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Wirtschaft Coca Cola schafft Anrufbeantworter ab
Mehr Welt Wirtschaft Coca Cola schafft Anrufbeantworter ab
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00:21 05.01.2015
Von Jens Heitmann
Coca-Cola schaltet alle Anrufbeantworter ab – und könnte zum Trendsetter werden.
Coca-Cola schaltet alle Anrufbeantworter ab – und könnte zum Trendsetter werden. Quelle: Rolf Vennenbernd
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Anrufbeantworter sind eine zweischneidige Angelegenheit. Einerseits signalisieren die Apparate ein grundsätzliches Interesse am Anliegen des potenziellen Gesprächspartners am anderen Ende der Leitung. Andererseits kann sich der Anrufer nie sicher sein, ob der Angerufene nicht schon bei den ersten Worten „nach dem Signalton“ nur die Augen verdreht und sich insgeheim zur Anschaffung des Gerätes gratuliert. In jedem Fall huldigt der Anrufbeantworter dem Kult der ewigen Erreichbarkeit.

Bis vor Kurzem zumindest. In der Zentrale von Coca-Cola zeichnet sich ein Wandel ab, der einen Trend lostreten könnte: Der Getränkekonzern hat seine Anrufbeantworter unlängst abgestellt – um „die Art und Weise, wie wir arbeiten, zu vereinfachen und um die Produktivität zu steigern”, wie es in einem internen Rundschreiben von IT-Chef Ed Steinike hieß. Anrufer, die ihren gewünschten Gesprächspartner nicht erreichen, hören seither nur noch eine Bandansage, die zwei Möglichkeiten offenlässt: Entweder probiert es der Anrufer später noch einmal per Telefon – oder man schickt gleich eine E-Mail ab.

Das Rundschreiben des IT-Chefs habe unter den Mitarbeitern von Coca-Cola zunächst für Unruhe gesorgt, berichtet die Agentur Bloomberg. Die Abschaffung der Anrufbeantworter sei wohl ein Teil des Plans, die Kosten bis 2019 jährlich um 3 Milliarden Dollar zu senken, hieß es in Atlanta. Der Konzern muss sparen, weil der Cola-Absatz zuletzt schwächelte. Doch das Geld allein kann es nicht sein: Das Ende der Anrufbeantworter bringe insgesamt weniger als 100.000 Dollar pro Jahr, erklärte eine Konzernsprecherin.

Offenbar geht es bei diesem Thema um mehr als Geld – nämlich um die Zufriedenheit der Mitarbeiter. „Viele Leute in vielen Unternehmen haben ganz einfach nicht die Zeit und den Willen, sich am Ende oder am Anfang des Tages 25 Minuten lang durch 15 bis 25 hinterlassene Nachrichten zu kämpfen“, erklärt Michael Schrage, Wissenschaftler am Massachusetts Institute of Technology. „Menschen über 40 Jahre sind schizophren, wenn es um Anrufbeantworter geht. Leute unter 35 Jahren nutzen diese hingegen kaum.”

Technologieexperten sagen deshalb schon seit Längerem den Tod des Anrufbeantworters voraus. Jüngere Leute, die mit der Kurznachricht SMS oder der Smartphone-Anwendung Whatsapp aufgewachsen sind, ignorieren die Anrufbeantworter ihrer Eltern bereits – und bringen diese Einstellung später auch mit ins Büro.

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