Würzburg

„Ich bin trotz der wirtschaftlichen Probleme, die dadurch in manchen Bereichen eintreten werden, sicher, dass wir so das Friseurhandwerk entwickeln und so auch bessere Mitarbeiter bekommen können“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Friseurhandwerks, Rainer Röhr. „Insofern bewerte ich das Ergebnis – so schmerzvoll es ist – als gut.“

Auch ver.di zeigte sich zufrieden. „Es ist richtig, dass wir das jetzt machen. Denn das ist die richtige Ausgangssituation, um das Gehaltsgefüge auch künftig weiterzuentwickeln. Das war nur der Anfang“, sagte Verhandlungsführerin Ute Kittel. Dem Tarifvertrag wollen den Angaben zufolge auch mehrere Friseurketten beitreten. Branchenprimus Klier aus Wolfsburg ist hier bereits engagiert. Bis Ende Juni soll der Vertrag von allen Seiten unterschrieben sein.

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Der flächendeckende Mindestlohn wird von August 2013 an in drei Stufen eingeführt. Der Osten beginnt mit 6,50 Euro Stundenlohn, der Westen mit 7,50 Euro. Die verschiedenen Stufen sind nötig, weil bisher regional sehr unterschiedliche Tarifverträge existierten. In den neuen Bundesländern gab es zum Teil Ecklöhne von nur knapp mehr als 3 Euro je Stunde, wie ver.di-Verhandlungsführerin Kittel sagte. „Die sind dann zwar rechtlich auf der richtigen Seite, aber moralisch nicht.“

Die Verhandlungspartner hatten damit die Aufgabe, dort die Gehälter um bis zu 150 Prozent anzuheben. „Insofern ist diese Einigung ein Riesenschritt“, so Kittel über die Verhandlungen. Dass sie so schnell zum Erfolg führten – schon in der ersten Verhandlungsrunde – war für die Beteiligten gleichwohl nicht überraschend. Beide Seiten hatten zuvor bereits in Sondierungen die Grundlage gelegt. Für die gut 15.000 Friseure in Niedersachsen hatten sich Landesinnung und ver.di bereits vor etwa vier Wochen auf eine schrittweise Anhebung der Löhne geeinigt. Sie sollen für die niedrigste Entgeltgruppe zwischen April 2013 und Anfang 2015 in drei Schritten von derzeit 7,51 Euro auf 8,50 Euro steigen. Vergleichbare prozentuale Zuwächse gibt es auch in den höheren Lohngruppen.

Der Tarifvertrag allein sorgt jedoch noch nicht für einen wirklich einheitlichen Mindestlohn für alle Friseure: In seiner jetzigen Form gilt er zunächst nur für Mitarbeiter von Innungsbetrieben, die auch Gewerkschaftsmitglied sind. In den kommenden Monaten soll deshalb beim Bundesarbeitsministerium ein Antrag auf Allgemeinverbindlichkeit des Tarifvertrages gestellt werden.

dpa/e