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Wirtschaft Commerzbank enttäuscht mit tiefroten Zahlen
Mehr Welt Wirtschaft Commerzbank enttäuscht mit tiefroten Zahlen
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15:50 23.02.2010
Die Commerzbank enttäuscht mit tiefroten Zahlen. Quelle: dpa
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Das Geldhaus meldete am Dienstag in Frankfurt am Main einen Nettoverlust von 4,5 Milliarden Euro, nach minus 6,5 Milliarden Euro im Jahr zuvor.

Finanzvorstand Eric Strutz nannte einen Verlust auch im laufenden Jahr „durchaus realistisch“, obwohl der Start ins neue Jahr mit einem Gewinn von über 300 Millionen Euro im Januar optimistisch stimme. An der Börse wurde die Aktie des zweitgrößten deutschen Geldinstituts abgestraft: Sie verlor zeitweise fast 8 Prozent und gehörte am Nachmittag mit einem Abschlag von fast 7 Prozent zu den größten Verlierern im Deutschen Aktienindex (DAX).

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Die Commerzbank bezifferte die Belastungen aus der Finanzmarktkrise im abgelaufenen Jahr auf insgesamt 5,3 Milliarden Euro. Die Risikovorsorge stieg um 18,6 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro. Mit Kosten von 1,9 Milliarden Euro schlug die Integration der Dresdner Bank zu Buche, die damit allerdings größtenteils schon verbucht sei. Der Stellenabbau nach der Fusion liege mit 3.126 Jobs Ende 2009 über Plan. Dazu kommen Abschreibungen von 768 Millionen Euro auf den Markenwert der Eurohypo.

Die Commerzbank war durch die Übernahme der Dresdner Bank mitten in der Finanzkrise 2008 in Turbulenzen geraten. Der Bund kam mit 18,2 Milliarden Euro zu Hilfe und ist mit der Sperrminorität von 25 Prozent plus einer Aktie größter Anteilseigner.

Rückzahlung an den Bund erst ab 2012

Mit der Rückzahlung der stillen Beteiligung des Bundes will die Bank im Jahr 2012 beginnen, bei gutem Verlauf eventuell schon 2011, wie Strutz sagte. Immerhin sei es gelungen, die EU-Auflage zur Senkung der Bilanzsumme unter 900 Millionen Euro bereits drei Jahre früher als erforderlich zu erfüllen: Die Bilanzsumme sank 2009 um 19 Prozent auf 844 Milliarden Euro. Die Kernkapitalquote liegt bei 10,5 Prozent.

Vor allem im Handelsergebnis konnte die Commerzbank die Belastungen 2009 deutlich auf minus 358 Millionen Euro reduzieren, nach minus 4,6 Milliarden Euro im Jahr zuvor. Dennoch sei das Handelsergebnis enttäuschend ausgefallen, sagte Strutz. Der Zinsüberschuss sank nur geringfügig auf 7,2 Milliarden Euro, der Provisionsüberschuss dagegen ging wegen gesunkener Aktivität im Wertpapiergeschäft um 20 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro zurück.

Risikovorsorge soll auf Niveau von 2008 sinken

Die größten Risiken im laufenden Jahr erwartet die Commerzbank beim Investmentbanking und bei den Privatkunden. Dagegen sollte bei der Mittelstandsbank die Spitze der Wertberichtigungen im abgelaufenen Jahr bereits erreicht gewesen sein. Auch andere Segmente wie das Osteuropageschäft sowie die Belastungen durch die hausinterne Bad Bank, die sogenannte Portfolio-Restrukturierungseinheit (PRU), sollen günstiger verlaufen. Insgesamt erwartet die Bank für 2010 eine Risikovorsorge von 3,8 Milliarden Euro, was dem Niveau von 2008 entspräche.

Bankchef Martin Blessing erklärte: „Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen. Aber wir haben Risiken reduziert und unsere Kapitalbasis nachhaltig gestärkt.“ 2010 wolle das Institut „im kundennahen Geschäft den Umschwung erreichen“. Spätestens 2011 wolle die Commerzbank wieder Gewinn erzielen. Blessing wollte sich bei der Bilanzpressekonferenz am (morgigen) Mittwoch dazu äußern.

ap