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08:53 30.11.2014
Foto: Nicht immer ein Grund zur Freude: Manche Firmen haben ihren Mitarbeitern Geschenke mittlerweile ganz verboten, andere legen Wertgrenzen fest.
Nicht immer ein Grund zur Freude: Manche Firmen haben ihren Mitarbeitern Geschenke mittlerweile ganz verboten, andere legen Wertgrenzen fest. Quelle: obs/Randstad Deutschland GmbH & Co. KG
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Eine Dose mit Lebkuchen, ein hochwertiger Kugelschreiber oder eine gute Flasche Rotwein: In der Vorweihnachtszeit bekamen früher viele Mitarbeiter kleine Geschenke von ihren Geschäftspartnern. Heutzutage sind die Unternehmen vorsichtiger. „Es gab in der jüngeren Vergangenheit so viele Skandale, da ist das Bewusstsein geschärft worden“, sagt der Berliner Arbeitsrechtler Volker Dineiger.

Um dem Vorwurf der Bestechlichkeit zu entgehen, lassen einige Firmen mittlerweile gar keine Mitarbeitergeschenke mehr zu. So hat der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) in Zusammenarbeit mit Unternehmen wie Henkel, Allianz und Thyssen-Krupp eine Richtlinie erstellt, in der klar geregelt wird, dass das Anbieten oder Annehmen von Geschenken verboten ist – wenn sie „die Geschäftsbeziehung unzulässig beeinflussen“.
Andere Arbeitgeber erlauben Geschenke bis zu einem bestimmten Wert. So dürfen Beamte im Allgemeinen Zuwendungen mit einem Wert von bis zu 25 Euro annehmen – die genaue Grenze ist im jeweiligen Beamtengesetz der Länder festgehalten. Für Angestellte in der freien Wirtschaft gibt es aber kein gemeingültiges Gesetz. Die Grenze kann jeder Arbeitgeber selbst festlegen. „Wenn man sich für eine Wertgrenze entscheidet, halte ich 10 bis 25 Euro für angemessen“, sagt Dineiger.

Einige Arbeitnehmer nehmen gemeinhin einen Richtwert von 35 Euro an. Diese Grenze hat aber einen anderen Ursprung: Bis zu einem Wert von 35 Euro kann das schenkende Unternehmen das Präsent steuerlich absetzen, es gilt dann als Betriebsausgabe. Mit Regeln zur Vorbeugung von Bestechlichkeit hat dieser Wert aber nichts zu tun.

Um Klarheit für die Mitarbeiter zu schaffen, sollten Unternehmen Normen zur Annahme und Vergabe von Geschenken festlegen – am besten im Arbeitsvertrag. Bei leitenden Angestellten mit neuen Arbeitsverträgen sei das schon häufig der Fall – „aber die meisten Verträge sind eben schon älter“, sagt Dineiger. Firmen haben aber die Möglichkeit, die Regeln in einem Nachtrag zum Arbeitsvertrag festzuhalten. Auch eine Betriebsvereinbarung kann für Verbindlichkeit sorgen, wenn sie anschließend über das Schwarze Brett oder das Intranet verbreitet wird. Wichtig ist bloß, dass die Nachricht jeden Beschäftigten erreicht – damit sie im Fall der Fälle vor Gericht Bestand hat.

Am besten den Vorgesetzten ansprechen

Wer unsicher ist, ob er ein Geschenk annehmen darf, sollte am besten mit seinem Vorgesetzten sprechen, raten Experten. Denn Mitarbeiter, die unerlaubt Geschenke annehmen, riskieren eine Abmahnung und im schlimmsten Fall sogar die Kündigung.

Am ungefährlichsten sind Geschenke mit geringem Wert – also zum Beispiel Süßigkeiten oder ein Terminkalender. „Das ist eher eine Aufmerksamkeit“, sagt Arbeitsrechtler Dineiger. Vorsicht ist dagegen bei Geldgeschenken, Eintrittskarten oder Einladungen zum Essen geboten. „Diese Geschenke würde ich auf jeden Fall dem Chef melden.“ Ein eleganter Weg ist es, die Geschenke aller Mitarbeiter in der Vorweihnachtszeit zu sammeln und sie anschließend bei einer Tombola zu verlosen. Die Einnahmen aus dem Losverkauf spenden die Unternehmen meist an gemeinnützige Organisationen oder regionale Projekte.

Anne Grüneberg

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