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Mehr Welt Wirtschaft Crowdfunding für Elektroauto-Start-up erfolgreich: Sono will in Serie produzieren
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12:23 20.01.2020
Die Sono-Motors-Gründer Jona Christians, Navina Pernsteiner und Laurin Hahn. Quelle: Sono Motors GmbH
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Die Botschaft ist kurz, aber sie hat es in sich. „Wir haben es geschafft“, hat das Münchner Elektroauto-Start-up Sono Motors in der Nacht zu Sonntag verkündet. Zwei Tage vor Ablauf einer letzten Frist am 20. Januar für eine ungewöhnliche Geldsammelaktion sind die benötigten 50 Millionen Euro zusammengekommen. Ohne diese Summe wäre das ambitionierte Vorhaben, ein mit Solarzellen bestücktes Elektroauto in Serie zu bauen, beendet gewesen.

So etwas wie Geschichte geschrieben haben Sono-Gründer und Unterstützer, weil damit zum einen die weltweit größte Summe per Internet eingesammelt wurde, um die zumindest in letzter Zeit geworben wurde. Zum anderen ist wohl noch niemals auf diese Weise die Entwicklung eines Autos finanziert worden.

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Sehr öko, sehr fair – kann ein Crowdfunding das E‐Auto‐Vorbild Sion retten?

Gründer verpflichten sich zur Nachhaltigkeit

Die Sono-Macher hatten sich zuvor in einer kritischen Phase des Unternehmens mit traditionellen Investoren zerstritten, weil die den visionären Kurs der beiden Gründer Jona Christians und Laurin Hahn nicht mitgehen wollten. Das Duo pocht darauf, den Sion unter strikt nachhaltigen Kriterien in Europa zu bauen und nur Zulieferer zuzulassen, die sich Nachhaltigkeitskriterien verpflichten. Die Geldgeber in spe hatten dagegen eine möglichst billige Produktion verlangt.

Zwei Welten waren aufeinandergeprallt mit Renditeinteressen traditioneller Investoren auf der einen Seite und dem Ökoziel, ein selbstladendes und zum Verleihen ausgelegtes Elektroauto zu bauen, das den Verkehr reduziert, auf der anderen Seite. Weil Hahn und Christians dabei auch vier Jahre nach Sono-Gründung recht kompromisslos geblieben sind, stand das Unternehmen Ende 2019 plötzlich ohne Investoren da. 50 Millionen Euro mussten schnell her, um Gerätschaft für die geplante Serienproduktion im schwedischen Trollhättan zu kaufen und Serienprototypen zu bauen.

So könnte der Sion - ohne Solarzellen - aussehen. Quelle: Sono Motors GmbH

Als letzter und verzweifelt anmutender Weg blieb nur noch eine Crowdfunding-Kampagne im Internet. Möglichst viele der 11.600 Vorbesteller des Sion sollten dazu gebracht werden, ihr 25.500 Euro teures Elektroauto vorab voll zu bezahlen. Parallel wurde in der Internetcommunity um private Darlehen geworben. Die Kürze der Zeit und Höhe der Investitionssumme schienen das aber zu einem zum Scheitern verurteilten Vorhaben zu machen. Sion-Käufer sind aber nicht mit denen von VW und Co. zu vergleichen, sondern eher mit denen des US-Elektropioniers Tesla. Was Unternehmen und Kunden verbindet, ist in diesem Fall vor allem auch eine Idee.

Serienfertigung soll 2021 starten

Dennoch wären die 50 Millionen Euro nicht erreicht worden, hätten zwei Sono-Altaktionäre nicht noch einmal 10 Millionen Euro nachgeschossen. Das haben die Beteiligungsfirma WiVenture und das Familien-Office ELFH Holding in den letzten Tagen getan. Gut 40 Millionen Euro haben Sion-Kunden beigesteuert, die so zu Sono-Investoren geworden sind. Dafür haben Hahn und Christians sich im Gegenzug verpflichtet, ihre Gewinnbezugsrechte komplett an einen Pool abzutreten, aus dem jetzige Unterstützer schöpfen können, sobald Sono profitabel wird. Bis dahin ist es trotz des jetzigen Finanzierungserfolgs noch ein langer Weg.

Denn um die Serienfertigung wie geplant im Herbst 2021 in den ehemaligen Saab-Werken von Trollhättan starten zu können, ist eine weitere Anschlussfinanzierung über 205 Millionen Euro nötig. Obwohl das noch einmal gut das Vierfache der jetzt erreichten Summe ist, zeigen sich Hahn und Christians zuversichtlich, auch diese Hürde zu nehmen. Mit Banken stehe man bereits in vielversprechenden Verhandlungen, um für diese Phase der Unternehmensfinanzierung rund 70 Millionen Euro an Krediten zu erhalten. Zudem hoffen die beiden Gründer und Sono-Chefs nun auf neue Investoren, die vom Erfolg der Crowdfunding-Kampagne angelockt werden.

Risiko für Investoren besteht weiter

Vor allem kalkulieren die Jungunternehmer aber mit dem Verkauf sogenannter CO₂-Zertifikate. Diese moderne Handelsware entsteht bei reinen Elektroautoherstellern wie Sono, weil seine Autos ausschließlich schadstofffrei unterwegs sind. Verkauft werden können Zertifikate an traditionelle Autobauer, die ihre Schadstoffgrenzwerte beim Flottenverbrauch überschreiten würden und dann hohe Strafzahlungen an die EU leisten müssten. Allein dadurch winkt Sono eine dreistellige Millionensumme.

Dennoch bleibt der Sion ein Risikoprojekt. Die Gelder der privaten Unterstützer werden nach dem Erreichen der 50-Millionen-Euro-Schwelle nun abgebucht. Floppt das Vorhaben in einem späteren Stadium, droht Anlegern ein Totalverlust. Andererseits haben die Jungunternehmer nun bewiesen, dass ökologisch orientierte Überzeugungstäter im Internet nicht nur Menschen für Demonstrationen, sondern auch einiges an Geld mobilisieren können.

Von Thomas Magenheim-Hörmann/RND

Der Artikel "Crowdfunding für Elektroauto-Start-up erfolgreich: Sono will in Serie produzieren" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.