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16:56 05.11.2012
Frankreich befürchtet einen wirtschaftlichen Einbruch. Quelle: dpa
Paris

Karl Lagerfeld, Modemacher und bekennender Paris-Liebhaber, ist ein Freund deutlicher Worte. „Abgesehen von Mode, Schmuck, Parfüm und Wein ist Frankreich nicht wettbewerbsfähig“, lästerte der Unternehmer kürzlich in einem Interview. Alle anderen Produkte verkauften sich nicht und niemand aus dem Ausland wolle mehr in Frankreich produzieren. „Wer kauft schon französische Autos? Ich bestimmt nicht“, stänkerte Lagerfeld und bezeichnete Präsident François Hollande mit Blick auf die neue 75-Prozent-Steuer für Einkommensmillionäre als Reichenhasser.

Auch wenn es Lagerfeld überspitzt darstellt, im Grundsatz wird seine Meinung von vielen Wirtschaftsexperten geteilt. Die zweitstärkste Industrienation der EU hat in den vergangenen Jahren deutlich an Wettbewerbsfähigkeit verloren – vor allem im Vergleich zum ewigen Konkurrenten und EU-Klassenprimus Deutschland. Die Folgen werden in der aktuellen Krise immer deutlicher: Seit Oktober 2011 gab es in Frankreich kein Wirtschaftswachstum. Die Arbeitslosenquote ist mit mehr als zehn Prozent so hoch wie seit 13 Jahren nicht mehr.

„Vor zehn Jahren war Deutschland der kranke Mann Europas. Wenn wir nichts unternehmen, wird dies bald Frankreich sein“, warnt die Chefin der größten Arbeitgeberorganisation Medef, Laurence Parisot. Laut „Bild“-Zeitung bezeichnete der frühere deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder Frankreich jüngst sogar als eine der wirklichen Herausforderungen der Eurozone.

Die französische Regierung weiß, dass sie unter Zugzwang steht. Bereits Anfang Juli gab sie bei Louis Gallois, dem früheren Chef des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS, ein Sondergutachten zur Wettbewerbsfähigkeit in Auftrag. Mit wochenlanger Verzögerung übergab er den Bericht nun Premierminister Jean-Marc Ayrault. Er umfasst beispielsweise Empfehlungen für Exporthilfen, Bürokratieabbau und Forschungs- und Innovationsförderung.

Ob der weitreichendste Vorschlag, eine kurzfristige Reduzierung der Lohnnebenkosten um 30 Milliarden Euro, umgesetzt wird, steht allerdings in den Sternen. Die regierenden Sozialisten stecken in der Zwickmühle. Auf der eine Seite wissen sie, dass es mehr Wettbewerbsfähigkeit nur durch weitreichende Arbeitsmarktreformen und eine deutliche Entlastung bei den Sozialabgaben geben wird. Auf der anderen Seite haben sie ihren Wählern versprochen, auf Reformen zu verzichten, die zulasten der Kaufkraft gehen.

Beides unter einen Hut zu bringen, erscheint angesichts der massiven Staatsverschuldung unmöglich, da die Entlastung bei den Arbeitskosten durch andere Abgaben oder Steuererhöhungen aufgefangen werden müsste. Eine Finanzierung auf Pump kommt nicht infrage. Bei den großen Ratingagenturen steht Frankreich unter verschärfter Beobachtung. Bei Standard & Poor’s (S&P) verlor der Staat bereits die Bestnote. Sollte Frankreich seine Sparziele nicht einhalten, droht auch bei anderen Branchengrößen eine Herabstufung.

Eine Entscheidung der Regierung zu dem schwierigen Arbeitskosten-Thema wird in den kommenden Wochen und Monaten erwartet. Gallois schlägt konkret vor, die Arbeitgeber um 20 Milliarden Euro und die Arbeitnehmer um 10 Milliarden Euro zu entlasten. Als maximalen Zeitraum nennt er zwei Jahre. Die Regierung müsse im positiven Sinne einen Schock auslösen, forderte er zur Übergabe des Berichts.

Ein Tabu-Thema bleibt die berühmte französische 35-Stunde-Woche. Solange die Linke an der Macht sei, werde es dabei bleiben, betonte Ayrault in der vergangenen Woche im Parlament. Arbeitgebervertreter sind empört. Sie zitieren eine Studie des französischen Wirtschaftsforschungsinstituts COE-Rexecode. Demnach arbeiten französische Vollzeitbeschäftigte im Schnitt lediglich 1679 Stunden pro Jahr und damit weniger als fast alle anderen in der EU. In Deutschland etwa liegt der Schnitt um 225 Stunden höher. Das macht umgerechnet rund sechs Arbeitswochen pro Jahr.

dpa

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