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Wirtschaft „Die schwerste Krise der Geschichte“: Welche Chancen Finanzexperten Facebook noch geben
Mehr Welt Wirtschaft „Die schwerste Krise der Geschichte“: Welche Chancen Finanzexperten Facebook noch geben
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17:35 05.10.2021
Der Facebook-Konzern von Marc Zuckerberg steht erneut in der Kritik.
Der Facebook-Konzern von Marc Zuckerberg steht erneut in der Kritik. Quelle: imago images / ZUMA Press
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Hannover

Für mehrere Stunden waren die Dienste von Facebook am Montagabend offline: Der Chatdienst Whatsapp und die sozialen Netzwerke Facebook und Instagram waren für Millionen Menschen nicht erreichbar. Der Konzern erklärte die Störung mit einer fehlerhaften Konfigurationsänderung, durch die der Datenverkehr zwischen den Rechenzentren zusammengebrochen sei.

Insgesamt nutzen monatlich rund 3,5 Milliarden Menschen mindestens einen Dienst des Konzerns, 2,76 Milliarden greifen sogar täglich darauf zu. Gründer und Konzernlenker Mark Zuckerberg entschuldigte sich in einem kurzen Facebook-Beitrag bei den Nutzern. Die weitreichenden Folgen der Probleme bei nur einem Unternehmen lösten neue Rufe nach einer Zerschlagung des Konzerns aus.

Finanzexperten äußern Zweifel an Facebook

Für den Analysten Ingo Wermann (DZ-Bank) ist klar: Facebook mache „derzeit die schwerste Krise seiner noch relativ jungen Geschichte durch“. Als Grund nennt der Finanzexperte in seiner Analyse neben der „seit Längerem beschädigten Reputation“ auch wirtschaftliche Gründe.

Zukünftige Werbeeinnahmen seien in Gefahr, weil Apple auf seinen iPhones und iPads strengere Datenschutzregeln eingeführt hat. „Hierdurch wird Facebooks Fähigkeit eingeschränkt, seinen Anzeigenkunden das Schalten von möglichst zielgruppenspezifischer beziehungsweise personalisierter Onlinewerbung anzubieten“, so Wermann. Und in der Tat habe der Konzern bereits einräumen müssen, dass es Probleme bei der Erfolgsmessung der Werbekampagnen gebe. Analysten rechnen daher mit einer möglichen Verunsicherung der Werbekunden und weniger Werbeeinnahmen.

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Whistleblowerin verschärft Druck auf Facebook

Derweil steht Facebook nach Enthüllungen einer Whistleblowerin in den USA erneut unter Druck. Eine ehemalige Mitarbeiterin belegte anhand zahlreicher Dokumente, dass Facebook gegen eigene Grundsätze verstoßen würde und selbst initiierte Studien zurückhalte, wonach das soziale Netzwerk seine Nutzer körperlich und psychisch gefährde. Beiträge von reichweitenstarken Prominenten sollen demnach nicht oder nur sehr verzögert gelöscht worden sein, obwohl diese eindeutig gegen interne Regeln verstoßen haben. Wermann geht davon aus, dass „die Enthüllungen über fragwürdige Geschäftspraktiken den regulatorischen Druck erhöhen“.

Auch der Morningstar-Analyst Ali Mogharabi rechnet damit, dass Facebook weiterhin hohem Druck ausgesetzt sein wird, Benutzerkonten und Inhalte genau zu prüfen. Er verweist aber darauf, dass Facebook schon in der Vergangenheit mit ähnlichen Problemen konfrontiert war. Sie haben sich „nur geringfügig auf das Nutzerwachstum, die Nachfrage der Werbetreibenden und die allgemeine finanzielle Leistung ausgewirkt“. Er sieht vor allem einen großen Einfluss durch Instagram auf den Facebook-Konzern: Eltern und Gesetzgeber könnten mehr Kontrolle haben wollen, was die Plattform für Werbekunden weniger attraktiv machen könnte. Zudem rechnet er damit, dass sich dann auch weniger neue Nutzer anmelden könnten.

Zu einer anderen Schlussfolgerung kommt der Analyst Jim Cramer: Obwohl Facebook in der Vergangenheit schon häufiger Vorwürfen ähnlicher Art ausgesetzt war sei es diesmal anders, sagte Cramer am Montagmorgen vor der Facebook-Störung im US-Nachrichtensender CNBC. Er warnt, dass sich Werbekunden von Facebook und Instagram zurückziehen könnten.

Facebook-Aktie im Tiefflug

Die Facebook-Aktie schloss am Montag mit einem Minus von knapp 5 Prozent. Auch danach war das Unternehmen an der Börse immer noch rund 920 Milliarden Dollar wert.

Das persönliche Vermögen von Zuckerberg schrumpfte nach Berechnungen des Finanzdienstes Bloomberg binnen weniger Stunden um mehr als 6 Milliarden Dollar. Mit noch 121,6 Milliarden Dollar rutschte er demnach um einen Platz nach hinten auf den fünften Rang hinter Microsoft-Gründer Bill Gates. Nachdem die Störung behoben war, legte der Kurs der Facebook-Aktie im vorbörslichen Handel am Dienstag zeitweise um 0,7 Prozent zu.

RND mit dpa-Material

Von Sven Christian Schulz /RND

Der Artikel "„Die schwerste Krise der Geschichte“: Welche Chancen Finanzexperten Facebook noch geben" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.