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Wirtschaft Beschäftigte haben für Wirschaftskrise mit Löhnen bezahlt
Mehr Welt Wirtschaft Beschäftigte haben für Wirschaftskrise mit Löhnen bezahlt
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13:58 15.12.2010
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Die Zeche für die weltweite Wirtschaftskrise haben aus Sicht der UN-Arbeitsorganisation vor allem die Beschäftigten bezahlt. Gegenüber 2007 sei die Zahl der Arbeitslosen weltweit um knapp 30 Millionen auf rund 207 Millionen im vergangenen Jahr gestiegen. Zugleich habe sich der Lohnzuwachs deutlich abgeschwächt. Allerdings gebe es regional teils drastische Unterschiede, sagte Wolfgang Schmidt von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) am Mittwoch bei der Vorstellung des zweiten Globalen Lohnberichts in Berlin.

Während sich 2006 und 2007 das globale Reallohnwachstum auf 2,7 und 2,8 Prozent belaufen habe, sei es infolge der Krise in den beiden folgenden Jahren auf 1,5 und 1,6 Prozent gesunken. Ohne China sei der Zuwachs auf Jahressicht von 2,1 Prozent 2006 sogar auf 0,7 Prozent 2009 gefallen, sagte Malte Lübker, einer der Studienautoren. In Japan und Deutschland etwa seien die Löhne seit 2000 sogar gesunken. Dies sei einer der strukturellen Gründe für die Krise, da die Binnennachfrage erlahme oder die Verschuldung privater Haushalte zunehme.

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Deutschland stellt der Experte mit Blick auf die Bewältigung der Krise jedoch ein gutes Zeugnis aus. Durch „intelligente Arbeitsmarktinstrumente“ und einen „guten Dialog der Sozialpartner“ seien die Beschäftigung stabil geblieben und die Löhne nur leicht gesunken. Die Kurzarbeitsregelung sei eine „gute Investition“ gewesen, die Entlassungen verhindert und die Binnennachfrage gestützt habe.

Dem stehe jedoch gegenüber, dass die Löhne in Deutschland bereits vor die Krise zurückgegangen seien. Als Gründe nannte Lübker die Zunahme befristeter und gering bezahlter Beschäftigungsverhältnisse - etwa Leiharbeit und Minijobs - sowie moderate Tarifabschlüsse. Daneben spiegele sich der Produktivitätszuwachs nicht in entsprechend ansteigenden Löhnen wider. Dies bedeute zwar eine Zunahme der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Für die private Nachfrage seien Lohnsteigerungen aber eine „vernünftige Politik“.

dapd