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Wirtschaft „Ende gut, alles gut“
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21:20 13.08.2009
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Haben VW und Porsche jetzt endlich ihren Weg in die Zukunft gefunden, Herr Wulff?
Ja, beide Unternehmen bekommen eine klare gemeinsame Struktur. Mit ihrem Know-how, der Schlagkraft des Weltkonzerns VW und dem Mythos der Marke Porsche haben sie beste Chancen, die Nummer eins in der Autowelt zu werden. Das macht die Arbeitsplätze in beiden Unternehmen sicherer.

Was ist das wichtigste Ergebnis aus niedersächsischer Sicht?
Wir haben es in langen Verhandlungen und mit Druck geschafft, die Rolle Niedersachsens bei VW abzusichern. Sperrminorität, zwei Entsenderechte für den Aufsichtsrat – all das wird dauerhaft festgeschrieben. Wolfsburg bleibt dauerhaft Sitz des Weltkonzerns. Nach all den Jahren, in denen wir um das VW-Gesetz kämpfen und manchmal auch zittern mussten, ist das eine historische Weichenstellung.

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Die Porsche-Eigentümer waren strikt gegen das VW-Gesetz. Haben sie sich quergelegt?
Jedenfalls war es einer der heiklen Punkte bis zuletzt. Wir haben über dieses und andere Themen wochenlang Tag und Nacht verhandelt. Erst danach konnten wir sagen: Ende gut, alles gut. Aber der Aufwand hat sich gelohnt.

Niedersachsen ist nicht Vertragspartner. Welche Rolle konnte das Land in den Verhandlungen überhaupt spielen?
Wir haben den Prozess moderiert. Und wenn man bedenkt, dass wir dabei im Wesentlichen mit einem Dreierteam ganzen Beraterhorden der anderen Beteiligten gegenübergetreten sind, dann kann Niedersachsen auf das Ergebnis erst recht stolz sein. Es ist ganz nebenbei ein Beweis für die Leistungsfähigkeit des öffentlichen Dienstes.

Ist es auch ein Erfolg für VW? Immerhin wird für Porsche viel Geld gezahlt.
Dazu habe ich bei VW einen schönen Satz gehört: Gute Unternehmen sind nie zu teuer, schlechte sind immer zu teuer. Wir haben auf eine faire Bewertung und eine solide Finanzierung bei VW besonderen Wert gelegt. Der Konzern muss für seine anderen Projekte Liquiditätsspielraum behalten.

VW könnte sein Geld auch anders investieren. Was hat der Konzern von der zehnten Marke Porsche?
Wir werden dadurch noch stärker. Porsche ist eine Perle und eine der begehrtesten Marken der Welt. Sie rangiert weltweit gleich hinter Coca-Cola. Und Porsche ist der profitabelste Autobauer. VW ist damit nicht nur das beliebteste, sondern auch das größte Unternehmen in Deutschland. Volkswagen wird Porsche in größter Eigenständigkeit arbeiten lassen, damit Porsche auch Porsche bleibt.

Zwischen beiden Unternehmen ist einiges Porzellan zerschlagen worden. Wie soll man das wieder kitten?
Ich habe in den vergangenen Wochen viele Gespräche mit allen Beteiligten geführt, zuletzt am Mittwoch mehrere Stunden mit Angehörigen der Familien Porsche und Piëch. Wir haben uns ausgesprochen. Die Dinge liegen hinter uns, da bleibt nichts zurück.

Die Porsche-Mitarbeiter können sich eigentlich nur als Verlierer fühlen.

Es darf keine Verlierer geben, und es gibt sie auch nicht. Gewinner sind die Beschäftigten von Porsche und Volkswagen. Ich habe mit dem Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück gesprochen und hoffe, dass wir ihn bald in Wolfsburg begrüßen können. Es war ein mühsamer Weg, aber der ist jetzt beendet, und wir blicken nach vorn. Auf beiden Seiten hat man jetzt endlich den Kopf frei, um sich wieder ums Kerngeschäft zu kümmern.

Interview: Stefan Winter

Jens Heitmann 13.08.2009
Stefan Winter 13.08.2009