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22:11 26.04.2015
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Symbolbild Quelle: dpa
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Frankfurt

Die Deutsche Bank geht auf Schrumpfkurs: Die Postbank-Mehrheit gibt der Dax-Konzern auf, auch im Investmentbanking sind Einschnitte beschlossen. Der Entscheidung des Aufsichtsrates vom späten Freitagabend waren monatelangen Diskussionen vorangegangen. Der Aufsichtsrat habe einstimmig beschlossen, den Vorschlag des Vorstands zu unterstützen, erklärte die Bank in einer knappen Mitteilung.

Möglich ist nach Angaben eines Sprechers ein Komplettverkauf der Postbank oder der Verkauf von Aktienpaketen über die Börse. In jedem Fall will die Deutsche Bank ihren Anteil an der Bonner Tochter von 94,1 Prozent auf mindestens unter 50 Prozent senken. Einschnitte soll es auch im Investmentbanking geben. Der Konzern kündigte zudem an, Auslandsaktivitäten stärker zu konzentrieren. Details will Deutschlands größtes Geldhaus heute nennen. Die Chefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain sowie Strategievorstand Stefan Krause werden in Frankfurt Rede und Antwort stehen.

Vor einer zwischenzeitlich diskutierten kompletten Abspaltung des Privatkundengeschäfts schreckte das Management zurück. Stattdessen kündigte die Bank nun an, in das Privatkundengeschäft unter der Marke Deutsche Bank zu investieren.

Aktionärsschützer werfen dem Vorstand einen Strategie-Zickzack mit ständig neuen Umbaukosten vor. „Der Berg kreißte und gebar eine Maus. Das ist nicht der große Wurf, den der internationale Kapitalmarkt wohl erwartet hat“, sagte der Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Klaus Nieding. Mit der Entscheidung, die Tochter Postbank mehrheitlich oder ganz zu verkaufen, handele der Vorstand wider eine der Lehren aus der Finanzmarktkrise.

„Mit dieser Entscheidung hält der Vorstand der Deutschen Bank am Modell einer Universalbank mit einem starken Heimatmarkt in Deutschland fest“, lobte dagegen die Gewerkschaft Verdi, die vor allem bei der Postbank stark organisiert ist und deren Chef Frank Bsirske im Deutsche-Bank-Kontrollgremium mitentscheidet. „Der Postbank wird mit dem Börsengang zugleich eine neue Wachstumsperspektive erschlossen.“

Die Deutsche Bank reagiert mit ihrer neuen Strategie auf die strengeren Anforderungen der Aufseher zum Beispiel bei der Kapitalausstattung und den Druck der niedrigen Zinsen auf die Erträge. Zudem hofft das Management, dass eine geschrumpfte Universalbank wieder dauerhaft profitabler sein kann.

Bei der Postbank war die Deutsche Bank mitten in der Finanzkrise im September 2008 mit knapp 30 Prozent als größter Einzelaktionär eingestiegen. Gut zwei Jahre später sicherte sich Deutschlands größtes Geldhaus die Mehrheit an dem Institut. Mit der Übernahme der auf Privatkunden spezialisierten einstigen Post-Tochter wollte der damalige Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann den Konzern unabhängiger vom schwankungsanfälligen Kapitalmarktgeschäft machen. Gut 6 Milliarden Euro kostete der Deal, die hohen Erwartungen erfüllten sich jedoch nie. Angestrebt war, den Vorsteuergewinn der um 14 Millionen Kunden erweiterten Privatkundensparte mittelfristig auf 3 Milliarden Euro zu steigern. 2014 waren es gerade einmal 1,3 Milliarden Euro.

Von Jörn Bender und Erik Nebel

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