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Wirtschaft Deutsche Bank soll Oppenheim stützen
Mehr Welt Wirtschaft Deutsche Bank soll Oppenheim stützen
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19:23 05.08.2009
Der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, plant den Einstieg bei Sal. Oppenheim. Quelle: Thomas Lohnes/AFP/DDP
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Dies bestätigten am Mittwoch beide Häuser. Für die Privatbank wäre der Schritt ein Kulturbruch. In Broschüren wirbt sie damit, „im Privatbesitz der Bankfamilie Sal. Oppenheim“ zu sein und „frei von Konzern- oder anderen Interessen“ zu handeln.

Das Bankhaus ist vor allem im Geschäft mit vermögenden Privatkunden aktiv und war im Zuge der Finanzkrise in Schwierigkeiten geraten. Zwischenzeitlich war das Institut sogar vom Bankenrettungsfonds SoFFin „präventiv“ unter die Lupe genommen worden. Die Experten wollten sehen, ob eventuell staatliche Hilfe beansprucht werden könnte. Der persönlich haftende Gesellschafter Friedrich Carl Janssen hatte vergangenen Monat dementiert, dass öffentliche Unterstützung nötig sein könnte. Im vergangenen Jahr hatte die Bank 117 Millionen Euro Verlust gemacht und angekündigt, dass in diesem Jahr die Kosten um 100 Millionen Euro gesenkt werden sollen.

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Sal. Oppenheim hatte unter anderem mit einem Engagement beim Kaufhaus- und Versandkonzern Arcandor danebengelegen. Zuletzt war spekuliert worden, ob das Haus sich von seiner Tochter BHF Bank trennen könnte, um die Finanzkraft zu stärken. Stattdessen eilt jetzt die Deutsche Bank als Kapitalgeber zur Hilfe. Zudem brachte am Mittwoch der Verkauf der Frankfurter Fondsbank an Fidelity International Geld in die Kasse. Die BHF-Tochter Fondsbank verwaltet insgesamt 13 Milliarden Euro in etwa 750.000 Depots.

Ziel des Einstiegs bei Sal. Oppenheim sei „eine strategische Partnerschaft“, ließ die Deutsche Bank verlauten. Dadurch will das von Josef Ackermann geführte Geldhaus seine Position im gehobenen Privatkundengeschäft stärken – einem Bereich, der bei der Deutschen Bank in den vergangenen Monaten deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben war. Die Sparte Asset und Private Wealth Management, in der die Fondsgesellschaft DWS und das Geschäft mit vermögenden Privatkunden zusammengefasst sind, verzeichnete in den vergangenen vier Quartalen Vorsteuerverluste. Zuletzt war auch der Mittelzufluss ins Stocken geraten.

Die Deutsche Bank verwaltet in der Sparte Private Wealth Management derzeit 170 Milliarden Euro, davon 48 Milliarden Euro in Deutschland. Kunden sind vor allem wohlhabende Familien. In Deutschland zählen 7400 Familien zu den Kunden, im Rest der Welt weitere 80.000.

Zunächst hat die Deutsche Bank für eine Minderheitsbeteiligung an Sal. Oppenheim „ein unverbindliches Angebot“ abgegeben. Eine spätere Mehrheitsübernahme sei denkbar, verlautete aus informierten Kreisen. Damit ginge die Unabhängigkeit einer der renommiertesten Privatbanken vollständig verloren. Ein Sprecher der Deutschen Bank bezeichnete eine mögliche Mehrheitsübernahme als „Spekulation“. Die genaue Struktur der Beteiligung sei noch Bestandteil der Gespräche. Die Deutsche Bank war bei ihrem Einstieg bei der Postbank so vorgegangen, zunächst nur einen Minderheitsanteil zu kaufen, sich aber gleichzeitig die Möglichkeit einer Komplettübernahme zu sichern.

von Martin Dowideit