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14:09 19.01.2012
Die Commerzbank will erneute Staatshilfe um jeden Preis vermeiden und ihre gigantische Kapitallücke aus eigener Kraft schließen.
Die Commerzbank will erneute Staatshilfe um jeden Preis vermeiden und ihre gigantische Kapitallücke aus eigener Kraft schließen. Quelle: dpa
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Frankfurt/Main

Die Commerzbank will erneute Staatshilfe um jeden Preis vermeiden und ihre gigantische Kapitallücke aus eigener Kraft schließen. Um 6,3 Milliarden Euro will der bereits teilverstaatlichte Dax-Konzern sein Kernkapital und damit seinen Risikopuffer für Krisenzeiten stärken. Das ist sogar eine Milliarde mehr als die europäische Bankenaufsicht EBA als Folge des jüngsten Stresstests von der deutschen Nummer zwei verlangt. Die Bundesregierung begrüßte die Pläne.  Die Commerzbank-Aktien reagierten mit einem Kurssprung auf die Vorlage des Kapitalplans. Das zuletzt schwer gebeutelte Papier setzte sich am Donnerstagvormittag mit einem Plus von mehr als zwölf Prozent an die Dax-Spitze.

Vorstandschef Martin Blessing hatte immer wieder betont, dass er nicht noch einmal - wie in der Finanzkrise 2008/2009 - Hilfe vom Staat in Anspruch nehmen will. Der Bund ist derzeit noch mit 25 Prozent größter Einzelaktionär der Commerzbank.

„Mit den eingeleiteten Maßnahmen haben wir bereits zum Jahresende 2011 knapp 60 Prozent der EBA-Kapitalanforderung erfüllt“, erklärte Blessing am Donnerstag in einer Mitteilung. Zusätzliches Eigenkapital in Höhe von 3,0 Milliarden Euro habe die Bank bereits zusammen. Weitere 3,3 Milliarden Euro sollen im ersten Halbjahr 2012 dazukommen.

Die Milliarden kratzt die Commerzbank vor allem durch den Abbau von Risikogeschäften und das Einbehalten von Gewinnen zusammen. In der Summe will die Commerzbank so bis zum 30. Juni 2012 auf eine harte Kernkapitalquote von mehr als 11,0 Prozent kommen. Die EBA verlangt von Europas Banken zu diesem Stichtag eine Quote von mindestens 9,0 Prozent.

Allerdings bleiben Unwägbarkeiten, ob der komplexe Plan aufgeht. Wie es mit der Sorgentochter Eurohypo weitergehen soll, die für den Großteil der Kapitallücke verantwortlich ist, teilte die Commerzbank zunächst nicht mit. Zudem gilt es als nicht unwahrscheinlich, dass auf die Institute im Falle Griechenlands weitere Abschreibungen zukommen werden. Bislang preist die Commerzbank den Wert ihrer griechischen Staatsanleihen mit 48 Prozent des Nominalwertes ein.

Bis Ende Juni will die Commerzbank unter anderem Risikoaktiva um weitere rund 17 Milliarden Euro verringern und so den Kernkapitalbedarf noch mal um rund 1,5 Milliarden Euro entlasten. Zudem geht die Bank davon aus, dass sie für die beiden ersten Quartale insgesamt rund 1,2 Milliarden Euro Gewinn in den Krisenpuffer stecken kann. Dafür sollen auch die Kosten um rund 150 Millionen Euro gedrückt werden.

Die Bundesregierung begrüßte das Vorhaben des Frankfurter Geldhauses. „Nun müssen die vorgelegten Pläne zunächst aufsichtlich geprüft werden“, betonte das Finanzministerium in Berlin. Daher müssten die Prüfungsergebnisse abgewartet werden, hieß es mit Blick auf Details des Kapitalplans. Die Pläne werden noch diese Woche der deutschen Aufsicht BaFin zur Prüfung vorgelegt und anschließend der EBA. Die entscheidet voraussichtlich Mitte Februar.

Einem Bericht der „Financial Times“ (FT/Donnerstag) zufolge hat die EBA Zweifel, dass die Commerzbank tatsächlich ohne neue Staatshilfe auskommt. Es erscheine „fast unausweichlich“, dass die deutsche Nummer zwei erneut darauf zurückgreifen müsse, sagten hochrangige EBA-Beamte der Zeitung vor der Veröffentlichung des konkreten Plans der Bank.

dpa

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