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Wirtschaft Conti-Jobs bis 2014 gesichert
Mehr Welt Wirtschaft Conti-Jobs bis 2014 gesichert
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10:32 18.12.2009
Von Lars Ruzic
Quelle: Ralf Decker
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Für Tausende Beschäftigte in den deutschen Zulieferwerken von Continental ist der Arbeitsplatz bis 2014 gesichert. Mitten in der Automobilkrise hat der Konzern entsprechende Vereinbarungen mit der Arbeitnehmerseite an den Automotive-Standorten in Gifhorn, Rheinböllen, Ingolstadt, Karben und Villingen abgeschlossen. In weiteren vier Werken, darunter auch das mit 6000 Beschäftigten größte in Regensburg, laufen die Verhandlungen noch.

Im Gegenzug für Zugeständnisse der Belegschaft verzichtet Conti für die kommenden fünf Jahre auf betriebsbedingte Kündigungen. Teilweise wurden zudem Investitionen und neue Produkte zugesagt. Die Vereinbarungen beinhalten nach Informationen dieser Zeitung meist einen vergleichsweise geringen Arbeitsplatzabbau, der sozialverträglich zu bewerkstelligen ist.

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So sieht der jüngste Abschluss bei den 1500 Bremsspezialisten von Teves in Gifhorn die Streichung von 70 Stellen vor. Gleichzeitig muss die Belegschaft ihre Arbeitszeit um fünf auf 35 Stunden reduzieren – mit entsprechenden Lohneinbußen. Dafür soll der Standort künftig auch Elektromotoren produzieren. Andere Werke wiederum verlängern ihre Arbeitszeit, verzichten auf Teile des Weihnachts- und Urlaubsgelds oder auf Sonderzahlungen.

Der Konzern hatte im Juni angekündigt, in seiner Zuliefersparte mit den drei in den vergangenen Jahren zusammengekauften Töchtern VDO, Teves und Temic 2600 der bundesweit mehr als 27.000 Stellen streichen zu wollen und dies mit der schlechten Auftragslage begründet. Seitdem verhandeln Unternehmens- und Arbeitnehmerseite auf Werksebene über Ergänzungstarifverträge und Betriebsvereinbarungen. Spartenweite Gespräche sollen von der IG Metall nicht gewollt gewesen sein, um dem Conti-Konkurrenten Bosch keine Blaupause für dessen Kürzungspläne zu bieten.

Selbst unter Conti-Chef Manfred Wennemer, der Standort- und Beschäftigungsgarantien öffentlich stets ausgeschlossen hatte, gab es vereinzelt schon Sicherungsvereinbarungen. Dass dies nun für viele Standorte gelte, stelle eine neue Qualität dar, heißt es von Arbeitnehmerseite. „Der Konzern braucht die Belegschaft bei der Kurzarbeit an seiner Seite und will sich das Know-how sichern“, erläutert Teves-Gesamtbetriebsratschef Michael Iglhaut.

Seine Kollegen auf der Gummiseite haben solche Abmachungen bislang nicht schließen können – im Gegenteil. Bei ihnen wollte der Konzern Anfang des Jahres noch mit einem radikalen Schnitt in Hannover-Stöcken 780 Stellen zur Not auch mit Kündigungen kappen, was bislang verhindert werden konnte. Eine Konzernsprecherin sagte, man habe auch an den Pkw-Reifenstandorten in Aachen und Korbach sowie in einigen ContiTech-Werken Ergänzungstarifverträge geschlossen. Die sahen im Gegenzug für Zugeständnisse der Belegschaft zwar Investitionsversprechen vor, aber keine Jobgarantien.

„Da entsteht eine Schieflage im Konzern, die nicht in Ordnung ist“, kritisiert die Gesamtbetriebsratschefin der Gummisparte, Bärbel Bruns. Für den Fall, dass die Reifen- und ContiTech-Manager erneut mit Kostensenkungswünschen an die Belegschaftsvertreter herantreten, wollen auch die Gummi-Betriebsräte Zugeständnisse nur noch gegen Beschäftigungssicherung machen, hieß es.