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Wirtschaft Fiat will Weltkonzern zusammen mit Opel und Chrysler
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16:06 04.05.2009
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Fiat strebt zusammen mit Opel und Chrysler einen der größten Autokonzerne der Welt an. Quelle: Foto Michael Urban/ddp
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Die Opel-Werke in Rüsselsheim, Bochum und Eisenach sollen nach diesem Plan erhalten bleiben, von der Schließung bedroht sein könnte das Werk in Kaiserslautern.

Marchionne stellte sein Konzept in Berlin Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) vor. Der neue Autokonzern hätte nach Angaben von Fiat einen Umsatz von rund 80 Milliarden Euro und soll jährlich bis zu sieben Millionen Autos verkaufen. Damit wäre er die weltweite Nummer zwei hinter Toyota und etwa gleichauf mit Volkswagen.

Laut Fiat könnten für eine solche Fusion das Autogeschäft von Fiat aus dem Konzern herausgelöst und mit Chrysler und dem Europageschäft der Opel-Mutter General Motors (GM) verschmolzen werden. In die neue Gesellschaft sollten neben Opel auch die GM-Töchter Vauxhall und Saab eingebracht werden.

Es gebe allerdings laut Fiat „Konsolidierungsbedarf“ beim Personal und bei den Standorten in Europa, berichtete Guttenberg aus seinem Gespräch mit Marchionne. In Deutschland „könnte“ demnach das Komponentenwerk Kaiserslautern betroffen sein. Dort werden vor allem Motoren gebaut.

Fiat wolle zwar ohne eigene Schulden in das Geschäft mit Opel einsteigen, sagte Guttenberg. Den „finanziellen Überbrückungsbedarf“ schätze Marchionne aber auf fünf bis sieben Milliarden Euro. Das Geld sollen die europäischen Staaten mit Opel-Standorten in Form von Bürgschaften aufbringen. Wie hoch der Anteil Deutschlands dabei sein könnte, wollte der Wirtschaftsminister nicht sagen. Um über Zahlen für Deutschland zu sprechen, sei es noch zu früh. Die Opel-Mutter General Motors hatte den Finanzbedarf für einen weitgehend eigenständigen Opel-Konzern mit 3,3 Milliarden Euro beziffert.

Guttenberg bezeichnete das Konzept von Fiat als „interessant“. Es müsse aber „auf Herz und Nieren überprüft werden“. Eine Vorfestlegung werde es aber weder morgen noch übermorgen geben, sagte der Wirtschaftsminister. „Gespannt“ warte er auch auf das Konzept des österreichisch-kanadischen Autozulieferers Magna, der sich ebenfalls für Opel interessiert.

Marchionne sagte der „Financial Times“, sein Konzept sei „eine unglaublich simple Lösung für ein so ein vertracktes Problem“. Technisch und industriell wäre der Zusammenschluss eine „Hochzeit im Himmel“. Damit nahm Marchionne die Formulierung auf, mit der einst die - inzwischen gescheiterte - Fusion von Daimler und Chrysler gefeiert worden war.

Marchionne hatte vor mehreren Monaten die Losung ausgegeben, künftig werde es nur noch fünf bis sechs große Autobauer auf der Welt geben. Sollte die Dreier-Fusion gelingen, wäre auch Fiat mit Opel und Chrysler darunter. Fiat hatte am Donnerstag, kurz nach dem Gang von Chrysler in die geordnete Insolvenz, die schon im Januar angekündigte Allianz mit dem US-Autobauer perfekt gemacht.

Durch eine Fusion von Fiat und Opel könnten jährlich rund eine Milliarde Euro eingespart werden, berichtete die „Financial Times“. Nach Berechnungen des Blatts anhand ähnlicher Fusionen könnten bis zu 9000 Arbeitsplätze bei einem solchen Zusammenschluss verlorengehen.

Der Opel-Betriebsrat hat sich gegen einen Fiat-Einstieg ausgesprochen. Die Arbeitnehmer-Vertreter fürchten, dass wegen der ähnlichen Modell-Palette der beiden Autobauer in Deutschland Stellen wegfallen werden. Der Vertreter der IG Metall im Opel-Aufsichtsrat, Armin Schild, forderte die Bundesregierung auf, sich bei einer Entscheidung über die Zukunft von Opel Zeit zu lassen. Es wäre eine “übereilte Maßnahme, Opel an irgend jemand zu verscherbeln, wenn man nicht genau absehen kann, dass das Konzept den Interessen der deutschen Steuerzahler, aber eben auch der Beschäftigten bei Opel entspricht“, sagte Schild im ZDF-Morgenmagazin.

afp