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Wirtschaft Conti will von Stöcken aus angreifen
Mehr Welt Wirtschaft Conti will von Stöcken aus angreifen
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00:15 22.11.2013
Von Lars Ruzic
Mit seinem neuen Runderneuerungswerk in Stöcken will Continental die Konkurrenz im Lkw-Geschäft angreifen
Mit seinem neuen Runderneuerungswerk in Stöcken will Continental die Konkurrenz im Lkw-Geschäft angreifen Quelle: dpa
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Hannover

Mit seinem neuen Runderneuerungswerk in Stöcken will Continental die Konkurrenz im Lkw-Geschäft angreifen. „Wenn man nicht mitmacht, kommt man in den Markt nicht hinein“, sagte Conti-Reifenvorstand Nikolai Setzer gestern am Rande der Werkseröffnung. Der Konzern könne den Spediteuren und Busunternehmern ein Rundum-Angebot schnüren und sie so über Jahre an sich binden. Durch die Runderneuerung verlängert sich die Gesamtlaufleistung eines Reifens um ein Vielfaches, die Kosten sinken für die Kunden um ein Viertel.

Das gestern offiziell eingeweihte Werk kann bis zu 180 000 Reifen im Jahr produzieren. Derzeit befinde man sich in der Hochlaufphase, von Februar an solle an fünf Tagen in der Woche rund um die Uhr produziert werden, sagte Fabrikchef Franz Stuefer. Fünf von sechs Reifen werden „heiß“ runderneuert. Dabei werden die vom alten Gummi befreiten Karkassen wieder neu gebacken. 16 dieser „Backstationen“ hat Conti in Stöcken bereits aufgestellt, zwölf weitere folgen.

Das abgeschabte Gummi wandert in eine moderne Recyclinganlage, in der die Vulkanisierung des Materials wieder rückgängig gemacht wird. So lasse sich 4000 Tonnen Gummi recyceln, was dem Ausstoß von 1,3 Millionen Kautschukbäumen entspreche, sagte Lkw-Reifenchef Andreas Esser. Insgesamt 10 Millionen Euro hat sich Conti das Rundernenerungswerk kosten lassen, weitere 5 Millionen Euro flossen in den Ausbau der Forschung und Entwicklung in Stöcken. Für den Standort sei das die größte Investition seit 1996, sagte Setzer. Damals wurde die Reifenentwicklung in dem Werk am Mittellandkanal konzentriert. Rund 1,2 Millionen Euro kamen vom Steuerzahler. Der Bund fördert die Recyclinganlage. „Wir starten in eine neue Ära“, sagte Setzer.

Hannovers neuer Oberbürgermeister Stefan Schostok sprach von einer „kleinen Sensation“, dass Conti wieder Reifenproduktion in Stöcken ansiedle. Der SPD-Politiker rief in Erinnerung, dass der Konzern noch bis 2010 in Stöcken vor allem abgebaut hatte – erst die Pkw-, dann die Lkw-Reifenproduktion. Insgesamt 1150 Menschen waren damals von den Streichungen betroffen, es war das zwischenzeitliche Ende der Reifenproduktion in Hannover. In sofern sei er glücklich darüber, dass die jetzige Ansiedlung sich wirtschaftlich rechne.

Auch Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies, der den in Koalitionsverhandlungen gebundenen Ministerpräsidenten Stephan Weil vertrat, hob hervor, dass sowohl in Entwicklung wie in Produktion investiert werde. Das Eine sei ohne das Andere an diesem Standort nicht denkbar. Das Runderneuerungswerk wurde just in der Halle aufgebaut, deren Lkw-Reifenmaschinen einst in die Slowakei verlagert worden waren. Insgesamt schafft Conti nach eigenen Angaben 235 neue Jobs in Stöcken, dem größten der vier Conti-Standorte in Hannover. Fast jeder zweite der 7400 Conti-Beschäftigten in der Landeshauptstadt arbeitet in dem Werk.

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