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Wirtschaft Daimler setzt den Rotstift an
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13:23 25.10.2012
Vorstandschef Dieter Zetsche kündigte ein rigides Sparprogramm für Daimlers Kernmarke Mercedes an. Quelle: dpa
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Stuttgart

Der Autobauer Daimler hat seine Ziele für das laufende Jahr in allen zentralen Geschäftsbereichen gesenkt. Auch für 2013 rechnet der Dax-Konzern durch die jüngst „deutlich verschärften Marktbedingungen“ mit erheblichem Druck für die selbst gesteckten Marken. Das geht aus dem am Donnerstag vorgelegten Quartalsbericht der Stuttgarter hervor, der aufgrund einer Panne teilweise bereits am Vortag veröffentlicht worden war. Demnach soll der Gewinn vor Zinsen und Steuern in der zentralen Pkw-Sparte im Vorjahresvergleich in diesem Jahr um gut 15 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro sinken.

Insgesamt rechnet Daimler für 2012 nur noch mit 8 Milliarden Euro operativem Ergebnis - im Jahresvergleich rund 9 Prozent Rückgang. Angesichts schrumpfender Gewinne sollen die Kosten 2014 um mindestens drei Milliarden Euro gedrückt werden. Das geht aus einer Präsentation auf der Internetseite des Konzerns hervor. Demnach soll die Pkw-Sparte mindestens zwei Milliarden Euro sparen - auch im Bereich Forschung und Entwicklung. Für 2013 nennt das Unternehmen keine konkrete Zahl zu Einsparungen.

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Bei den Trucks rechnet der weltgrößte Nutzfahrzeughersteller in diesem Jahr mit einem Minus von gut 9 Prozent, so dass das laufende Geschäft laut den angepassten Vorhersagen nur noch 1,7 Milliarden Euro abwerfen werde. Auch bei den Vans sei das Vorjahresniveau von 835 Millionen Euro nicht mehr zu halten. Realistisch seien 650 Millionen Euro - das wäre ein Einbruch um rund 22 Prozent.

In der seit längerem krisengeplagten Bussparte hatte Daimler zwar bereits mit einem schlechteren Ergebnis als 2011 gerechnet, nun steht die Zahl für das Sorgenkind fest: Es sollen 80 Millionen Euro Verlust werden – nachdem im Vorjahr noch ein operativer Gewinn von 162 Millionen Euro in den Büchern gestanden hatte. Nur die Finanztochter soll ihren Vorjahreswert von 1,312 Milliarden Euro halbwegs halten können. Ziel: 1,3 Milliarden Euro.

Zu allem Überfluss sieht Daimler auch die Renditeziele für das kommende Jahr in Gefahr. Ursprünglich hätte die Pkw-Sparte bei der Marge - dem Verhältnis von operativem Gewinn zum Umsatz - auf 10 Prozent kommen sollen. Daran zweifelt das Unternehmen nun. In einer Mitteilung heißt es, ein Erfüllen der Vorgabe sei „sehr viel herausfordernder geworden“. Die jüngsten Entwicklungen ließen die gesteckten Marken in die Ferne rücken. „Der Konzern geht davon aus, die Ziele erst zu einem späteren Zeitpunkt zu erreichen.“

Daimler will Belegschaft prüfen

Auf der Suche nach Sparmöglichkeiten will Daimler auch die Größe seiner Belegschaften auf den Prüfstand stellen. Entlassungen seien aber kein Thema, kündigte Finanzchef Bodo Uebber am Donnerstag in einer Telefonkonferenz mit Journalisten an. Uebber sprach von „sogenannten normalen Maßnahmen“. Das könnte zum Beispiel der Wegfall frei werdender Stellen sein.

Für die Daimler-Mitarbeiter in Deutschland gilt ohnehin eine Beschäftigungsgarantie bis Ende 2016. Uebber kündigte jedoch an, dass nach einer genauen Analyse manche freiwerdende Stellen womöglich nicht neu besetzt werden oder Mitarbeiter über Regelungen für eine Altersteilzeit das Unternehmen verlassen. Es gebe kein angepeiltes Einsparziel. „Ich kann Ihnen da jetzt keine Zahlen geben darüber, wie viel das in sozialverträglichen Maßnahmen und Altersteilzeit ist“, sagte der Top-Manager.

dpa/mhu

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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