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Wirtschaft „Zug verpasst“: Junge Aktivistin liest VW-Bossen vor versammelter Truppe die Leviten
Mehr Welt Wirtschaft „Zug verpasst“: Junge Aktivistin liest VW-Bossen vor versammelter Truppe die Leviten
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21:17 15.05.2019
Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG und Vorsitzender des Markenvorstands Volkswagen Pkw, spricht bei der Volkswagen-Hauptversammlung zu den Aktionären. Quelle: Kay Nietfeld/dpa
Wolfsburg

Milliardenkosten für „Dieselgate“, zigtausende Kundenklagen vor Gericht, Anklagen und Untersuchungen gegen ehemalige Vorstände - das sind nur einige der Schlagzeilen, die den weltgrößten Autobauer Volkswagen auch mehr als drei Jahre nach dem Auffliegen der Dieselmanipulationen nicht loslassen. Aktionäre machten daher auf der Hauptversammlung in Berlin am Dienstag ihren Unmut Luft.

Clara Meyer: „Problem nicht ansatzweise verstanden“

Auch Clara Meyer von der Initiative „Fridays for future“ reihte sich in die Reihe der Kritiker ein. Die junge Aktivistin sprach von der Bühne zu den Anzugträgern und stutzte die Konzernspitze zurecht. Zuvor sprach deren Chef Herbert Diess über die Wende des Unternehmens hin zu E-Mobilität und ambitionierte Klimaziele.

Doch die 18-jährige Aktivistin sieht weiterhin Nachholbedarf. Sie prangerte an, dass Diess trotz ehrgeiziger Ziele in der E-Mobilität die Umwelt nicht ausreichend im Blick behalte. „Ich bin hier, um Ihnen zu sagen: Was sie hier tun ist nicht genug“, brüllte Clara selbstbewusst den Anzugträgern entgegen. Diess habe sich in seiner Rede für sportliche Elektro-SUVs feiern lassen. Doch wer glaube, tonnenschwere Autos seien klimafreundlich, habe das Problem nicht ansatzweise verstanden.

Fondsmanager: „Volkswagen weiter getrieben durch Justiz“

„Heute verkaufen sie jedes Jahr schwerere Autos, die mehr CO2 ausstoßen und jetzt drohen Milliardenstrafen durch die EU. Das nenne ich Rückschritt durch Technik“, beklagte die 18-Jährige mit ernster Miene. Erst jetzt, nach Abgasskandal und öffentlichem Aufruhr würde der VW-Spitze einfallen, dass da noch was war mit der Elektromobilität. „Sie haben den Zug verpasst. Um es mit Worten zu sagen, die sie verstehen: Es geht nicht nur um die Dividende des nächsten Jahres, sondern die der Zukunft“, rüttelte sie das Publikum wach.

Zum Abschluss ihrer bewegten Rede skandierte die 18-Jährige die Parole der jungen Klimabewegung: „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“. Die junge Aktivistin bekam für ihren couragierten Auftritt, bei dem sie sogar noch ihre Redezeit überschritt, viel Applaus. Neben ihr sparten auch andere nicht mit Kritik am Automobilkonzern. „Volkswagen ist weiter getrieben durch die Justiz“, prangerte Fondsmanager Ingo Speich von der Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka an, die auch Musterklägerin im Anlegerverfahren um eine angeblich zu späte Information des Kapitalmarkts ist.

VW-Chef will Politik auf reinen Elektroantrieb einschwören

Zahlreiche weitere Anleger kritisierten unter anderem die Besetzung des Aufsichtsrates und die in ihren Augen zu geringen Dividendenaufschläge für die Vorzugsaktionäre, die im Gegenzug für den Verzicht auf ihr Stimmrecht mehr Ausschüttung sehen wollen. Sowohl die Deka als auch die Deutsche-Bank-Fondstochter DWS wollten Vorstand und Aufsichtsrat mit nur punktuellen Ausnahmen nicht entlasten.

Diess hatte zuvor eine kämpferische Rede gehalten. Mit „Vehemenz“ will er den Blick der Öffentlichkeit auf die Zukunft des Konzerns richten - die in der Elektromobilität liegen und dem Konzern damit auch einen grünen Anstrich geben soll. Auch gegen Widerstände in der Automobilbranche will er die Politik auf den reinen Elektroantrieb einschwören. „Auf absehbare Zeit gibt es keine Alternative zum batterieelektrischen Antrieb“, sagte Diess.

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Von ak/RND/dpa

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