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Wirtschaft Facebooks neue Digitalwährung: Zahlen wir bald alle mit „Libra“, statt mit Euro und Dollar?
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15:26 18.06.2019
Facebook will mit der Digitalwährung Libra andere Währungen obsolet machen. Quelle: Jeff Chiu/AP/dpa
Hannover

Mit „Libra“ soll es bald eine weltweite Währung geben – die unter anderem massiv von Facebook unterstützt wird. Doch was steckt hinter der neuen Digitalwährung, für die sich globale Unternehmen wie Facebook, Visa, Mastercard, Paypal und andere zusammengetan haben?

Was ist Libra?

Noch ist Libra vor allem eine Ankündigung für das Jahr 2020. Das Projekt soll sich ab dann zu einer Digitalwährung entwickeln, die weltweit über das Internet getauscht werden kann, beispielsweise via Smartphone-Apps. Zunächst soll Libra vor allem für Überweisungen genutzt werden. Langfristig hofft Facebook, mit Libra eine Währung „für alle Situationen“ zu etablieren.

Wer kann Libra nutzen?

Vermutlich jeder, der ein Smartphone mit Internetzugang hat. Lediglich China ist bei den Plänen bislang ausgeklammert. Zunächst solle sich Libra aber vor allem an jene Teile der Welt richten, die keinen Zugang zu traditionellen Banken haben, heißt es im Konzeptpapier zu Libra. Das wären etwa 1,7 Milliarden Menschen weltweit, vordergründig in ärmeren Staaten und solchen mit instabilen Regierungen oder Währungen.

Wie soll das in der Praxis funktionieren?

Wie jede Kryptowährung besteht auch Libra aus zahllosen Datenblöcken, die per Blockchain-Technologie miteinander verknüpft sind. Um Libra zu bekommen, müssen Nutzer echtes Geld bei Tauschbörsen umtauschen. Außerdem müssen Internetnutzer eine sogenannte Wallet (Geldbörse) haben, in der die Libra gespeichert werden.

Unter anderem hat Facebook angekündigt, mit „Calibra“ eine eigene Wallet für seine Nutzer bereitzustellen. Auch sei geplant, dass die Libra-Überweisungen direkt in den Chatdiensten WhatsApp und Facebook-Messenger vorgenommen werden. Dabei verspricht Facebook, die Daten der Zahlungstransaktionen klar von den Social-Media-Anwendungen zu trennen.

Ist das zuverlässig und stabil?

Technisch gesehen sind Kryptowährungen recht sicher, in der Vergangenheit gab es aber auch erfolgreiche Hacker-Attacken auf Bitcoin-Tauschbörsen. Problematischer war zuletzt die geringe Stabilität von Kryptowährungen, unter anderem schwankte der Wert von Bitcoins massiv.

Libra hingegen soll stabil sein, indem die Einlagen mit echten Vermögenswerten voll gedeckt werden. Wenn beispielsweise 100 Euro in Libra umgewandelt würden, sollen die 100 Euro in einer Reserve geparkt werden, während der Gegenwert in Libra um die Welt zirkuliert. Dafür zuständig soll eine Art Libra-Notenbank sein, die die Gelder in möglichst sichere Anlagen wie Staatsanleihen und Ähnlichem investiert.

Was ist überhaupt Facebooks Rolle dabei?

Öffentlich hält sich Facebook zurück, auf der Webseite des Libra-Projektes ist lediglich die Facebook-Tochter Calibra als einer von vielen Partnern aufgeführt. Gesteuert wird das Projekt stattdessen von der sogenannten Libra Association. Diese solle „unabhängig, nicht-profitorientiert“ sein und sich aus Unternehmen, Universitäten, sowie zivilgesellschaftlichen Akteuren sowie multilateralen Organisationen zusammensetzen.

Und wer gehört zur Allianz dazu?

Außer Facebook sind bei Libra zahlreiche weitere einflussreiche Gründungsmitglieder an Bord. Dazu zählen unter anderem die Zahlungsdienstleister Mastercard, Paypal und Visa ebenso wie die Digitalkonzerne Ebay, Spotify, Uber und Lyft. Auch Vodafone ist dabei, genau wie Hilfsorganisationen wie Mercy Corps oder Womans World Banking.

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Die Initiative will gegebenenfalls weitere Mitglieder aufnehmen, 100 sollen es bis zum Start von Libra werden, heißt es seitens Facebook. Um mitzumachen, müsse ein Unternehmen aber eine Milliarde Marktwert oder 20 Millionen Nutzer haben.

Das heißt, Libra ist kein Facebook-Projekt?

Facebook gilt als treibende Kraft hinter dem Aufbau von Libra. Und auch wenn die Libra Association intern demokratisch arbeiten soll, könnte Facebook einiges an informellem Einfluss geltend machen. Immerhin hat der Konzern eigenen Angaben zufolge 2,7 Milliarden Nutzern und dürfte damit einen Großteil der künftigen Anwender in die neue Digitalwährung einbringen.

Soll Libra irgendwann andere Währungen ersetzen?

Ja. Geht es nach dem zuständigen Facebook-Manager David Marcus, soll Libra langfristig ein vollwertiges Zahlungsmittel für alle Situationen werden. David Marcus, der das Projekt bei Facebook betreut, geht aber davon aus, dass das mindestens zehn Jahre dauern wird. „Ich denke, dass jede neue Währung viel Zeit brauchen wird, um so groß zu werden wie eine existierende nationale Währung einer großen Volkswirtschaft.“

Zunächst soll Libra deshalb für Überweisungen genutzt werden und unter anderem Transaktionen zwischen verschiedenen Währungen erleichtern.

Wie reagiert die Konkurrenz?

Mit Paypal hat sich bereits ein potenzieller Mitbewerber der Libra-Allianz angeschlossen - obwohl Libra mit seinem Bezahldienst auch Paypals eigene Geschäftsfelder bedrohen könnte. Wie Western Union und andere Bezahldienstleister mit der neuen Konkurrenz umgehen wollen, ist noch unklar.

Und was sagen Staaten und Behörden?

Auch das ist noch unklar. Facebooks David Marcus kündigte bereits an, die übliche Regulierung, zum Beispiel Maßnahmen gegen Geldwäsche, werde auf Ebene der Wallet-Anbieter greifen. Der Konzern habe darüber bereits „mit Regulierern rund um Welt“ gesprochen.

Fazit

Die Libra-Allianz plant Großes – und die beteiligten Unternehmen haben genug Marktmacht, um das Vorhaben zu einem Erfolg werden zu lassen. Doch während Libra aus technischer Sicht funktionieren dürfte, ist noch völlig unklar, wie sich die Regulierungsbehörden zu einem so gigantischen Vorhaben positionieren.

Denn unter dem Strich hat Libra das Zeug, die ein oder andere staatlich garantierte Währung obsolet zu machen – wenn die potenziellen Kunden der neuen Währung vertrauen.

Von RND/Christoph Höland

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