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Wirtschaft Europäischer Militärtransporter A400M zum Erstflug gestartet
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11:35 11.12.2009
Endlich fliegt der Pannenvogel: Nach langer Verzögerung erhob sich der Militärtransporter A400M in den Himmel über Sevilla. Quelle: afp
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Der Bau des europäischen Militärtransporters A400M war bis jetzt eine Geschichte von Pleiten, Pech und Pannen. Nach mehr als zweijähriger Verspätung startete am Freitag endlich der Prototyp des „Supervogels“ vom Werksflugplatz im spanischen Sevilla vor Tausenden geladenen Gästen und Journalisten zum Jungfernflug. Die Zuschauer, unter ihnen auch der spanische König Juan Carlos I., beobachteten mit Spannung, wie sich das Turboprop-Flugzeug, das einmal Soldaten und Material in die Auslandseinsätze fliegen soll, mit seinen vier mächtigen Propellern im Flug verhielt.

Beim A400M handelt es sich um das größte und aufwendigste europäische Militärprojekt. Sieben Nationen - Deutschland, Frankreich, Spanien, Großbritannien, die Türkei, Belgien und Luxemburg - haben 180 Maschinen zum Preis von mehr als 20 Milliarden Euro bestellt. Deutschland hatte mit 60 Flugzeugen zum Preis für über neun Milliarden Euro die größte Order abgegeben.

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Die Chefs der Flugzeugbauer EADS und dessen Tochter Airbus, der Franzose Louis Gallois und der Deutsche Thomas Enders, beobachteten mit den Staatssekretären der Bestellernationen den Erstflug. Der französische Verteidigungsminister Herve Morin wäre gern mitgeflogen, musste aber den sechs Werkspiloten und Testingenieuren die Plätze überlassen.

Seit Jahren gibt es zwischen den Flugzeugherstellern und den europäischen Regierungen einen Milliardenpoker um die enorm gestiegenen Kosten. Die entscheidende Frage lautet: Wer übernimmt die entstandenen Mehrkosten in Höhe von 5,3 Milliarden Euro? Davon könnten auf Deutschland bis zu 1,7 Milliarden Euro entfallen. Airbus kann die zugesagten Leistungen zum ursprünglich vereinbarten Gesamtpreis nicht erbringen.

Voraussichtlich Ende des Jahres wollen die Verteidigungsminister der sieben Länder die endgültige Entscheidung treffen, ob sie trotz aller finanziellen Probleme an dem Prestigeprojekt festhalten oder letztlich darauf verzichten wollen. Eine Annullierung wird allerdings für „sehr unwahrscheinlich gehalten“, sagte ein EADS-Sprecher. Die Kostensteigerungen waren wegen der vielen technischen Probleme beim Bau des A400M entstanden.

Im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und FDP heißt es: „Beim Rüstungsprojekt A400M besteht die Koalition auf vollständiger Erfüllung des Vertrages“. Die Bestellerländer machten bislang unmissverständlich klar, da beim Vertragsabschluss im Mai 2003 ein Festpreis vereinbart worden sei, könne EADS die gestiegenen Kosten nicht einfach an seine Kunden weitergeben. Eine Maschine für die Deutsche Luftwaffe sollte ursprünglich 124 Millionen Euro kosten. Sollte der EADS-Konzern nicht die Mehrkosten übernehmen, würde sich der Stückpreis nach Schätzung von Insidern für die deutschen Maschinen möglicherweise auf 180 Millionen Euro erhöhen.

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) erwartet von EADS/Airbus aber ein „Zeichen des Entgegenkommens“. Nach ddp-Informationen könnten sich aber die Bestellernationen „vielleicht auf eine anteilige Lösung“ mit der Industrie einigen. Die Rede ist davon, dass die sieben Länder zusammen die Hälfte der 5,3 Milliarden Euro Mehrkosten tragen könnten.

Für die Bundeswehr gibt es zum A400M nach Darstellung von Luftwaffenoffizieren keine Alternative. Der „Supervogel“ soll die betagte Transportmaschine vom Typ C-160-Transall ablösen. Gerade für die Auslandseinsätze wird der A400M als „unerlässlich“ angesehen. Er wird mit 780 Kilometer in der Stunde wesentlich schneller sein als die bewährte „Trall“ mit nur 455 Stundenkilometer.

Der A400M soll auch deutlich mehr „schleppen“ können: Maximal 37 Tonnen statt nur 16 Tonnen wie die Transall. Die größte Reichweite des A400M liegt bei über 8000 Kilometer. Die Transall schafft lediglich 1 170 Kilometer. Mit dem A400M wollen sich die europäischen Militärs die Möglichkeit verschaffen, Zehntausende Soldaten und schweres Kriegsgerät problemlos in alle Welt zu bringen. Die Maschine soll auch auf Sand- und Graspisten starten landen können. 2013 sollen die ersten A400M ausgeliefert werden.

ddp

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Nach jahrelangen Verzögerungen hebt der Airbus-Militärtransporter A400M am Freitag zum Erstflug ab. Über die Finanzierung der Mehrkosten, die durch die Verzögerung entstanden sind, wird weiterhin diskutiert. Eine Einigung mit den Abnehmerländern bis Ende des Jahres sei aber Sicht, sagte Airbus-Vizechef Fabrice Brégie.

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