Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Wirtschaft Discounter drücken Lebensmittelpreise
Mehr Welt Wirtschaft Discounter drücken Lebensmittelpreise
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:01 21.10.2009
Von Saskia Döhner
„In keinem anderen europäischen Land sind die Lebensmittelpreise so niedrig wie in Deutschland“.
„In keinem anderen europäischen Land sind die Lebensmittelpreise so niedrig wie in Deutschland“. Quelle: ddp (Archiv)
Anzeige

Das sagte Wolf Kropp-Büttner, Vorsitzender des Verbandes der Ernährungswirtschaft und Geschäftsführer der Bremer Schokoladenfirma Hachez, am Mittwoch in Hannover. „Und der Preisverfall geht weiter.“ Im Juli 2009 seien die Abgabepreise der Industrie um 4,1 Prozent niedriger gewesen als im Vorjahr. Die Verbraucher hätten 2,1 Prozent weniger für Nahrungsmittel und nicht alkoholische Getränke bezahlt. Die Deutschen würden nur rund 12 Prozent ihres Haushaltseinkommens für Lebensmittel aufwenden.

„Den Deutschen geht es um den Preis, den Franzosen ums Einkaufserlebnis“, sagte Kropp-Büttner. Nur so sei der Siegeszug von billigen Discountern wie Aldi und Lidl in Deutschland zu erklären. Der zunehmende Preisdruck könne auch zu einem Qualitätsverfall führen, warnte der VdEW-Vorsitzende, wenn Hersteller auf günstigere Produkte auswichen und, statt zum Beispiel bei Süßwaren teuren Kakao zu benutzen, einfach den Zuckeranteil erhöhten. Man dürfe industrielle Fertigung nicht verteufeln: „Nie waren Lebensmittel so sicher wie heute.“

Kropp-Büttner nannte dagegen „das immer feinere Netz von Vorschriften, in das unsere Branche verstrickt wird, lästig“. Ob sie von der Europäischen Union oder vom Bund kämen, bei der Schlagzahl der vielen neuen Regeln komme man gar nicht mehr mit. Dabei sei es falsch, den Verbraucher durch Überreglementierung schützen zu wollen, findet der Hachez-Geschäftsführer. Viel besser sei es, die Konsumenten umfassender zu informieren: „Warum soll das nicht auch ein Unterrichtsfach in der Schule sein?“

Lebensmittel in Ampelfarben zu kennzeichnen hält der VdEW für einen „Irrweg“. Da würden selbst gesundheitsfördernde Lebensmittel wie Butter ein Rot bekommen, weil sie Fett enthielten. Die Zutatenlisten und Nährwertangaben auf den Rückseiten der Produkte seien viel informativer. Außerdem seien oft nicht allein die Nahrungsmittel wie Süßwaren oder Chips schuld, wenn Menschen dick werden, sondern noch ganz andere Faktoren, etwa mangelnde Bewegung. Kropp-Büttner sprach sich allerdings eindeutig gegen irreführende Werbung auf Lebensmittel aus: „Man darf nur versprechen, was auch tatsächlich belegt ist.“

Die Zutatenlisten müssten einfach und verständlich sein und dürften nicht chemischen Formeln ähneln. Eine Faustregel gab er den Verbrauchern jedoch mit auf den Weg: „Wenn auf einer Liste Zucker ganz oben steht, dann enthält das Produkt meist auch ganz viel davon.“ Der VdEW vertritt in Niedersachsen, Bremen und Sachsen-Anhalt rund 250 Betriebe mit rund 45 000 Beschäftigten. Das sind etwa die Hälfte der Unternehmen in der Lebensmittelbranche.