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09:09 12.07.2014
Von Lars Ruzic
Stütze der Konjunktur: Die Bauwirtschaft – hier Arbeiten am Sprengel Museum – ist weiterhin gut ausgelastet. Quelle: Thomas
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Hannover

„Die Geschäftserwartungen haben sich verschlechtert, die Aufträge sind rückläufig“, sagte der Hauptgeschäftsführer der IHK Hannover, Horst Schrage, am Freitag. Erstmals seit Anfang 2013 ist der Konjunkturklimaindex im zweiten Quartal wieder leicht gesunken – um drei auf 118 Punkte. Das hat eine Umfrage der Industrie- und Handelskammern in Niedersachsen unter 1800 Firmen ergeben.

Schrage betonte jedoch, dass es sich bei dem Rückgang lediglich um eine „temporäre Eintrübung“ des Geschäfts handele. Zum einen hätten die Firmen im warmen Winter weitaus bessere Geschäfte gemacht als erwartet, wodurch die Dynamik im zweiten Quartal nicht mehr ganz so stark ausgefallen sei. Zum anderen sähen die Planungen weiter Investitionen und teils auch Personalaufbau vor. Von seiner Wachstumsprognose von 2 Prozent plus für das Gesamtjahr wollte Schrage denn auch nicht abrücken. „Man sollte das zweite Quartal nicht überdramatisieren“, sagte er.

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Die Exporterwartungen der Betriebe haben sich zuletzt zwar leicht verbessert, liegen aber noch immer unter dem langjährigen Mittelwert. Hier seien die Signale derzeit unterschiedlich, sagte der IHK-Hauptgeschäftsführer. Im lange krisengeplagten Südeuropa steige die Nachfrage, allerdings nur langsam. Die USA entwickelten sich besser, China zeige sich vergleichsweise stabil. Allerdings habe sich die Lage in Osteuropa verschlechtert. „Hier könnten schwierigere Zeiten anbrechen“, mutmaßte Schrage. Entsprechende Dämpfer in den Aufträgen habe die Industrie bereits zu verzeichnen. Gleichwohl sei das Polster der Firmen derzeit so dick, dass man sich darum keine Sorgen machen müsse. Zudem zeige sich die Autobranche als Niedersachsens wichtigste Exportindustrie unverändert robust.

Die Betriebe selbst sind etwas zögerlicher geworden. Nur noch jeder vierte Firmenlenker erwartet in den kommenden Monaten bessere Geschäfte. Im Frühjahr war es noch fast jeder dritte gewesen. Die Weltkonjunktur bereitet den Befragten dabei noch die geringsten Kopfschmerzen. Erstmals seit Jahren stehen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen im eigenen Land wieder auf Platz eins der größten Risiken für die Wirtschaft. Hinter den Mindestlohn- und Rentenpaket-Beschlüssen der Bundesregierung vermuten die meisten mittelfristig Kostensteigerungen. Energie- und Rohstoffpreise sowie eine zu schwache Inlandsnachfrage, die bis dato als größte Problemfelder galten, sind in der Rangfolge nach hinten gerutscht.

Als Konjunkturlokomotive fungiert derzeit die Baubranche. „Hier ist die Entwicklung so gut wie lange nicht“, berichtete Schrage. Jedes zweite Bauunternehmen sei bereits bis zum Jahresende ausgebucht. Die Branche rechnet bereits mit steigenden Preisen. Die Niedrigzinsphase, von der die Baufirmen profitieren, schmälert die ansonsten gute Stimmung in der Finanzwirtschaft. Banken und Versicherungen seien insgesamt guter Stimmung, so Schrage. Was vor allem die Kreditinstitute nicht von weiterem Arbeitsplatzabbau abhält. Bereits seit 14 Jahren zeige der Trend bei den Jobs in der Branche nach unten, hieß es. Seitdem seien bei Niedersachsens Banken und Sparkassen 10 000 Arbeitsplätze weggefallen.

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