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Wirtschaft Düstere Aussichten für den Karstadt-Mutterkonzern
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23:29 08.06.2009
Die Hauptverwaltung der Arcandor AG in Essen. Quelle: Michael Gottschalk/ddp

Mit einer endgültigen Absage für den 437-Millionen-Euro-Notkredit würde einer der letzten Hoffnungsschimmer für das Essener Unternehmen schwinden.

Nun konzentrieren sich die Rettungsbemühungen auf die Arcandor-Großaktionäre Sal. Oppenheim und Madeleine Schickedanz sowie auf Banken und Vermieter, von denen nach Angaben des Unternehmens ein erhöhter Beitrag zur Sanierung des Konzerns verlangt wird. Man werde in einem neuen Anlauf alle Möglichkeiten für eine weitere Aufstockung der Zusagen ausloten, hieß es am Abend aus der Arcandor-Zentrale. Die Großaktionäre signalisierten zunächst ihre Bereitschaft zu einer Kapitalerhöhung von 150 Millionen Euro.

„Eine Insolvenz wäre eine Katastrophe“, sagt Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Während Beschäftigte und Unternehmensleitung seit Wochen um das Überleben des Konzerns kämpfen, geht nun auch bei den Arcandor-Aktionären die Angst vor einer drohenden Insolvenz um. Bei den Aktionärsschützern stehen die Telefone kaum noch still. „Viele Aktionäre wollten die tatsächliche Lage des Konzerns lange nicht wahrhaben“, sagt Tüngler. Falls es zu einer Insolvenz kommen sollte, könnten die Aktionäre „keinen Cent“ erwarten. Der Aktienkurs brach am Montag zeitweise um über 40 Prozent ein.

Vor allem die 32 000 Beschäftigten der Arcandor-Warenhaustochter Karstadt hätten unter einer Insolvenz zu leiden. Statt einer Fortsetzung der Verhandlungen mit dem Konkurrenten Kaufhof über einen Zusammenschluss „auf Augenhöhe“ könnte die Kaufhof-Mutter Metro sich dann einzelne „Rosinen“ herauspicken. Unterm Strich könnte der Kahlschlag möglicherweise radikaler ausfallen als derzeit befürchtet.

„Man hat die Probleme lange kommen sehen. Warum sollte der Staat einem Unternehmen eine bessere Verhandlungsposition verschaffen?“, fragte indes der Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), Christoph Schmidt. Der Experte, dessen Rat als Wirtschaftsweiser gefragt ist, gilt als ein entschiedener Gegner von staatlichen Unterstützungsmaßnahmen für das ums Überleben kämpfende Essener Unternehmen.

Bürgermeister von Städten mit Karstadt-Warenhäusern und Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) forderten hingegen, die Kaufhäuser als Kundenmagneten in den Innenstädten zu erhalten. Sie appellierten an die Verantwortlichen, „unverzüglich alle denkbaren Möglichkeiten zu nutzen, um alle Kaufhäuser zu retten, gerade im Interesse des Erhalts von Innenstädten“.

„Bei den Rettungsbemühungen um den Arcandor-Konzern geht es nicht nur um Arbeitsplätze“, heißt es in der Erklärung. Es gehe auch um die Attraktivität und Anziehungskraft vieler Innenstädte. Karstadt-Filialen stärkten in mehr als 70 deutschen Städten den Wirtschaftsstandort Innenstadt. Tiefensee erklärte, man dürfe weder die Arbeitnehmer noch die Städte im Regen stehen lassen.

Sobald über die Zukunft des Konzerns und der einzelnen Standorte Klarheit herrscht, will Tiefensee die Oberbürgermeister und Länder einladen, um weitere Schritte abzustimmen. „Dazu gehören frühzeitige Hilfen für die von Schließungen betroffenen Standorte aus den Programmen der Städtebauförderung.“

Unterdessen droht dem früheren Arcandor-Chef Thomas Middelhoff wegen Verflechtungen mit Immobiliengeschäften des Konzerns ein Ermittlungsverfahren. Die Staatsanwaltschaft Essen prüft, ob ein Anfangsverdacht gegeben ist. „Wir haben ein Vorermittlungsverfahren eingeleitet“, sagte Oberstaatsanwältin Angelika Matthiesen. Es gehe um den Vorwurf der Untreue. Bevor Middelhoff 2004 zur damaligen KarstadtQuelle AG kam, hatten er und seine Ehefrau sich an dem Oppenheim-Esch-Fonds beteiligt, der Karstadt-Immobilien im Portfolio hat.

von Simone Hett und Uta Knapp

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