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18:57 09.10.2011
Von Carola Böse-Fischer
Foto: Am Montag entscheiden die Fluglotsen, ob sie tatsächlich streiken.
Am Montag entscheiden die Fluglotsen, ob sie tatsächlich streiken. Quelle: dpa
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Hannover

Und am Mittwoch droht voraussichtlich der erste bundesweite Streik der Fluglotsen in der Geschichte der Bundesrepublik, nachdem die Tarifverhandlungen mit ihrem Arbeitgeber, der Deutschen Flugsicherung (DFS), am Freitag gescheitert sind.

Am Montag entscheiden die Fluglotsen, ob sie tatsächlich streiken – und den deutschen Flugverkehr lahmlegen. Nach den geplatzten Verhandlungen hatten sie der DFS eine dreitägige Friedenspflicht zugesichert, die am heutigen Montagabend endet. Danach kann die Gewerkschaft der Fluglotsen (GdF) einen Ausstand mit einem Vorlauf von 24 Stunden ankündigen.

Die vielleicht tröstliche Nachricht für Flugreisende: „Es wird keinen 24-Stunden-Streik wie in Griechenland geben.“ Das erklärte ein GdF-Sprecher am Wochenende. Beschlossen sei aber noch nichts. „Möglich wäre der Mittwoch.“ Nach den bisherigen Plänen der Gewerkschaft wollen die Fluglotsen im Falle eines Streiks die Arbeit für sechs Stunden niederlegen. „Dadurch wird die Welt nicht aufhören, sich zu drehen“, sagte der Gewerkschaftssprecher. „Wie sollen wir unseren Forderungen sonst Nachdruck verleihen?“ Bereits im August hatten die Fluglotsen zweimal einen Streikanlauf genommen, waren aber auf dem Gerichtsweg von ihrem Arbeitgeber gestoppt worden.

Kein Verständnis haben Flughäfen und Fluggesellschaften für den drohenden Arbeitskampf. Als „verantwortungslos und völlig unverhältnismäßig“ wertete der neue Chef von Air Berlin, Hartmut Mehdorn, das Verhalten der Tarifpartner. Millionen Fluggäste in Europa seien die Leidtragenden. Gescheitert waren die Tarifverhandlungen für die 5000 Beschäftigten der Deutschen Flugsicherung, darunter 1900 Fluglotsen, nicht am Geld. Die Gewerkschaft hat laut DFS auf umfangreichen Beförderungen der Fluglotsen bestanden. Ein Schlichtungsversuch des Arbeitsrechtlers Volker Rieble war danach gescheitert.

Die deutschen Fluglotsen zählen nach Angaben der DFS mit Bruttojahresgehältern zwischen 72.000 und 130.000 Euro ohne Schicht- und Feiertagszulagen zu Topverdienern in Europa. Nur in Spanien werde fast doppelt so viel gezahlt. Ihre wöchentliche Arbeitzeit reiche von 32,8 bis zu 38,5 Stunden. Täglich müssen die Fluglotsen bis zu 10.000 Flugbewegungen koordinieren, knapp 3 Millionen im Jahr.