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Wirtschaft Bündnis für Industrie 4.0 steht
Mehr Welt Wirtschaft Bündnis für Industrie 4.0 steht
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00:23 17.04.2015
Von Jens Heitmann
Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) .
Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) . Quelle: Ole Spata
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Hannover

„Heute werden wichtige Grundlagen für den Wettlauf um die Produkte und die Märkte von morgen gelegt.“

Die Verbände des Maschinenbaus (VDMA), der Elektrotechnik (ZVEI) und der IT-Branche (Bitkom) haben vor zwei Jahren den Anstoß zu der Initiative gegeben. Um die Entwicklung der intelligenten Fabrik und der „datengetriebenen Ökonomie“ voranzutreiben, seien gemeinsame Standards entscheidend, sagte Gabriel. Weltweit gebe es bereits mehr als 50 Milliarden vernetzte Geräte: „Alle müssen aber dieselbe Sprache sprechen, um untereinander kommunizieren zu können. Daten sind die neue Wertschöpfungsquelle“, erklärte Gabriel.

In der Wirtschaft wächst jedoch die Sorge, dass Deutschland bei Industrie 4.0 den Anschluss verlieren könnte. Während Unternehmen in den USA und Japan bereits viel Geld in die Digitalisierung ihrer Fertigungsanlagen investieren, agiert besonders der Mittelstand in Deutschland zögerlich, wie jüngste Umfragen nahelegen. Dies sei ein Fehler, sagte Siemens-Vorstandsmitglied Siegfried Russwurm: „Wir sollten uns auf unsere Stärken besinnen und nicht wie die Kaninchen vor den US-Tycoons erstarren.“

Nach Einschätzung der Bundesregierung muss sich die deutsche Wirtschaft nicht verstecken. Der hohe Automatisierungsgrad hierzulande biete den Unternehmen eine gute Ausgangsbasis, sagte Forschungsministerin Johanna Wanka (CDU). Während in China auf 10 000 Industriearbeitsplätze nur 14 Roboter kämen, seien es in Deutschland 282. Vor diesem Hintergrund biete Industrie 4.0 große Chancen. „Wir müssen die Idee jetzt in die Breite tragen.“

Die Industrie erhofft sich von der Digitalisierung einen deutlichen Schub für ihre Geschäfte. Experten trauen den Unternehmen Effektivitätssteigerungen von mehr als 3 Prozent pro Jahr zu. Zehntausende Arbeitsplätze könnten entstehen, heißt es. Allerdings wächst in den Belegschaften auch die Sorge, ob die heutigen Qualifikationen den Herausforderungen genügen. Es müsse daher auch darum gehen, die Mitarbeiter „angstfrei weiterzubilden“, sagte Wanka.

Weil fordert Investitionshilfen

Österreich als Vorbild: Um die Anpassung des Mittelstandes an die Digitalisierung der Produktion zu erleichtern, fordert die niedersächsische Landesregierung eine steuerliche Förderung von Investitionen in Forschung und Entwicklung. „Industrie 4.0 kann und muss gerade für diese Unternehmen Katalysator für Innovation, Wachstum und Beschäftigung sein“, sagte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) der HAZ. Der Mittelstand beschäftige 60 Prozent der Erwerbstätigen und erwirtschafte jeden dritten Euro. Deutschland hinkt bei Investitionen im internationalen Vergleich hinterher. Weil plädiert deshalb dafür, insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen zu unterstützen. Als positives Beispiel führt er Österreich an: Dort gibt es für Investitionen in Forschung und Entwicklung eine Prämie von 10 Prozent, die vom Finanzamt als Gutschrift mit der Steuerschuld verrechnet wird. „Es ist an der Zeit, dass sich die Politik für mehr Investitionen in Deutschland engagiert“, sagte Weil.

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