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11:17 19.12.2012
Die spanische Ingenieurin Cristina Fernandez-Aparicio Ruiz an ihrem Arbeitsplatz in der Ziehl-Abegg AG in Künzelsau. Quelle: dpa
Stuttgart

In Spanien stehen die Aufzüge still. Wegen der Finanzkrise spart das hoch verschuldete Land immer häufiger den dafür nötigen Strom. Für die meisten Spanier bedeutet das: Öfter die Treppe nehmen. Für Cristina Fernandez-Aparicio Ruiz bedeutet es weit mehr. Sie wurde arbeitslos. Die junge Südeuropäerin ist Ingenieurin und hat sich auf Aufzüge spezialisiert. Um weiter in ihrem Beruf arbeiten zu können, musste sie ihre Heimat verlassen - und ging nach Deutschland.

„Ich habe mir gedacht, dass Deutschland für Ingenieure am besten ist“, erzählt die 36-Jährige. Die junge Frau ist nur ein Beispiel für zahlreiche junge Südeuropäer, die derzeit in Deutschland gezielt angeworben werden.

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) hat sich die Zahl der Beschäftigten mit einem griechischen, portugiesischen, italienischen oder spanischen Pass im September im Vergleich zum Vorjahr um 7,5 Prozent erhöht. Künftig soll sie noch weiter steigen: Die Agentur will junge EU-Fachkräfte mit einem speziellen Programm unterstützen und so in die Bundesrepublik bringen.

Von 2013 an stellt das Bundesarbeitsministerium jährlich bis zu 40 Millionen Euro bereit, um ihnen beispielsweise Sprachkurse zu finanzieren. Das Interesse daran sei riesig, sagt Fernandez-Aparicio Ruiz. „In Spanien sind mittlerweile alle Deutschkurse voll.“

Die 36-Jährige kam selbst durch einen Sprachkurs nach Deutschland - und machte in dem Zuge ein Praktikum beim Ventilatoren- und Antriebshersteller Ziehl-Abegg in Künzelsau bei Schwäbisch Hall. Heute ist sie dort fest angestellt.

Ähnlich lief es bei ihrem Kollegen Antonio Lopez-Cano Jimeno. Der 33-Jährige landete auch über einen Deutschkurs bei dem Unternehmen - seine erste richtige Stelle in der Branche. „Ich habe Maschinenbau studiert, aber nicht als Ingenieur gearbeitet“, sagt er. „Es ist sehr kompliziert, etwas zu finden in Spanien.“

Während junge Fachkräfte wie er in ihrer Heimat oft vergeblich nach Arbeit schauen, werden sie in Deutschland händeringend gesucht. Nach Erkenntnissen der Bundesagentur für Arbeit dürften hierzulande bis 2020 rund 240 000 Ingenieure fehlen. Deswegen will die Behörde mit gezielten Programmen gegensteuern und Fachkräfte aus dem EU-Ausland anlocken.

„Hilfreich ist das alle Male“, meint Peter Fenkl, Chef der beiden spanischen Ingenieure und Vorstandsvorsitzender bei Ziehl-Abegg. „Aber die Motivation muss von den Menschen ausgehen.“

Die Offensive der Bundesagentur für Arbeit wird allerdings nicht nur positiv gesehen. Die CSU betont etwa, die Vermittlung heimischer Arbeitsloser müsse Vorrang haben. Andere Kritiker warnen, Deutschland reiße dadurch in südeuropäischen Ländern eine Lücke.

„Wir bieten diesen Kollegen vom Grundkonzept nach einiger Zeit auch die Möglichkeit, wieder zurückzugehen in ihr Land - in unsere Niederlassung“, sagt Fenkl. Italien oder Spanien seien für Ziehl-Abegg wichtige Exportländer. „Wir haben gerne Ingenieure aus diesen Regionen, damit sie im Land in der Landessprache mit den dortigen Kunden sprechen können.“

An eine Rückkehr in ihre Heimat wollen die beiden spanischen Ingenieure allerdings noch nicht denken. „Ich möchte im Moment nicht nach Spanien zurückkehren“, sagt Fernandez-Aparicio Ruiz. „Ich möchte lange in Deutschland bleiben und arbeiten.“

Ihr Kollege Lopez-Cano Jimeno sieht das ähnlich, kann er doch nach Jahren der Arbeitslosigkeit in Deutschland erste Erfahrungen als Ingenieur sammeln. Was ihm an seiner neuen Heimat besonders gefällt? „Deutsches Essen“, sagt er. Wenig später geht er in die Kantine. Statt Paella gibt es für ihn jetzt Maultaschen und Spätzle.

dpa

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