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Wirtschaft Deutsches Haushaltsdefizit sinkt trotz Rezessionsängsten
Mehr Welt Wirtschaft Deutsches Haushaltsdefizit sinkt trotz Rezessionsängsten
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10:32 01.09.2011
Während Rezessionsängste die deutsche Wirtschaft bremsen, spült der Konjunkturaufschwung zu Jahresbeginn mehr Geld in die Staatskassen. Quelle: dpa
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Wiesbaden

Rezessionsängste haben die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal 2011 gebremst. Nach dem fulminanten Jahresstart schwächte sich das Wachstum im Vergleich ersten Vierteljahr (plus 1,3 Prozent) deutlich auf 0,1 Prozent ab. Das teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mit und bestätigte damit erste Prognosen.

Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) kam auch wegen der Staatsschuldenkrise im Euroraum und der schwächelnden US-Konjunktur nahezu zum Erliegen. Zusammen mit höheren Energiepreisen habe dies den privaten Konsum erstmals seit dem Krisenjahr 2009 wieder ins Minus (0,7 Prozent) gedrückt. Obgleich die Konsumausgaben des Staates mit 0,2 Prozent leicht im Plus lagen, dämpfte der inländische Konsum insgesamt das Wachstum.

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Auf Jahressicht wuchs die Wirtschaftsleistung damit nach den neuesten Angaben preisbereinigt um 2,8 Prozent. Das zeige, dass der Aufschwung in Deutschland nicht beendet ist. Volkswirte erwarten im Gesamtjahr ein Wachstum von bis zu 3 Prozent. Die insgesamt gute Konjunkturentwicklung im ersten Halbjahr drückte auch die deutsche Defizitquote kräftig auf 0,6 Prozent der Wirtschaftsleistung (BIP) nach unten.

Positive Impulse kamen preis-, saison- und kalenderbereinigt im Vorquartalsvergleich wieder von den Exporten. Da die Importe im selben Zeitraum aber noch stärker zulegten, rutschte der Außenbeitrag ins Minus. Die höheren Einfuhren lagen nach den Angaben nicht zuletzt am deutschen Atomausstieg: Strom wurde kaum noch exportiert, sondern musste verstärkt importiert werden, um die Nachfrage zu befriedigen.

Infolge des starken Anstiegs der Importe wurden vermehrt Vorräte aufgebaut, die Anlageinvestitionen insbesondere in Ausrüstungen wie Maschinen, Geräte und Fahrzeuge nahmen deutlich (plus 1,7 Prozent) zu. Nach dem fulminanten ersten Quartal mit plus 7,0 Prozent gingen die Bauinvestitionen dagegen erwartungsgemäß um 0,9 Prozent zurück.

Dagegen machte sich der rasante Konjunkturaufschwung zum Jahresbeginn positiv in den Staatskassen bemerkbar. Die deutsche Defizitquote sank im ersten Halbjahr 2011 auf 0,6 Prozent der Wirtschaftsleistung (BIP), wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden berichtete. Dies sei die niedrigste Defizitquote seit dem ersten Halbjahr 2008. Das Wachstum der deutschen Wirtschaft schwächte sich allerdings im zweiten Quartal im Vergleich zum ersten Vierteljahr (plus 1,3 Prozent) deutlich auf 0,1 Prozent ab.

Im ersten Halbjahr 2010 hatte die Defizitquote - unter anderem wegen der staatlichen Konjunkturpakete - noch 3,1 Prozent und im zweiten Halbjahr 2010 sogar 5,4 Prozent betragen. Außerdem hatte Deutschland 2010 erstmals seit fünf Jahren wieder gegen die europäischen Defizitvorgaben verstoßen. Nach um 0,9 Prozentpunkte korrigierten Zahlen der Statistiker stand am Jahresende ein Minus von 4,3 Prozent. Die Korrektur stand in Zusammenhang mit Nachberechnungen für staatlichen Stützungsmaßnahmen zugunsten der Pleitebank Hypo Real Estate (HRE).

Während die Staatsschuldenkrise im Euroraum und in den USA die Finanzmärkte derzeit erschüttert, steuert Deutschland in diesem Jahr auf ein Defizit weit unter der Marke von 3,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts(BIP) zu. Das ist die Grenze, die der Maastricht-Vertrag maximal erlaubt.

Das Finanzierungsdefizit des Staates ging auf 7,2 Milliarden Euro zurück - nach rund 42,8 Milliarden Euro vor einem Jahr. Ausschlaggebend waren deutliche Einnahmezuwächse von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungen.

dpa

01.09.2011
Dirk Stelzl 01.09.2011
31.08.2011