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Wirtschaft Flippern: Ein Fingerzeig genügt
Mehr Welt Wirtschaft Flippern: Ein Fingerzeig genügt
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23:19 02.03.2010
Von Marina Kormbaki
Die Gedanken sind frei – und spielen Flipper: So richtig cool wirkt Marcel Venthur mit seiner Elektrodenhaube zwar nicht, was er vorführt, beeindruckt dafür umso mehr.
Die Gedanken sind frei – und spielen Flipper: So richtig cool wirkt Marcel Venthur mit seiner Elektrodenhaube zwar nicht, was er vorführt, beeindruckt dafür umso mehr. Quelle: Surrey
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Das Spiel geht in die nächste Runde, die silberne Kugel schnellt hinauf, prallt rechts gegen ein Hindernis, donnert links gegen ein anderes, kullert runter, da springt auch schon der Hebel hoch und katapultiert sie erneut in die oberste Ecke. Es dudelt und funkelt, und Marcel Venthur, der sitzt einfach nur da und blickt konzentriert auf den Automaten. So spielt er Flipper.

Um seinen Kopf hat Venthur ein EEG-Messgerät angelegt, Elektroden messen seine Hirnströme – und genau genommen sind die es, die die Kugel rollen lassen. Ein Rechner wandelt die Aktivität seiner Hirnareale in die Bewegung des Flipperhebels um. Dafür muss sich Venthur im Kopf Bewegungen ausmalen.

„Für die linke Hand ist das ganz einfach: Ich stelle mir vor, wie ich sie leicht bewege“, sagt Venthur. Rechts klappt das aber nicht. „Um den rechten Flipperhebel anzuheben, denke ich mir, ich würde meinen rechten Fuß bewegen.“ Die Forscher der Technischen Universität (TU) Berlin wollen ihre Entwicklung nicht etwa den Spielhallen andienen. Wie so häufig im „Future Parc“ in Halle 9 werden auch am Stand des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, wo die TU ausstellt, komplexe, für Industrie, Wissenschaft oder Medizin nützliche Erfindungen anschaulich präsentiert.

So haben die Berliner bei der Entwicklung ihres Gedankenlesers mobilitätseingeschränkte Menschen im Sinn. „Rollstuhlfahrern und Prothesenträgern wäre geholfen, wenn ein Rechner ihre Bewegungsabsichten erkennt und umsetzt“, sagt Klaus-Robert Müller von der TU Berlin.

Die Absicht einer Bewegung allein genügt einige Meter weiter, am Stand des Fraunhofer-Instituts, nicht, um in der dort ausgestellten Küche der Zukunft wirklich zu kochen. Allerdings braucht es dazu auch nicht viel mehr als einen Fingerzeig. Das Bedienen sämtlicher Küchengeräte übernimmt ein Rechner.

Das kann künftig so aussehen: Man ist mit beiden Händen voll damit beschäftigt, den Brotteig zu kneten, während der Topf mit den Kartoffeln überzukochen droht. Eine knappe Geste mit den Teigfingern genügt, und ein Display erfasst die berührungslose Bewegung für „Herd runterdrehen“ über Infrarot und zwei Kameras – und nimmt die Hitze von der Platte.

Das ist eindrucksvoll. Dass es sich aber tatsächlich durchsetzen wird, daran hegen selbst die Fraunhofer-Tüftler Zweifel. Zu teuer. Aber in Operationssälen oder bei der automatisierten Produktion könnte die „iPoint“-Technik in Serie gehen, heißt es. Richtig optimistisch ist man am Stand des Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI). Fünf Jahre noch, dann habe sich die RFID-Technik im Handel etabliert, sagt Gerrit Kahl.

Kahl zeigt den CeBIT-Besuchern, wie sie bald ihre Einkäufe erledigen könnten – vom Erstellen der Einkaufsliste bis zum Heimfahren der Nahrungsmittel im Auto. Ein Chip erfasst den Leerstand im Kühlschrank, im Supermarkt übernimmt er die Steuerung des Einkaufswagens zu den entsprechenden Regalen und sagt einem, ob mögliche Allergien gegen die Fischstäbchen vorliegen, die man in den Wagen gelegt hat. An der Kasse übernimmt der Chip das elektronische Zahlen, und im bayerischen Auto teilt er mit, wie lange die Heimfahrt maximal dauern darf, bis die Fischstäbchen auftauen. In diesem Auto erklingt Zukunftsmusik.