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Wirtschaft Berggruen verhandelt über Karstadt-Verkauf
Mehr Welt Wirtschaft Berggruen verhandelt über Karstadt-Verkauf
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20:46 11.07.2014
Der Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Berlin

Karstadt erlebt eine Phase zwischen Hoffen und Bangen: Vier Jahre nach seinem Einstieg bei der Essener Warenhauskette steht der einst als Retter gefeierte Investor Nicolas Berggruen vor einem Scherbenhaufen. Der plötzliche Abgang der erst vor knapp fünf Monaten angetretenen Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt hat klargemacht, wie prekär die Lage des Traditionsunternehmens mit seinen 17 000 Mitarbeitern sein muss.

Während das Unternehmen auf alle Anfragen mit beharrlichem Schweigen reagiert, machen Spekulationen die Runde. Laut einem Bericht der „Bild“-Zeitung soll Karstadt-Eigentümer Berggruen bereits über einen Verkauf an die österreichische Investorengruppe Signa verhandeln. Die Signa-Gruppe des Tiroler Unternehmers René Benko soll dem Vernehmen nach eine Option haben, die Mehrheit an den 83 regulären Karstadt-Warenhäusern zum symbolischen Preis von einem Euro zu übernehmen.

Doch Fachleute wie der Handelsexperte Thomas Roeb sind skeptisch: „Die Übernahme von Karstadt macht für Benko nur dann Sinn, wenn er daran glaubt, dass Karstadt sich sehr schnell grundlegend sanieren lässt, wofür aber im Moment wenig spricht.“ Fest steht: Die Sanierungsbemühungen der vergangenen Jahre sind zum großen Teil verpufft. „Die Häuser, die wir saniert haben, funktionieren nicht besser als die Häuser, die wir nicht saniert haben“, gestand Berggruen selbst schon vor einigen Monaten.

Doch stand nach Einschätzung vieler Branchenkenner ohnehin nicht annähernd genug Geld für eine erfolgreiche Neuausrichtung zur Verfügung. Der Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein schätzt, dass in den 83 Warenhäusern des Konzerns inzwischen ein Investitionsstau von mindestens 1,5 Milliarden Euro entstanden ist. „Berggruen hätte wahrscheinlich sein gesamtes Vermögen investieren müssen, um Karstadt fit zu machen für das Internetzeitalter“, sagt Heinemann. Es gehe darum, in den Geschäften ein überzeugendes Einkaufserlebnis zu bieten und gleichzeitig mit zukunftsfähigen Systemen stationären Handel und Onlinegeschäft wirkungsvoll zu verknüpfen.

Dass Warenhäuser auch heute noch in Deutschland erfolgreich agieren können, wenn genug investiert wird und das Management stimmt, zeigt der Rivale Kaufhof. Während Karstadt rote Zahlen schreibt, gelingt es der Metro-Tochter, sich auf dem hart umkämpften Markt zu behaupten. Der Kaufhof-Mutterkonzern steht jedoch nicht als Retter für den kriselnden Rivalen bereit. „Karstadt ist für uns überhaupt kein Thema“, betonte Metro-Vorstandschef Olaf Koch.

Dabei galt eine Fusion von Kaufhof und Karstadt zu einer Deutschen Warenhaus AG noch vor einigen Jahren unter vielen Handelsexperten als naheliegende Antwort auf Konkurrenten wie H&M und Zara und auf den boomenden Onlinehandel.
Umso schwerer wiegt der überraschende Abgang Sjöstedts. „Bei Karstadt fehlt jetzt der erfahrene Manager, den man bräuchte, um die anstehenden Sanierungsanstrengungen nicht nur durchzuziehen, sondern auch der Öffentlichkeit gegenüber plausibel zu machen“, sagte Handelsexperte Roeb. Einen Nachfolger außerhalb des Konzerns zu finden dürfte inzwischen schwer sein.

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