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Wirtschaft Deutsche Börse und NYSE Euronext bereiten Fusion vor
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21:10 09.02.2011
Die Börse in Frankfurt am Main.
Die Börse in Frankfurt am Main. Quelle: dpa
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Die Deutsche Börse und die New Yorker Börse unternehmen einen neuen Anlauf für einen Zusammenschluss. Mit der Fusion der beiden Börsenbetreiber entstünde ein globaler Riese, der Aktienmärkte von New York über Frankfurt bis Lissabon steuert.

Die beiden Unternehmen, deren Aktien an den Börsen gehandelt werden, bestätigten am Mittwochnachmittag „fortgeschrittene Fusionsverhandlungen“. Es gebe aber noch keine Übereinkunft, erklärte die transatlantische NYSE Euronext. Ob es zu einem Zusammenschluss kommen könne, sei unsicher. Die Unternehmen hatten schon vor rund zwei Jahren über eine Fusion verhandelt – damals ohne Erfolg.

Sollten sich die beiden Seiten diesmal auf eine Fusion einigen, spielten die Frankfurter den dominanten Part: Die Anteilseigner der Deutschen Börse hielten bis zu 60 Prozent an dem neuen Unternehmen. Konzernchef solle NYSE-Lenker Duncan Niederauer werden, hieß es. Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni würde Verwaltungsratschef. Eine von zwei Zentralen bliebe in Frankfurt, die andere in New York. Der rechtliche Firmensitz würde in die Niederlande verlegt.

Beide Betreiber reagieren auf den wachsenden Druck in der weltweiten Börsenlandschaft, in der immer weniger und immer größere Unternehmen den Ton angeben. Die NYSE Euronext war selbst aus einer Übernahme hervorgegangen: 2007 hatte sich die New York Stock Exchange die Euronext einverleibt, die ihrerseits ein Zusammenschluss von Aktienmärkten in Paris, Brüssel, Amsterdam und Lissabon ist. Durch den jetzigen Zusammenschluss hoffen Deutsche Börse und NYSE Euronext darauf, 300 Millionen Dollar im Jahr einzusparen, vor allem durch die gemeinsame Betreuung ihrer gigantischen Computeranlagen, über die der Großteil des Handels mittlerweile läuft. Der berühmte Parketthandel in Frankfurt und an der Wall Street ist mehr ein Aushängeschild. Ein fusioniertes Unternehmen wäre der größte Börsenbetreiber nach Umsatz und Gewinn, wie die NYSE Euronext erklärte. Weitere große Börsen sitzen in Asien, etwa in Hongkong.

Für die Deutsche Börse ist es beileibe nicht das erste Fusionsvorhaben. Das Unternehmen versucht seit mehr als zehn Jahren, sich mit anderen Handelsplätzen zusammenzuschließen. So gab es schon zwei Anläufe für einen Zusammenschluss mit der Börse in London. Zuletzt platzte eine Fusion mit London im Jahr 2005 am Widerstand von Hedgefonds, die bei der Deutschen Börse eingestiegen waren und auch den Abgang ihres damaligen Chefs Werner Seifert durchsetzten.

Auch die europäische Vierländerbörse Euronext stand schon im Fokus der Frankfurter, aber diese entschied sich für einen Zusammenschluss mit der New York Stock Exchange. Indirekt käme die Deutsche Börse nun also doch noch zum Zuge, wenn die neuen Fusionsgespräche nun erfolgreich zu Ende geführt würden.

Auf dem Fusions- und Übernahmeradar der Frankfurter standen zeitweise auch Börsen in der Schweiz, in Italien und in den USA. Allerdings stießen die Deutschen entweder auf Ablehnung, oder Konkurrenten machten das Rennen – wie im Fall der Mailänder Börse, die von London übernommen wurde. Erfolgreich war die Deutsche Börse lediglich im Fall der amerikanischen Optionsbörse ISE. Diese wurde von der Derivatebörse Eurex geschluckt, einem Gemeinschaftsunternehmen der Deutschen Börse und der Schweizer Börse SIX Swiss Exchange.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.