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Wirtschaft Bauern kommen mit Bio-Gemüse nicht hinterher
Mehr Welt Wirtschaft Bauern kommen mit Bio-Gemüse nicht hinterher
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18:32 09.02.2013
Bio-Gemüse ist gefragt: Die Bauern können die Nachfrage kaum noch bedienen. Quelle: dpa
Berlin

Noch vor gar nicht langer Zeit waren Bio-Lebensmittel ein Nischenprodukt für Körnerliebhaber - heute sind sie aus deutschen Kühlschränken nicht mehr wegzudenken. „Im Grunde kauft fast jeder Haushalt mindestens ein Bio-Produkt im Jahr“, schildert Helmut Hübsch vom Marktforschungsunternehmen GfK. Ihm zufolge gehören zwischen 30 und 40 Prozent der Deutschen zur intensiven Käufergruppe, 15 Prozent decken sogar einen Großteil ihres Bedarfs in Bio-Läden. Das wirkt sich natürlich auf den Markt aus: 2012 wurden nach Angaben von Branchenexperten gut 7 Milliarden Euro umgesetzt, das sind rund sechs Prozent mehr als im Vorjahr.

Damit wächst der Bio-Sektor zwar nicht mehr ganz so schnell wie im Vorjahr, aber doch deutlich stärker als der konventionelle Lebensmittelbereich. Ein Grund zum Feiern also für die Branche, die sich von diesem Mittwoch (13. Februar) an in Nürnberg zur weltweit größten Öko-Messe „Biofach“ trifft.

Trotz der Rekordzahlen ist nicht alles eitel Sonnenschein. „Wir haben ein Umsatzwachstum und eine stabile Entwicklung im Fachhandel mit einer realen Zunahme der Verkaufsfläche, aber wir haben gleichzeitig fast eine Stagnation, was die Bio-Anbaufläche anbelangt“, schildert Alexander Gerber vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Mit anderen Worten: In Deutschland werden zwar immer mehr Bio-Sachen gegessen, aber nur wenige Bio-Lebensmittel zusätzlich produziert. Die Folge sind weiter steigende Importe.

„Da merkt man einfach, dass die Wettbewerbsfähigkeit der Bio-Produktion zur konventionellen Landwirtschaft schwierig ist“, erklärt Gerber. Vor allem die Pachtpreisentwicklung mache den Öko-Bauern schwer zu schaffen. Wegen der Förderung von Biogasanlagen und dem dadurch entstandenen Bedarf etwa an Mais sei Ackerland inzwischen vielerorts so teuer, dass die Bio-Bauern nicht mehr konkurrieren könnten. Zum Teil müssten sie ihre Flächen sogar verringern - statt zu erweitern.

Dazu kommt, dass auch die konventionell wirtschaftenden Landwirte 2012 höhere Preise erzielen konnten. Das macht es vergleichsweise unattraktiv, auf Bio-Landbau umzustellen - zumal die Neulinge ohnehin erstmal Einbußen hinnehmen müssen. Schließlich müssen sie zwei, drei Jahre nach biologischen Kriterien produzieren, dürfen ihre Ware derweil aber nur auf dem konventionellen Markt verkaufen.

Diese Gesamtsituation macht es derzeit schwierig, neue Bauern für den Bio-Anbau zu gewinnen. Von der Politik wünscht sich BÖLW-Geschäftsführer Gerber deshalb vor allem eines: Dass sie sich an Vereinbarungen hält. «Es ist einfach keine Verlässlichkeit in der Förderung vorhanden, weil einzelne Bundesländer, wenn das Geld weniger wird, einfach aus der Förderung aussteigen», beklagt Gerber.

Die staatlichen Zuschüsse, und damit auch die vom kommenden Jahr an greifende EU-Agrarreform, werden auf der «Biofach» mit Sicherheit heiß diskutiert. Als offizielles Thema rückt die Messe diesmal die gemeinsamen Werte der Branche in den Fokus. „Die Szene ist inzwischen so groß und so breit und so vielfältig, dass man eigentlich nicht mehr von einer Szene sprechen darf“, erläutert die Geschäftsführerin des Fachhändler-Bundesverbands Naturkost Naturwaren (BNN), Elke Röder. «Bio ist ein Sektor im Lebensmittelmarkt geworden - da kommen neue Leute hinzu, die sich mit dem Thema befassen müssen.»

Aber auch alte Hasen diskutieren mit Verve mit, wenn es darum geht, wohin sich der Markt entwickelt. Soll es jetzt jede Erfindung auf dem konventionellen Lebensmittelmarkt auch in Bio-Qualität geben? Oder geht es nicht doch eher um Innovationen, die Tier- und Pflanzenschutz, Artenreichtum und Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt stellen?

Die Mehrheit scheint eindeutig den zweiten Weg vorzuziehen: Auf der vergangenen „Biofach“ wählten die aus aller Welt kommenden Fachbesucher ein „Zweinutzenhuhn“ zur besten Neuheit. Diese Züchtung eignet sich sowohl als Legehuhn als auch zur Mast, liefert also Eier und Fleisch. Das bedeutet, dass die männlichen Brüder der Legehennen nicht mehr - wie bislang millionenfach üblich - getötet werden, weil es für sie keine Verwendung gibt.

dpa

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