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Wirtschaft Das große Feilschen um die Zukunft von Porsche und VW
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16:48 23.07.2009
Quelle: Bernd Weißbrod/lni

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking will unbedingt verhindern, dass der hoch verschuldete Stuttgarter Sportwagenbauer unter die Fittiche von VW kommt und sucht mit Vollgas nach neuen Geldquellen. Neben dem Einstieg des Emirates Katar gibt es auch Gespräche mit Daimler - selbst eine „Deutschland AG“ in der Autoindustrie aus VW, Porsche und Daimler gilt in der Branche als nicht ausgeschlossen. Eine Entscheidung über den künftigen Weg von Porsche dürfte demnächst fallen.

Offiziell halten sich die Beteiligten bedeckt, hinter den Kulissen aber gibt es Gespräche. Daimler könnte bei Porsche einsteigen oder bei VW, über den Verkauf von Porsche-Optionen an VW-Aktien oder einen Teil der VW-Beteiligung. Die Chance für Daimler: Durch einen Einstieg bei Porsche könnte Daimler-Chef Dieter Zetsche an die Technologie und Kompetenz der Wolfsburger herankommen - vor allem im zunehmend wichtiger werdenden Kleinwagensegment, bei dem Daimler den angepeilten Renditezielen hinterher fährt. Denkbar wäre eine Zusammenarbeit bei der Entwicklung neuer Modelle und Antriebe. Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) verkündete am Dienstag, er hätte nichts gegen eine schwäbische Allianz - Hauptsache es stärkt die Region und sichert Jobs.

In Wolfsburg allerdings ist man von einem möglichen Einstieg Katars oder Daimlers alles andere als begeistert. Im Gegenteil: Es bestehe die Gefahr, dass Volkswagen „zerfleddert“ werde, heißt es im Konzernumfeld. Die Wolfsburger stehen derzeit in der schweren Branchenkrise vergleichsweise gut da. Betriebsratschef Bernd Osterloh äußerte bereits die Befürchtung, ein neuer VW/Porsche-Großaktionär könnte Mittel für höhere Dividenden abzweigen, die etwa bei der Entwicklung neuer Autos fehlen würde.

Branchenkenner sehen einen Einstieg von Daimler bei Porsche und VW skeptisch. „Daimler hat dafür derzeit kein Geld“, sagt etwa Autoexperte Frank Schwope von der Nord/LB. Er hält es für die realistischste Option, dass Porsche einen Teil seiner VW-Beteiligung an das Emirat Katar verkauft, um an Geld zu kommen. Ein Einstieg Katars bei der Porsche Holding würde den Familien Porsche und Piëch jedoch „wehtun“, weil sie an Macht verlieren.

Auch andere Autoexperten wie Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft verweisen auf die roten Zahlen bei Daimler. Außerdem gäbe es kartellrechtliche Probleme zum Beispiel wegen der dominierenden Position von Daimler und VW bei Nutzfahrzeugen.

Die Karte Daimler könnte am Ende für Porsche ein Mittel sein, um den Druck auf Katar zu erhöhen. Auf der anderen Seite könnte Daimler-Chef Zetsche BMW signalisieren, dass es auch andere Optionen gibt - die Gespräche über eine vertiefte Zusammenarbeit stocken angeblich.

Und was will der mächtige VW-Patriarch Ferdinand Piëch? Piëch verfolgt das Ziel, dass Volkswagen Porsche übernimmt. Porsche wäre dann die zehnte Marke des Konzerns, bliebe aber wie etwa Audi eigenständig. Einen möglichen Einstieg Katars sehe Porsche-Miteigentümer Piëch skeptisch, ist zu hören. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer spricht sogar von seiner Entmachtung, wenn das Golf-Emirat mit fast 30 Prozent bei den Zuffenhausenern mitregiert.

Piëch alleine könnte den Plan seines Erzrivalen Wiedeking allerdings nicht stoppen. Er hält rund 13 Prozent der Anteile an der Porsche Holding, für ein Veto braucht er Verbündete wie zum Beispiel seinen Bruder Hans Michel, der ebenfalls rund 13 Prozent hält. Bislang haben sich die beiden Familien jedoch auferlegt, bei wichtigen Entscheidungen immer mit einer Stimme zu sprechen.

Ein gewichtiges Wörtchen mitzureden in dem Poker hat das Land Niedersachsen. Der zweitgrößte VW-Aktionär hat aufgrund des VW-Gesetzes ein Vetorecht bei wichtigen Entscheidungen - Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) traf sich am Wochenende bereits mit einer Delegation des Emirates Katar.

lni

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