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Wirtschaft Die IT-Branche ist auf der Jagd nach Personal
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19:13 05.03.2012
Von Stefan Winter
Foto: Der IT-Branche fehlt der Nachwuchs.
Der IT-Branche fehlt der Nachwuchs. Quelle: dpa
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Hannover

Die deutsche IT-Branche kann ihren Personalbedarf nicht mehr decken. Der Ingenieursverein VDI berichtete am Montag auf der CeBIT von 30.000 offenen Stellen für Informatiker, der Branchenverband Bitkom von knapp 40000 Angeboten für IT-Fachkräfte insgesamt. Dem stünden bei den Informatikern nur rund 6000 Arbeitslose gegenüber. Einer Umfrage zufolge wollen zwei Drittel der Unternehmen in diesem Jahr zusätzliche Stellen schaffen. 5000 bis 6000 Jobs dürften so hinzukommen. Die Lage habe sich innerhalb eines Jahres "alarmierend verschärft", sagte Dieter Westerkamp vom VDI.

In der Rezession 2009 hielten sich Angebot und Nachfrage bei IT-Arbeitskräften ungefähr die Waage. Seitdem hat sich die Zahl der offenen Stellen in diesem Bereich aber nahezu verdreifacht. Zwar steigen die Absolventenzahlen in der Informatik seit Jahren auf zuletzt 19.000, aber der jetzt erreichte Stand genüge nicht einmal, um die in nächster Zeit ausscheidenden Mitarbeiter zu ersetzen, erklärte SAP-Deutschlandchef Michael Kleinemeier. Westerkamp sprach von einer "dramatischen" Lage, die auf längere Sicht die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen bedrohe. Laut einer VDI-Umfrage erwarten drei Viertel der Firmen bis 2015 einen wachsenden Personalbedarf.

Dabei verfolgten große und kleine Unternehmen unterschiedliche Konzepte. Konzerne setzten vor allem auf Outsourcing von Dienstleistungen und Arbeitsverlagerung ins Ausland. Mittelständler reagierten vor allem mit Weiterbildung des eigenen Personals und "flexiblen Arbeitszeit- und Geschäftsmodellen". Die gewünschten Talente mit höheren Gehältern zu locken steht mit je rund 10Prozent in beiden Gruppen am Ende der Maßnahmenliste.

Westerkamp und Bitkom-Präsident Dieter Kempf hoffen auf die Schulen. Es wäre schon viel gewonnen, wenn Lehrpläne und Technik für die Vermittlung von Internet- und Medienkompetenz bundesweit einheitlich wären, sagte Kempf. So ließen sich auch die Kosten bremsen. Westerkamp forderte Technik und Informatik als Pflichtunterricht in den Schulen. Es müsse nicht nur mehr Interesse für das Fach geweckt werden, die Schüler müssten auch besser auf das Studium vorbereitet werden. "Wir verlieren vor allem die Mädchen", sagte Westerkamp.

Dass durchschnittlich jeder dritte Informatikstudent - an einigen Hochschulen sogar jeder zweite - das Studium vorzeitig abbricht, habe allerdings auch mit dem Angebot dort zu tun, erklärte er. Mit der Umstellung auf Bachelor- und Masterabschlüsse seien zwar die Studienzeiten verkürzt, die Inhalte aber nicht abgespeckt worden. Er bezweifele, dass diese Stoffmengen in jedem Fall nötig seien, sagte Westerkamp.

05.03.2012
05.03.2012
Lars Ruzic 04.03.2012