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Wirtschaft Daimler findet den Partner fürs Leben
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22:29 07.04.2010
Nur kein Pomp: Carlos Ghosn (links) und Dieter Zetsche pflegten gestern Arbeitsatmosphäre.
Nur kein Pomp: Carlos Ghosn (links) und Dieter Zetsche pflegten gestern Arbeitsatmosphäre. Quelle: afp
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Die Botschaft war klar: Bloß keine Erinnerung wecken an die „Hochzeit im Himmel“ mit Chrysler: Sie endete in einem Fiasko. „Es ist eine irdene Hochzeit“, sagte Zetsche. „Eigentlich ist es gar keine Hochzeit, sondern eine strategische Kooperation.“

Daimler sucht seit Jahren nach Wegen, aus der Luxusnische herauszuwachsen. Der damalige Konzernchef Jürgen Schrempp kaufte in den neunziger Jahren eine „Welt AG“ mit Chrysler und Mitsubishi zusammen, die jedoch zerbrach. Nachfolger Dieter Zetsche suchte andere Wege und verhandelte unter anderem lange mit BMW. Doch die Gräben zwischen den direkten Konkurrenten waren zu groß.

Jetzt sollen Renault und Nissan dafür sorgen, dass Daimler bei den Zulieferern größere Stückzahlen und damit billiger einkaufen kann. Außerdem werden Entwicklungskosten nun auf mehr Schultern verteilt. Synergieeffekte von jeweils 2 Milliarden Euro in den nächsten fünf Jahren sind geplant. Daimler allein verkauft jährlich rund 1,3 Millionen Personenwagen, Nissan und Renault bringen es zusammen auf mehr als 5 Millionen, sodass alle drei zusammen vor dem VW-Konzern mit 6,3 Millionen Autos liegen.

Die Mitarbeiter erhoffen sich durch das Bündnis zusätzliche Arbeitsplätze. „Die Arbeitnehmervertreter auf beiden Seiten erwarten von der Kooperation in erster Linie, dass die Beschäftigung in den beteiligten Unternehmen gesichert und ausgebaut wird“, sagte Daimler-Betriebsratschef Erich Klemm. In einer gemeinsamen Erklärung der Arbeitnehmervertreter von Daimler und Renault heißt es:

„Die künftigen Projekte basieren auf einer fairen Aufteilung und einer offenen und loyalen Zusammenarbeit.“

„Diese Kooperation ist der richtige Schritt zur richtigen Zeit“, sagte Zetsche. Die Stuttgarter stünden bei großen Modellen gut da, im heiß umkämpften Kompaktwagenmarkt hätten die Schwaben dagegen Nachholbedarf. Zudem steige die weltweite Nachfrage nach kleineren Modellen. Daimler habe einen Partner gebraucht, um mit dem smart weitermachen zu können. Ghosn betonte: „Daimler ist für uns der optimale Partner. Wir profitieren alle voneinander.“ Mit dem neuen Abnehmer Daimler kann Ghosn seine Fahrzeug- und Motorenwerke besser auslasten. Beide Manager betonten, dass eine Fusion nie zur Debatte gestanden habe. Entscheidend sei, dass die Identität und die Marken nicht beschädigt werden. „Wir werden Sorge dafür tragen, dass ein Mercedes ein Mercedes bleibt“, sagte Zetsche.

Die Kernpunkte der Vereinbarung

Kleinwagen: Die nächsten Generationen des smart und des Renault Twingo bekommen eine gemeinsame technische Basis, die auf dem ungewöhnlichen Heckantriebskonzept des smart aufbauen soll. Es wird dann auch wieder einen viersitzigen smart geben. Der Forfour – ein Projekt mit Mitsubishi – hatte keinen Erfolg. Die neuen Modelle sollen ab 2013 auf den Markt kommen.

Antrieb: Renault-Nissan wird kleine Benzin- und Dieselmotoren an Daimler liefern. Im Gegenzug kann sich Nissans Luxusmarke Infiniti bei Vier- und Sechszylindern der Stuttgarter bedienen. Neue Motoren werden gemeinsam entwickelt und produziert.

Beteiligung: Das Trio geht Überkreuzbeteiligungen ein. Letztlich wird Daimler mit je 3,1 Prozent an Renault und Nissan beteiligt sein, die beiden Partner halten ihrerseits je 1,55 Prozent an Daimler. Die Kooperation soll durch ein neues „Cooperation Committee“ gesteuert werden, das die beiden Konzernchefs Carlos Ghosn und Dieter Zetsche leiten.

Perspektiven: Sobald die ersten Schritte getan sind, sollen von den Konzernen weitere Möglichkeiten der Zusammenarbeit ausgelotet werden. Gedacht ist an einen Komponententausch zwischen Mercedes und Infiniti, regionale Projekte in den USA, China und Japan sowie Gemeinschaftsentwicklungen beim Elektroantrieb.

Marion Trimborn
 und Bernd Glebe