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17:51 06.12.2012
Die Lufthansa Tochtergesellschaft Germanwings wird ab dem kommenden Jahr Strecken der Lufthansa übernehmen. Quelle: dpa
Köln

Die Lufthansa versucht sich unter dem neugestalteten Logo von Germanwings neu zu erfinden. Viele Kunden wollen für einen Flug innerhalb Europas nicht mehr bezahlen als bei Easyjet oder Ryanair, andere erwarten weiter den Lufthansa-Service. Mit drei Tarifen von spartanisch bis komfortabel will Germanwings sie dennoch alle für sich gewinnen. Für die Lufthansa geht es dabei ums Überleben im umkämpften europäischen Markt. Ob die Strategie aufgeht, dürfte auch von den Geschäftskunden abhängen.

„Die Quadratur des Kreises ist schwierig, aber wir glauben, dass sie durchaus gelingen kann“, sagt Germanwings-Chef Thomas Winkelmann. Der Großteil der Flieger trägt künftig Weiß statt Grau. Das Gelb der Mutter und der Brombeeren-Ton der Tochter auf der Heckflosse sollen symbolisieren: Hier ist das Beste von beidem drin. Der Billigflieger übernimmt für den Mutterkonzern ab 2013 mit dann 90 Fliegern die Direktflüge abseits der Drehkreuze Frankfurt und München. Angepeilt sind 20 Millionen Passagiere, jeder fünfte im Konzern. Germanwings wird damit auch deutlich größer als die Töchter Swiss und AUA. Mit dem Konzept will Lufthansa die alten Kunden halten und dennoch den Billig-Konkurrenten auf dem Kontinent Paroli bieten.

Mit ihren niedrigen Betriebskosten und Billigtickets machen Ryanair & Co. den klassischen Fluggesellschaften seit Jahren das Leben schwer. British Airways hat sich bereits aus der Fläche zurückgezogen und beackert vor allem das Langstreckengeschäft aus London-Heathrow. Lufthansa-Chef Christoph Franz will sich das nach eigenen Worten nicht zum Beispiel nehmen. Weil aber auch seine Lufthansa im Europageschäft seit Jahren hohe Verluste einfliegt, soll es nun die Germanwings richten. Die Billigtochter zahlt niedrigere Gehälter, und weil sie immer nur von Punkt zu Punkt fliegt, hat sie auch geringere Kosten als die Mutter. Doch die nächsten harten Tarifverhandlungen für die Flugbegleiter stehen bereits an.

Schon heute können Germanwings-Kunden entscheiden, ob sie an Bord ein kostenpflichtiges Frühstück haben wollen oder nicht. Oder, ob ihnen ein freier Nebensitz und mehr Beinfreiheit ein paar Euro mehr wert sind. 16 Prozent der Germanwings-Erlöse stammten zuletzt aus solchen Zusatzgeschäften. Für mehr Geld ist künftig auch ein bevorzugter Check-in, ein À-la-carte-Menü oder ein Lounge-Besuch drin. Eine eigene Business Class bleibt aber passé.

Grundsätzlich seien die Aussichten für ein differenziertes Produkt nicht schlecht, heißt es beim Geschäftsreiseverband VDR in Frankfurt. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Dienstreisen absolut wieder um knapp sechs Prozent auf 164 Millionen. Ein Markt von rund 45 Milliarden Euro, von dem ein gutes Viertel den Flugreisen vorbehalten ist. Auch für 2013 erwartet der Verband einen leichten Aufwärtstrend.

Dass die Lufthansa in der Germanwings-Strategie auf die Business Class verzichtet, kommt nicht von ungefähr. Auf manchen Flügen entscheide sich nur ein niedriger einstelliger Prozentsatz der Kunden für die teuren Tickets, sagt Lufthansa-Passage-Chef Carsten Spohr. Auch der VDR sieht die Business Class weiter in der Dauerkrise. Lediglich neun Prozent (nach sieben Prozent im Jahr 2010) der Dienstreisen wurden noch im teuren wie angenehmen Ambiente erledigt. Selbst auf der Langstrecke ist der Business-Anteil auf unter die Hälfte geschrumpft, wie aus der VDR-Geschäftsreiseanalyse hervorgeht.

So versucht die Lufthansa auch auf der Langstrecke eine neue Strategie. Derzeit rüstet die Gesellschaft die Business Class ihrer Langstreckenflotte mit neuen Sitzen aus, die sich für die Nachtruhe ganz in die Horizontale bringen lassen. Damit soll sich der Aufpreis für die Komfortklasse wieder stärker lohnen. Frühestens Ende 2014 führt die Lufthansa dann eine vierte Klasse ein: Die Premium Economy soll mit größerem Sitzabstand und bequemeren Sitzen ein Plus zur engen Touristenklasse bieten. Die Gefahr, dass die Business-Kunden dann in die relativ günstigere Premium Economy abwandern, hält Lufthansa-Manager Spohr dann für gebannt: „Mit den neuen Sitzen der Business Class liegt die Qualität der Klassen weit genug auseinander.“ Konkurrenten wie Air France und Turkish Airlines haben es längst vorgemacht.

dpa

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