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Wirtschaft Commerzbank kämpft gegen Dauerkrise
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14:39 08.11.2012
Konzernchef Martin Blessing wird die Zahlen des 3. Quartals sowie die Konzernstrategie der Bank erläutern. Quelle: dpa
Frankfurt/Main

Ein Mix aus Sparen und Investieren soll die Talfahrt der Commerzbank stoppen. Nach dürftigen Ergebnissen auch im dritten Quartal 2012 krempelt das teilverstaatlichte Institut mit einer Milliardeninvestition sein Privatkundengeschäft um. In einzelnen Filialen sollen Spezialisten zusammengezogen werden, zudem sind flexiblere Öffnungszeiten im Gespräch, wie der Dax-Konzern am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Ausgedünnt werden soll das Filialnetz mit 1200 Standorten Ende dieses Jahres jedoch nicht.

Wie viele Mitarbeiter wegen des Konzernumbaus ihren Job verlieren werden, ließ die deutsche Nummer zwei weiter offen. Die Bank kündigte lediglich eine „Anpassung der Personalkapazitäten“ an. Spekuliert wurde über den Abbau von bis zu 6000 der etwa 56 000 Stellen. Das Management will seine Pläne zunächst mit den Arbeitnehmervertretern diskutieren.

Im dritten Quartal konnte die Commerzbank ihren Abwärtstrend nicht stoppen. Unter dem Strich verdiente die Bank 78 Millionen Euro und damit noch weniger als in den beiden ebenfalls schwachen Vorquartalen. Vor allem das niedrige Zinsniveau und Belastungen bei abzuwickelnden Geschäften drückten auf den Gewinn.

Für das vierte Quartal erwartet das Management einen weiteren Rückgang des operativen Gewinns - wegen steigender Kapitalvorgaben der Regulatoren, dem niedrigen Zinsniveau und dem allgemeinen Vertrauensverlust gegenüber der Finanzbranche.

Vor einem neuen Gewinnziel scheute Konzernchef Martin Blessing nach der Bauchlandung mit seiner früheren Vorgabe von vier Milliarden Euro operativem Gewinn für 2012 zurück. Für 2016 kündigte die Bank lediglich an, im Kerngeschäft eine Eigenkapitalrendite von mehr als zehn Prozent nach Steuern erzielen zu wollen.

Die Aktionäre hatte der Konzern bereits am Mittwochabend darauf eingestimmt, dass sie auch für dieses und nächstes Jahr voraussichtlich keine Dividende bekommen werden.

Im hart umkämpften Privatkundengeschäft lief es - vier Jahre nach Übernahme der Dresdner Bank - wegen einer leichten Belebung im Wertpapiergeschäft etwas besser als vor einigen Monaten. Die Erträge in der wichtigen Sparte verharrten jedoch auf niedrigem Niveau. 2013 erwartet die Commerzbank kein positives Ergebnis in der Sparte.

Bis 2016 will die Bank mehr als zwei Milliarden Euro in die Neuausrichtung stecken, davon etwa eine Milliarde in die Privatkundensparte: in Produkt- und Serviceangebote, Beratung und Qualifizierung der Mitarbeiter. Ziel sei der „Aufbau einer modernen Multikanalbank“ und ein flexibleres Filialnetz, erklärte Blessing: „In Zukunft werden unsere Kunden die Produkte und Dienstleistungen der Commerzbank zu jeder Zeit und an jedem Ort erhalten.“

Durch eine engere Verzahnung von Online-Angeboten und klassischer Filialbank erhofft sich die Bank im Jahr 2016 rund 600 Millionen Euro mehr Kundenertrag. Die Kundenzahl soll von elf Millionen auf zwölf Millionen gesteigert werden, operativ soll das Privatkundengeschäft 2016 mehr als 500 Millionen Euro Gewinn abwerfen.

„Ich möchte eine Bank, der die Kunden vertrauen können“, betonte Blessing. „Fairness und Kompetenz ist das, was die Kunden von ihrer Bank erwarten.“ In der Vergangenheit sei die Commerzbank bei Privatkunden zu stark auf das Wertpapiergeschäft fokussiert gewesen und habe dem Provisionsüberschuss zu viel Gewicht gegeben. Um Vertrauen zurückzugewinnen, gräbt das Institut seinen Slogan aus den Jahren 1977 bis 2002 wieder aus: „Die Bank an Ihrer Seite“.

Zumindest fielen im dritten Quartal 2012 angesichts der Beruhigung Märkte keine größeren Sonderbelastungen an. Vor einem Jahr stand für den Zeitraum Juli bis Ende September unter dem Strich ein Verlust von 687 Millionen Euro - vor allem aufgrund von Abschreibungen von rund 800 Millionen Euro auf griechische Staatsanleihen. Nach den ersten neun Monaten 2012 hat die Commerzbank insgesamt 722 Millionen Euro Überschuss erwirtschaftet - nach 322 Millionen ein Jahr zuvor.

dpa

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