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21:38 16.06.2014
Reisende am Flughafen Kassel-Calden. Quelle: dpa
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Kassel

Der neue Flughafenchef Ralf Schustereder hat deshalb eine interessante Idee, um den umstrittenen Airport aus der Krise zu führen – er will das Image durch regelmäßige Flüge verbessern, wie er am Montag in Calden erklärte: „Hauptaugenmerk für 2014 ist eine Stabilisierung des Flugverkehrs.“

Der vor rund einem Jahr eröffnete Flughafen steht wegen geringer Passagierzahlen in der Kritik. Ursprünglich hatte man für das vergangene Jahr mit 100 000 Passagieren kalkuliert, am Ende flogen nur rund 47 000 – und Schuster­eders Vorgängerin Maria Anna Muller, die als Sündenbock für den übergroßen Optimismus der Flughafenplaner ihren Job verlor. Für dieses Jahr rechnet der neue Airport-Chef mit einem ähnlichen schwachen Andrang.

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Mit Marktanalysen will der 49-Jährige nun herausfinden, welche Ziele für die Nordhessen interessant sind und mit den Ergebnissen auf die Fluggesellschaften zugehen. Von der Entscheidung für einen Flughafen bis zur Aufnahme ins Streckennetz können allerdings sechs bis zwölf Monate vergehen, wie Schustereder weiß – wenn die Entscheidung denn überhaupt positiv ausfallen sollte: „Was wir aktiv gestalten wollen, ist das Jahr 2015.“

Im vorigen Jahr hat Kassel-Calden einen Verlust von 6,8 Millionen Euro gemacht. Für das laufende Jahr rechnet der neue Chef mit einem Minus von 8,1 Millionen Euro. Das wird in Wiesbaden nicht gerne gehört, denn die schwarz-grüne Landesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, das Defizit jedes Jahr um 10 Prozent zu verringern – 2017 will sie den Flughafen auf den Prüfstand stellen.

In der Branche hält man diese Galgenfrist für deutlich zu lang. „Ich sehe nicht, wo das Wachstum herkommen soll“, sagt der Luftfahrtexperte Tobias Rückerl. „Wenn Bedarf wäre, würde da auch jemand landen.“ Seiner Ansicht nach wäre es das Beste, den Flughafen in einem „harten Schnitt“ zu verkaufen, wenn keine Besserung in Sicht sei: „Die Airlines brauchen nicht mehr Flughäfen.“ Der einzige Trost für Kassel-Calden: Man steckt nicht allein in der Malaise. Der Flughafen Lübeck musste im April Insolvenz anmelden, der angeschlagene Nürnberger Flughafen hat mittlerweile ein Minus im zweistelligen Millionenbetrag angehäuft.

Timo Lindemann

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