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Wirtschaft BayernLB macht 2,6 Milliarden Euro Verlust
Mehr Welt Wirtschaft BayernLB macht 2,6 Milliarden Euro Verlust
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17:41 31.03.2010
Der kommissarische Vorstandschef der BayernLB, Stefan Ermisch.
Der kommissarische Vorstandschef der BayernLB, Stefan Ermisch. Quelle: ap
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Der Schlussstrich unter das Debakel mit der österreichischen Bank Hypo Group Alpe Adria (HGAA) hat die BayernLB erneut tief in die roten Zahlen gestürzt. Trotz unerwartet guter Ergebnisse im Kerngeschäft machte die bayerische Landesbank im vergangenen Jahr einen Verlust von 2,62 Milliarden Euro. „Damit ist das Thema für die Landesbank erledigt“, sagte der kommissarische Vorstandschef Stefan Ermisch am Mittwoch und stellte für 2010 einen Gewinn in Aussicht. Frisches Kapital brauche die BayernLB nicht, betonte Ermisch.

Im Vorjahr machte die BayernLB wegen fauler US-Wertpapiere 5,1 Milliarden Euro Verlust und wurde vom Freistaat mit einer Kapitalspritze von 10 Milliarden Euro sowie einer zusätzlichen Milliarden-Bürgschaft gerettet. Jetzt habe die HGAA das Ergebnis mit 3,3 Milliarden Euro belastet, sagte Ermisch. Nach dem Notverkauf an die Republik Österreich habe die Landesbank den Buchwert und Kreditforderungen abschreiben müssen. Damit sei „die Kladde zu“. Ohne die HGAA hätte die BayernLB einen Betriebsgewinn von 885 Millionen Euro gemacht.

Die BayernLB sei jetzt „schlanker und risikoärmer“, sagte der Finanzvorstand. Es gebe schon erste Sanierungserfolge. Die ersten beiden Monate 2010 seien „operativ zufriedenstellend verlaufen“, für das Gesamtjahr erwarte er „ein ordentliches positives Vorsteuerergebnis“. Eine Dividende für den Freistaat als Eigentümer schloss er aber aus. „Wir müssen erst mal wieder aufholen, was wir jetzt nach unten gefahren haben“, erklärte Ermisch. Bis die BayernLB 2013 für einen Verkauf fit sei, sei es noch ein langer Weg. Eine Flurbereinigung bei den Landesbanken sei dieses Jahr noch nicht zu erwarten.

Wegen dubioser Geldflüsse beim Kauf der HGAA im Jahr 2007 ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den damaligen Landesbankchef Werner Schmidt und andere. Auch ein Untersuchungsausschuss des Landtags prüft die Vorgänge. Der vom Internationalen Währungsfonds geholte neue Vorstandschef Gerd Häusler tritt sein Amt am 15. April an.

Mit einer Eigenkapitalquote von knapp 11 Prozent sei die BayernLB komfortabel ausgestattet, sagte Ermisch. Sie habe ihre Bilanzsumme um ein Fünftel auf 339 Milliarden Euro verringert und das Portfolio mit hochriskanten besicherten Papieren von 20 auf 17 Milliarden Euro reduziert. Rund 900 Stellen wurden abgebaut und die Verwaltungskosten von 2,6 auf 2,1 Milliarden Euro gesenkt. „Für das Inland können wir betriebsbedingte Kündigungen ausschließen“, sagte Ermisch.

Konkrete Vorgaben der EU-Kommission für die weitere Verkleinerung der Bank seien vor Juli zu erwarten. „Ich erwarte keine derben Überraschungen“, sagte Ermisch. Einen Verkauf der profitablen Direktbank DKB schloss er aus: „Die DKB ist Kernbestandteil, und wir werden sie bestimmt nicht abgeben.“ Die DKB gehört zum Mittelstands- und Privatkundengeschäft, das die BayernLB ausbauen will.

SPD und Grüne bewerteten den Milliardenverlust als „Quittung für das völlig missglückte Finanzabenteuer“ HGAA. Die früheren Bankmanager und die CSU-Kabinettsmitglieder im Verwaltungsrat hätten „eine Bilanz der Versager“ bekommen, sagte die SPD-Landtagsabgeordnete Inge Aures. Das Debakel koste den Steuerzahler 330 Millionen Euro jährlich. Die Neuausrichtung der Bank bleibe nebulös, kritisierte der Grünen-Abgeordnete Eike Hallitzky.

ap