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Wirtschaft Deutsche Bank will sich verändern
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10:18 01.08.2012
Foto: Anshu Jain will bei der Deutschen Bank eine neue Strategie beim Investmentbanking einführen.
Anshu Jain will bei der Deutschen Bank eine neue Strategie beim Investmentbanking einführen. Quelle: dpa
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Frankfurt

„Wir sind uns bewusst, dass die Bankenindustrie einen Kulturwandel braucht, vor allem im Investmentbanking“, sagte Jain in einer Telefonkonferenz. Dabei wolle die Deutsche Bank eine Vorreiterrolle spielen. Die Vergütung der Manager kommt demnach ebenso auf den Prüfstand wie die Verhaltensregeln für Mitarbeiter. Zudem sollen noch 2012 etwa 1900 Jobs vor allem außerhalb Deutschlands gestrichen werden. Weitere Einschnitte hält sich das Management offen.

Der Sinneswandel kommt nicht von ungefähr. Seit der Finanzkrise 2007/08 kriselt das Kapitalmarktgeschäft. Die Deutsche Bank und ihre Wettbewerber können sich nicht mehr auf Milliardengewinne im Investmentbanking verlassen. „Wir sind stolz auf unsere weltweit führende Investmentbanking-Plattform, aber wir passen sie kontinuierlich dem Marktumfeld an“, erklärte Jain. Während sich Konkurrenten weitgehend aus dem schwankungsanfälligen Geschäft verabschieden, will die Deutsche Bank die Schwäche der anderen nutzen, um selber zuzulegen. Der aktuelle Gegenwind sei keine Ausrede für mangelndes Wachstum, sagte Jain.

Der gebürtige Inder selbst sieht sich wegen der Schatten der Vergangenheit schon wenige Wochen nach Übernahme der Konzernspitze mit kaum verhohlenen Rücktrittsforderungen aus der Politik konfrontiert. Ob es um zwielichtige Hypothekengeschäfte in den USA vor der Finanzkrise geht oder die Manipulation des Marktzinses Libor – Investmentbanker spielten eine zentrale Rolle. Darum muss sich auch Jain als Verantwortlicher der Sparte unangenehme Fragen gefallen lassen. In Medienberichten wird kolportiert, Josef Ackermann habe Jain auch deshalb als seinen Nachfolger an der Spitze des Konzerns verhindern wollen.

Die Bank ist bemüht, Jain aus der Schusslinie zu nehmen – und greift dafür zu besonderen Mitteln. „Sie werden es ungewöhnlich finden, ein Schreiben vom Aufsichtsrat zu erhalten, aber wir haben ein neues Kapitel in der Entwicklung unserer Bank aufgeschlagen“, schreibt Chefkontrolleur Paul Achleitner in einem Brief an die Mitarbeiter. „Wandel beginnt oben, und Wandel erfordert Transparenz und Kommunikation.“ Achleitner betont in dem Schreiben zur Libor-Affäre: „Nach aktuellem Stand der Untersuchungen war kein amtierendes oder früheres Mitglied des Vorstands auf irgendeine unangemessene Weise in die untersuchten Vorgänge um Referenzzinssätze verwickelt.“ Dass einzelne Mitarbeiter getrickst haben, räumt man ein.

Kochef Jürgen Fitschen, der für gute Kontakte in die Berliner Politik zuständig ist, erscheint bei der Vorlage der Quartalsbilanz wie eine Randfigur. „Wir haben uns geeinigt, dass Anshu den Dialog mit Analysten und Investoren führt“, sagt der Niedersachse. Am 11. September will das Duo seinen kompletten Plan vorlegen, wie die gewandelte Deutsche Bank Geld verdienen und ihrem Anspruch gerecht werden will, „Eckpfeiler einer modernen Gesellschaft“ zu sein.

 dpa

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