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Wirtschaft Commerbanz-Chef fordert schnelle Konsequenzen
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08:36 24.06.2009
Commerzbank-Chef Martin Blessing Quelle: Handout

Herr Blessing, wir sitzen in einer Filiale der Commerzbank in Hildesheim. Direkt gegenüber gibt es eine Filiale der Dresdner Bank. Hier wird sich die Fusion der Häuser bemerkbar machen, oder?

Ich habe gerade mit den Mitarbeitern unserer beiden Filialen gesprochen und ihnen gesagt, dass wir mittelfristig nur noch auf einer Seite der Fußgängerzone präsent sein werden. So können wir unter anderem Miete sparen. Wir werden hier künftig natürlich auch nur noch einen Filialleiter brauchen.

Durch die Finanzkrise ist aber das Vertrauen vieler Privatkunden in ihre Bank verloren gegangen. Welche Lehren ziehen Sie im Umgang mit den Kunden?

Wir müssen noch klarer als bisher auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Kunden eingehen. Aber man darf beim Sicherheitsdenken nicht überziehen und alle Produkte, die Risiken beinhalten, ganz aus dem Angebot nehmen. Es gibt Kunden, die wollen Chancen nutzen. Und Chance ohne Risiko gibt es nicht. In diesem Spannungsfeld bewegen wir uns.

Was können Sie tun, damit sich die Qualität der Beratung verbessert? Waren etwa die bisherigen Anreizsysteme für Ihre Mitarbeiter ein Fehler?

Bei rund 10.000 Beratern wird auch immer mal ein Fehler passieren. Im Privatkundengeschäft macht das Festgehalt aber den größten Teil der Bezahlung aus. Das heißt, die Gehälter hängen nur im geringen Maße davon ab, wie viel Produkte ein Berater verkauft. Wichtig ist: Wenn uns Missverhältnisse auffallen, prüfen wir das. Wenn beispielsweise eine 90-jährige Dame plötzlich ausschließlich japanische Optionsscheine im Depot hätte, würden wir den Berater fragen, ob die Kundin weiß, was sie da besitzt.

Aber Provisionen im Vertrieb wird es weiterhin geben?

Wir sind dabei, unser Vergütungsmodell zu überarbeiten. Aber wir müssen auch Unterschiede zulassen. Das ist im Interesse der Mitarbeiter, die erfolgreich und außergewöhnlich engagiert sind.

Ein häufig geäußerter Vorwurf lautet derzeit, dass Banken die Leitzinssenkungen der Europäischen Zentralbank bei Dispokrediten nur schleppend an die Kunden weitergeben. Stimmt das?

Wenn man einen Zins kalkuliert, gibt es mehrere Komponenten, nicht nur den Leitzins. Wie teuer ist es für die Bank, sich zu refinanzieren und mit welchen Zahlungsausfällen rechnet sie in Zukunft. Gerade dieses Risiko steigt derzeit bei Dispokrediten. Denn die Arbeitslosigkeit wird leider steigen und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Kredite nicht zurückgezahlt werden können.

Auch bei den Firmenkrediten hagelt es Proteste: Die Banken würden gerade dann besonders wenig Kredite geben, wenn das Geld gebraucht wird. Und wenn es noch Geld gibt, dann nur zu höheren Zinsen.

Die Refinanzierung ist für die Banken teurer geworden. Und die Sorge vor Ausfällen bei Industrieunternehmen ist allgemein gewachsen. Zusammen bedeutet das steigende Kreditzinsen für Unternehmen trotz gesunkener Leitzinsen. Wenn Sie aber vergleichen, zu welchem Zinssatz große Konzerne derzeit Anleihen begeben und zu welchem Zinssatz wir Kredite an Mittelständler vergeben, dann ist das für die mittelständischen Unternehmen im Vergleich günstig.

Aber so richtig gerne verleihen Sie derzeit nicht Ihr Geld, oder?

Das stimmt nicht. Die Vergabe von Krediten gehört zu unserem Kerngeschäft. Im Zuge der Wirtschaftskrise geht allerdings die Kreditnachfrage zurück. Es gibt aber auch Firmen, die sich in einer Kreditklemme sehen. Inwieweit sich das Angebot tatsächlich verknappt, werden wir erst in ein, zwei Quartalen in der Statistik sehen.

Droht das nicht, den Wirtschaftsabschwung zu verschärfen?

Lassen Sie uns erst einmal abwarten. Im Übrigen: Wir müssen beide Seiten sehen. Wenn man keinen Kredit gibt, setzt man sich dem Vorwurf aus, das Unternehmen nicht zu unterstützen. Wenn man den Kredit gibt und das Unternehmen dann nicht zurückzahlen kann, ist das für beide Seiten schlecht.

Die EU hat die 18,2 Milliarden Euro an Staatshilfe für Ihr Haus durchgewinkt. Wie wollen Sie die 9 Prozent Zinsen auf die Finanzspritze verdienen?

Die Bedienung der stillen Einlage ist an den Gewinn gekoppelt. Wenn es keinen Gewinn gibt, werden sie nicht bedient. Ebenso wie es keine Dividende gibt. Wir gehen davon aus, dass wir spätestens 2011 wieder Gewinn machen werden. Die neue Commerzbank hat eine nachhaltige operative Ertragskraft von über 4 Milliarden Euro pro Jahr.

