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Wirtschaft Fourmore: Darum floppt die digitale Altersvorsorge der Allianz
Mehr Welt Wirtschaft Fourmore: Darum floppt die digitale Altersvorsorge der Allianz
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14:44 06.08.2019
Symbolbild Quelle: www.allianz.com
München

Altersvorsorge ist mühselig mit Zinsen nahe dem Nullpunkt. Das gilt vor allem für jüngere Erwachsene, die generell selten an ihren fernen Lebensabend denken. Mit 48 Prozent spart in dieser Altersgruppe hier zu Lande nicht einmal jeder Zweite wenigstens sporadisch für das Alter vor, hat das Versorgungswerk Metallrente in ihrer Jugendstudie 2019 ermittelt. Regelmäßig legt mit 32 Prozent kaum jeder Dritte dafür etwas zurück. 2010 waren es noch jeweils sieben Prozentpunkte mehr. 2018 ist die Allianz als alles dominierender Marktführer bei privater Altersvorsorge angetreten, das zu ändern. „Ich bin zuversichtlich, dass wir einen neuen Standard im Markt setzen“, hatte Allianz Leben-Vorstand Volker Priebe vor Jahresfrist verkündet.

Ein Jahr später sieht es allerdings nicht danach aus.

Das Eis brechen wollte der Assekuranzriese mit einer Rentenpolice namens „Fourmore“. Sie ist in Ein- und Auszahlung hochflexibel, online abschließ- sowie verwaltbar und damit voll auf junge Erwachsene zugeschnitten, die ihr Smartphone kaum noch aus der Hand legen.

Nach einem Jahr signalisiert der Absatz an Fourmore-Policen einen Flop, was Priebe allerdings nicht gelten lässt. „Mit bislang knapp 1.000 Abschlüssen sind wir zufrieden und sehr zuversichtlich“, sagt der Versicherungsmanager. Die Police sei ein Experiment. Man betrete mit ihr in vielerlei Hinsicht Neuland und sei noch am Lernen.

Abschluss lieber beim Makler

Gelernt hat die Allianz zum Beispiel, dass Fourmore-Kunden sich online über die Police informieren, aber sechs von zehn Interessenten lieber offline beim Makler abschließen. Folglich wird ihr Vertrieb derzeit vermeintlich altbacken auf die bundesweit gut 8.000 Allianz-Vertreter erweitert. Dennoch findet Priebe die Online-Abschlussquote von 40 Prozent ermutigend. Denn im Schnitt würden vergleichbare Policen nur zu einem Zehntel per Internet ohne Vertreter gezeichnet.

Überrascht ist die Allianz davon, dass nicht nur die eigentlich angepeilte Zielgruppe junger Erwachsener die Police abschließt. „Es sind auch relativ viele Ältere dabei“, sagt Priebe. Genauere Angaben über die Altersverteilung bleibt er schuldig. Aber die Möglichkeit, bei Fourmore beliebige Beträge einzahlen zu können, ohne wie bei Rentenpolicen sonst an fixe Summen gebunden zu sein und außerdem auch noch eingezahltes Geld im Notfall unkompliziert wieder abheben zu können, treffe offenbar den Nerv nicht nur junger Kunden. Darauf deutet auch die relativ hohe Einzahlungssumme im ersten Jahr von im Schnitt 5.000 Euro je Vertrag.

Ist die Police überteuert?

Mehr als knapp 1.000 Policen werden es aber auch so betrachtet nicht. Das könnte daran liegen, dass die Allianz bei Fourmore mit dem Erreichen des 67. Lebensjahr, wenn die Police fällig wird, gerade einmal die über die Jahre eingezahlte Summe zur Auszahlung garantiert. Dieses Prinzip hat der Versicherer vor sechs Jahren bei seinen damals neuartigen Lebenspolicen aus der Taufe gehoben. Auch hier wird nur die Auszahlung der eingezahlten Gelder garantiert. Während die Lebenspolicen dennoch schnell zum Renner wurden, wirkt Fourmore wie ein Ladenhüter.

Möglicherweise liegt das auch an den vier Prozent Gebühr, die Kunden auf jeden neu eingezahlten Euro zahlen müssen. Dazu kommt jährlich noch eine rund einprozentige Verwaltungsgebühr. Nicht nur Stiftung Warentest zeigte sich deshalb bei Fourmore bei aller Flexibilität des Produkts wenig begeistert. Auch Axel Kleinlein findet die Police überteuert. „Die Verbraucher zeigen bei Fourmore endlich finanzrationales Verhalten und vermeiden Vertragsabschlüsse“, sagt er zum vermeintlich revolutionären Vorsorgeprodukt. Das Absatzergebnis sei katastrophal und eine herbe Niederlage für die Allianz.

Mehr Werbung soll es richten

Die will nicht aufgeben und verweist auf 3,8 Prozent Anlagerendite bei Fourmore im ersten Jahr. Gleichzeitig beginnt sich der Fokus zu verschieben. Neben Vertrieb auch über Vermittler, wolle man nicht mehr ausschließlich junge Erwachsene ansprechen, kündigt Priebe an. „Man wird in der Werbung künftig nicht mehr nur tätowierte Biker oder junge Surferinnen sehen“, sagt der Manager. Die Zielgruppe für digitale und flexible Vorsorge sei eben breiter als erwartet.

Als Abkehr vom ursprünglichen Zielgruppenanspruch will er das nicht verstanden wissen. Junge Leute blieben im Fokus von Fourmore. Es gebe auch großes Feedback abseits von Vertragsabschlüssen.

Kaum Resonanz auf Youtube

Fourmore-Werbefilmchen auf YouTube kann Priebe damit nicht meinen. Der erste, der auf eine Suchanfrage erscheint, kommt auf 183, der zweite auf 299 Aufrufe. Letzterer hat unfreiwillig humoristische Elemente, wenn ein Allianz-Vertreter mit einem Luftballon erklärt, wie Fourmore funktioniert.

Allzu sicher ist sich Priebe aber wohl nicht, die Police noch zu einem Verkaufsschlager machen zu können. Wann der Durchbruch kommen könnte, will er jedenfalls nicht abschätzen. Bei welchen Abschlusszahlen man von einem Erfolg reden könnte, mag der Manager auch nicht sagen.

„Lassen Sie uns in einem Jahr noch einmal darüber reden“, sagt Priebe lediglich.

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Von RND/Thomas Magenheim