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Wirtschaft Deutsche Bank schließt jede vierte Filiale
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22:04 27.04.2015
Foto: Radikales Sparen: Die Deutsche Bank will jede vierte Filiale schließen.
Radikales Sparen: Die Deutsche Bank will jede vierte Filiale schließen. Quelle: dpa/Symbolbild
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Frankfurt/Hannover

Allein durch die Trennung von der Postbank will die Bank ihre Kosten um 3 Milliarden Euro jährlich drücken. Eingedampft wird auch das Kapitalmarktgeschäft. „Wir werden nicht mehr versuchen, alles für jeden zu sein“, erklärte Ko-Chef Jürgen Fitschen am Montag in Frankfurt. Gleichwohl bekenne sich der Dax-Konzern zum Modell einer Universalbank mit Angeboten für Privatkunden, Unternehmen und Finanzprofis. Die Weichen für den Kurswechsel hatten Vorstand und Aufsichtsrat bereits am Freitagabend gestellt. Das radikalere Modell einer kompletten Trennung von Investmentbank und Privatkundengeschäft fand dabei keine Mehrheit.

Über die Postbank-Einsparungen hinaus will die Deutsche Bank ihre Kosten um zusätzliche 3,5 Milliarden Euro jährlich senken. Dazu beitragen soll auch die Schließung von bis zu 200 der etwa 750 Filialen von Deutscher Bank und Berliner Bank bis 2017. Wie viele Stellen dem Schrumpfkurs zum Opfer fallen, blieb offen. „Wir haben noch keine Entscheidungen bezüglich der Personalmaßnahmen getroffen“, sagte Fitschen. Gespräche mit dem Betriebsrat hätten noch nicht begonnen. Ende 2014 zählte der Konzern weltweit gut 98 000 Vollzeitstellen.

In der Region Hannover betreibt die Bank elf Zweigstellen, in Niedersachsen insgesamt sind es 32. Die Zahl der hier Beschäftigten bezifferte ein Pressesprecher auf gut 150 beziehungsweise 500. Über mögliche Folgen für die Region könne man ebenfalls noch nichts sagen. „Das wird jetzt erst im Detail erarbeitet.“

Die 10 000 Tarifbeschäftigten der Postbank müssen vorerst nicht um ihre Jobs fürchten: Das Bonner Institut sichert ihnen Kündigungsschutz bis Ende Juni 2017 zu. Darauf einigten sich Arbeitgeber und Gewerkschaft Verdi am Montag. Die 5600 Mitarbeiter in den Postbank-Filialen bekommen zudem ab diesem Monat 2,1 Prozent mehr Geld und ab April 2016 weitere 2,0 Prozent mehr.

Für Deutsche Bank und Postbank arbeiten auch gut 2500 Mitarbeiter in Hameln, wo sich die BHW Bausparkasse und weitere Tochtergesellschaften befinden. Welche Auswirkungen der Ausstieg der Deutschen Bank für den dortigen Standort hat, ist noch offen. Ministerpräsident Stephan Weil hatte kürzlich in einem Brief an den Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner appelliert, bei den Entscheidungen die Folgen für Hameln zu bedenken.

Die Deutsche Bank will die Postbank bis Ende 2016 an die Börse bringen mit dem Ziel, den Deutsche-Bank-Anteil auf unter 50 Prozent zu senken. Längerfristig strebt das Unternehmen einen kompletten Ausstieg aus der Postbank an. Das Management sei zu dem Schluss gekommen, „dass sich die Postbank in Zukunft außerhalb des Deutsche-Bank-Konzerns besser entfalten kann“, erklärte Ko-Chef Anshu Jain. Die Integration des Privatkundengeschäfts der Postbank und der Deutschen Bank wird sofort eingestellt. Strategievorstand Stefan Krause versicherte, für Postbank-Kunden werde dies keine negativen Auswirkungen haben.

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