Ihr starkes Engagement bei Firmenkrediten ist in der Krise ein echtes Problem. Welche Ausfälle befürchten Sie?

Banken sind immer das Spiegelbild der Volkswirtschaft, in der sie arbeiten. Geht es der Wirtschaft gut, geht es in der Regel auch den Banken gut, geht es der Wirtschaft schlecht, leiden auch die Banken. Wir gehen davon aus, dass die Ausfälle in 2009 insgesamt bei 3,5 Milliarden Euro liegen und damit in etwa auf gleicher Höhe wie im Vorjahr. Zur Zeit liegen wir etwas besser, aber das zweite Halbjahr könnte härter werden.

Und wie sieht es mit den Problempapieren vor allem bei der Dresdner aus?

Ich sehe eine gewisse Entspannung. In Teilen haben sich die Kurse stabilisiert, die Abwärtsbewegung scheint hier zum Stillstand gekommen zu sein. Es ist aber in der Breite noch keine Erholung in Sicht und es ist noch nicht absehbar, was tatsächlich ausfällt.

Würden Sie die Bank einem offiziellen Stresstest wie in den USA unterziehen?

Wenn alle denselben Test machen müssten, gerne. Doch es taugt kaum als Vorbild, wenn man – wie in den USA – zuerst schaut, was bei dem Test herauskommt und dann solange über die Bedingungen verhandelt, bis alle den Test bestehen können. Außerdem gibt es große Unterschiede in den Bilanzierungsregeln, so dass bei diesen Tests keine direkte Vergleichbarkeit gegeben ist. Wenn man auf der Basis dann ein offizielles Gütesiegel veröffentlicht, steht das auf schwachen Füssen und stiftet nur Verwirrung.

Wie kann denn sonst das Vertrauen ins System wieder hergestellt werden?

Wir brauchen eine bessere Regulierung. Nur wenn wir glauben würden, dass alle ihre Lektion gelernt haben und keiner mehr in alte Verhaltensmuster zurückfällt, könnten alle Regeln so bleiben wie sie sind. Aber das wäre naiv.

Sie betteln um strengere Gesetze?

Es geht nicht um eine strengere, sondern um eine bessere Regulierung. Wenn bis Frühjahr nächsten Jahres bei der Regulierung nichts passiert und gleichzeitig die Gewinne in bestimmten Bereichen des Investmentbankings und die Bonuszahlungen wieder steigen, wird es eine breite öffentliche Debatte geben, für die ich Verständnis hätte. Denn es würde in einem Umfeld passieren, das durch steigende Arbeitslosigkeit gekennzeichnet ist und in dem Banken nach wie vor Steuergeld nutzen.

Hat US-Präsident Barack Obama mit der Reform der Finanzaufsicht den Weg für die Regulierung vorgegeben?

Wenn sich die Europäer nicht rechzeitig einigen, werden die Amerikaner die Maßstäbe setzen. Aber ich bin noch nicht sicher, ob wirklich alles so kommt wie es jetzt in Washington diskutiert wird. Letztlich ist die Regulierung in den USA noch zersplitterter als bei uns.

Und in Europa?

Wie gesagt, ich habe die Sorge, dass die Chance vertan wird, durch eine bessere gemeinsame Regulierung, etwas Sinnvolles für den Markt zu tun.

Hat die Branche denn nichts aus der Krise gelernt und wird sich nicht auch von sich aus zurückhalten?

Die alten Verhaltensmuster kehren durchaus schon wieder, wenn man sieht, wie Banken in London Mitarbeitern hohe Boni versprechen. Dem werden andere folgen und am Ende will keiner angefangen haben.

Wir müssen also vor Bankern wie Ihnen Angst haben, da wir als Steuerzahler bald wieder für Missetaten der Branche zur Kasse gebeten werden könnten?

Die Erinnerung an die heiße Herdplatte, auf die man gefasst hat, verblasst mit den Jahren. Das ist menschlich. Gute Gesetzgebung und Regulierung berücksichtigt das und setzt die Regeln so, dass sie Freiheiten lassen, aber einen klaren Rahmen definieren.

Bleibt es eigentlich dabei, dass die Marke Dresdner Bank bis Ende 2010 endgültig verschwindet?

Es ist eine schwierige Entscheidung, eine Traditionsmarke aufzugeben. Als ehemaliger Mitarbeiter der Dresdner Bank kann ich gut nachvollziehen, dass diese Entscheidung Emotionen auslöst. Aber um die Bank für die Zukunft aufzustellen, ist es nötig, sich zu fokussieren. Dazu gehört, sich auf eine Marke zu konzentrieren. Das positive Markenguthaben der Dresdner Bank wird aber in der neuen Commerzbank erkennbar und erhalten bleiben. Lassen Sie sich überraschen.

Und in den Werbespots vor dem TV-Wetterbericht wird dann nur ein Commerzbank-Berater unter dem Regenschirm stehen und sich kein Kollege der Dresdner Bank dazu gesellen?

Den Spot werden wir vielleicht schon vorher ändern. Ich finde jedenfalls nicht, dass er schon die Krönung der kreativen Schöpfung ist.

Interview: Martin Dowideit, Klaus D. Oehler

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