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Wirtschaft Dirk Stelzl zum Euro-Schutzschirm
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20:03 27.03.2012
Von Dirk Stelzl
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Hannover

Zu den trostlosen Erfahrungen in der europäischen Staatsschuldenkrise gehört, dass man den Versprechen der Politiker besser nicht zu viel Glauben schenkt. Getrieben von den internationalen Partnern gibt die Bundesregierung ihre bisherige Position auf. Was bisher ausgeschlossen wurde, soll nun doch möglich sein: eine Erweiterung des Schutzschirms - mit der Gefahr, dass Deutschland noch stärker haften muss.

Es ist verständlich, dass sich Kanzlerin Angela Merkel lange gesträubt hat. „Wenn die Märkte 50 erwarten oder 70 verlangen, dann gib ihnen 100!“ - es widerstrebt einem, sich einer solchen, von der OECD vertretenen Denkweise zu fügen. Und welcher Politiker kann es leichten Herzens verantworten, solche Haftungsrisiken einzugehen?

Doch so traurig es ist: Die Bundesregierung kann sich schwer dem internationalen Druck entziehen, den bisherigen Krisenfonds EFSF und den Stabilitätsmechanismus ESM zumindest vorübergehend parallel laufen zu lassen - und damit einen höheren Schutzwall zu errichten. Das bedeutet freilich nicht, dass die Rettungsschirme - wie von der OECD gefordert - auf eine gigantische Billion Euro verdoppelt werden müssen.

Die Lage an den Finanzmärkten hat sich zwar entspannt - nicht zuletzt dank der Geldschwemme durch die Europäische Zentralbank. Die Konjunkturaussichten sind besser als von manchen erwartet. Die Ruhe trügt allerdings etwas trotz aller Fortschritte und Lichtblicke.

Auch nach dem zweiten Hilfspaket und der Umschuldung für Griechenland ist die Euro-Schuldenkrise noch nicht überstanden. Erst vor Kurzem äußerte etwa der Anleiheninvestor Pimco die Vermutung, Portugal könne ein zweites Griechenland werden. Solche alarmistischen Warnungen mögen übertrieben sein, doch nach wie vor gibt es in der europäischen Währungsunion erhebliche Risiken. Dirk Stelzl