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Wirtschaft Deutsche Bank enttäuscht die Märkte
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17:44 28.07.2009
Nach massiven Verlusten im vergangenen Jahr hat die Deutsche Bank auch im ersten Jahresviertel 2009 wieder einen Milliardengewinn eingefahren. Quelle: Foto: Martin Oeser/ddp
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Wie zuletzt bei Großbanken in den USA oder der Schweiz brachte der gewinnträchtige Handel mit festverzinslichen Papieren und Aktien dem größten deutschen Finanzinstitut viel Geld in die Kassen. Unerwartet hohe Belastungen aus dem Kreditgeschäft und Schwächen in der Vermögensverwaltung machte die Bank damit mehr als wett.

„Die Bankenbranche und die weltweiten Finanzmärkte haben sich weiter stabilisiert“, sagte Vorstandschef Josef Ackermann. „Dies geht teilweise auf entschlossenes Handeln von Politikern, Aufsichtsbehörden und Zentralbanken zurück, wovon auch wir profitiert haben.“ Das selbst gesetzte Ziel einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent vor Steuern verfehlte die Deutsche Bank mit einem erreichten Wert von 16 Prozent jedoch deutlich.

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Die Börsianer bewerteten die Quartalszahlen negativ. Die Aktie der Bank brach nach deutlichen Kursgewinnen in den vergangenen Wochen am Dienstag zeitweise um mehr als 10 Prozent ein. „Überraschend für uns war die Höhe der Risikovorsorge“, sagte Matthias Engelmayer von Independent Research. Der Posten, in dem zu erwartende Kreditausfälle zusammengefasst werden, betrug eine Milliarde Euro und lag damit doppelt so hoch wie in den drei Monaten zuvor. Trotz der steigenden Ausfälle fühle die Bank sich jedoch weiterhin wohl mit ihrem insgesamt 268 Milliarden Euro umfassenden Kreditbuch, sagte Finanzvorstand Stefan Krause.

Insgesamt erzielte die Deutsche Bank von April bis Juni einen Gewinn nach Steuern in Höhe von 1,1 Milliarden Euro. Damit lag der Überschuss leicht unter dem Wert der ersten drei Monate, jedoch zwei Drittel über dem Gewinn des Vorjahreszeitraums. Im vergangenen Jahr war die Deutsche Bank schwer von der Finanzkrise gebeutelt worden.

Den Großteil zum Gewinn steuerte im abgelaufenen Quartal erneut das Investmentbanking bei. Dabei profitierte die Bank weiterhin davon, dass sich viele Unternehmen über Unternehmensanleihen Geld beschaffen und auch der Handel mit diesen Papieren weiterhin äußerst aktiv war. Die Ergebnisse hätten in dem Bereich noch deutlich höher ausfallen können, schätzte indessen Kian Abouhossein, Analyst bei JP Morgan. Doch die Deutsche Bank verfolge weiterhin die Strategie, eine weniger risikoreiche Bilanz aufzubauen und habe daher „eindeutig weniger Gelegenheiten im Markt wahrgenommen“. Schwächen zeigte das Geschäft mit der Beratung bei Firmenübernahmen, da dieser Markt nach wie vor am Boden liegt. In Deutschland hatte die Bank etwa Porsche im Übernahmegezerre mit Volkswagen vertreten.

Das zweite Konzernstandbein Vermögensverwaltung und Privatkundengeschäft schloss ebenfalls schwach ab. Zu dem Konzernbereich gehören etwa die Fondsgesellschaft DWS und die Vermögensverwaltung für professionelle Anleger, aber auch das Filialgeschäft. In diesen Bereichen machte sich bemerkbar, dass die Zahl der abgewickelten Aktiengeschäfte deutlich hinter den Vorjahren liegt.

Die Bank verzeichnete zudem vor allem außerhalb Deutschlands Kreditausfälle bei Privatkunden – etwa in Spanien. Vor Steuern machte die gesamte Sparte einen Verlust von 30 Millionen Euro, nachdem im Vorjahreszeitraum ein Gewinn von 570 Millionen Euro erzielt worden war.

Die Deutsche Bank trennte sich in den vergangenen drei Monaten weitgehend von verbliebenen Industriebeteiligungen. So verkaufte sie Daimler-Aktien und hält jetzt nur noch 0,9 Prozent an dem Automobilhersteller. Einen Ausblick auf das zweite Halbjahr wagte die Bank nicht, da Arbeitsmarkt und Immobilienmärkte weiter die Wirtschaft belasteten. „Auf dieses Umfeld ist die Deutsche Bank gut vorbereitet“, versprach Ackermann jedoch.

von Martin Dowideit