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Wirtschaft Chinesen rollen die Windbranche auf
Mehr Welt Wirtschaft Chinesen rollen die Windbranche auf
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20:51 24.04.2012
Von Jens Heitmann
Foto: „Harter Wettbewerb“: Die deutschen Hersteller von Windkraftanlagen bekommen neue Konkurrenz.
„Harter Wettbewerb“: Die deutschen Hersteller von Windkraftanlagen bekommen neue Konkurrenz. Quelle: dpa
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Hannover

Hannover. Die deutschen Windkraftanlagenbauer sehen den Aufstieg der chinesischen Konkurrenten gelassen - sofern die Unternehmen aus Fernost ihre Windräder in Europa nicht zu Dumpingpreisen anbieten. „In einem fairen Wettbewerb machen wir uns keine Sorgen“, sagte der Präsident des Branchenverbandes BWE, Hermann Albers, am Dienstag auf der Hannover Messe. „Wir haben nach wie vor die Technologieführerschaft.“

Wie in der Photovoltaik verfolgt China auch bei der Windkraft ehrgeizige Ziele: Bis 2015 will das Land Anlagen mit einer Kapazität von 100.000 Megawatt installieren - das ist knapp die Hälfte der Leistung aller derzeit weltweit vorhandenen Windräder. Innerhalb von nur fünf Jahren sind vier chinesische Hersteller unter die weltweit führenden Top Ten der Branche vorgestoßen.

Unter unabhängigen Marktbeobachtern wächst deshalb der Argwohn, dass den Windkraftunternehmen in Europa ein ähnlicher Absturz drohen könnte wie der deutschen Solarwirtschaft. Dort haben Billigangebote aus Fernost die Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Firmen untergraben und eine Reihe von Insolvenzen ausgelöst. Bei der Windkraft liege China technologisch zwar noch einige Jahre zurück, sagte TÜV-Rheinland-Chef Manfred Bayerlein der „Financial Times Deutschland“ - „Aber die Produkte sind jetzt schon wirtschaftlich.“ Der TÜV ist der größte Zertifizierer von Photovoltaikanlagen und einer der bedeutendsten Prüfer bei Windkraftprojekten.

Noch bietet China nur Anlagen mit einer Leistung von bis zu rund 1,5 Megawatt an - europäische Spitzenmaschinen sind viermal so stark. Doch diesen Nachteil machten die Konkurrenten aus der Volksrepublik durch geringe Kosten wett, sagte Bayerlein. Der Markteintritt der Chinesen habe einen Margenverfall ausgelöst, der Konkurrenten wie Vestas oder Nordex in die roten Zahlen gedrückt hat. Seit 2008 sanken die Preise um rund 25 Prozent.

Europäische Hersteller tun sich hingegen schwer, auf dem chinesischen Markt Fuß zu fassen - schon aus rechtlichen Gründen: Um dort zu Ausschreibungen zugelassen zu werden, müssten sie 80 Prozent ihrer Anlagen vor Ort fertigen, sagte BWE-Präsident Albers. Aber selbst wenn diese Voraussetzung erfüllt sei, gingen die Aufträge in der Regel an heimische Wettbewerber. In Europa seien die Chinesen noch kaum aktiv - wohl auch wegen der Transportkosten, die bei den schweren Windkraftkomponenten stärker ins Gewicht fallen als bei Solarmodulen.

Die zur Schau getragene Gelassenheit ihres Branchenverbandes wird dennoch nicht von allen geteilt. „Selbstverständlich werden die Chinesen bald internationale Player, einige von ihnen sind es schon“, sagte Nordex-Chef Jürgen Zeschky. In Osteuropa und der Türkei gingen bereits Aufträge nach China - wenn auch die Finanzierung von dort komme. „Der Wettbewerb ist hart“, sagte Zeschky.