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Wirtschaft Wer am Bart-Boom mitverdient – und wer nicht
Mehr Welt Wirtschaft Wer am Bart-Boom mitverdient – und wer nicht
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13:09 22.03.2019
Bart boomt – zur Freude der Friseure und des Einzelhandels, denn das Sortiment an Bartpflegeprodukten wächst kontinuierlich. Quelle: Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/Dpa
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Berlin

Man lässt es wachsen. Ob Vollbart, Dreitagebart oder Oberlippenbart – für viele Männer gehört das zum persönlichen Stil. Der Trend gerade bei Jungen ist seit Jahren nicht zu übersehen. Und auch die Wirtschaft spürt den Hang der Herren, ihre Gesichtshaare sprießen zu lassen. Der Handel etwa spricht von Umsatzrückgängen bei Elektrorasierern. Dafür greifen Männer aber öfter zu Pflegeprodukten. Der Markt rund um Bart und Rasur ist in Bewegung.

Der Bundesverband Technik des Einzelhandels, der die Händler von Elektrogeräten in Deutschland vertritt, sieht so manche Auswirkungen des Barttrends. „In den vergangenen Jahren gab es einen leichten Umsatzrückgang bei klassischen Elektrorasierern“, sagt Geschäftsführer Steffen Kahnt.

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Zugleich wuchs der Bedarf an elektrischen Bartschneidern. Männer können damit Konturen schneiden und die Länge des Barts korrigieren. „Plastisch ausgedrückt: Der Rasen will eine klare Kante haben“, sagt Kahnt. Bezogen auf alle Umsätze sei der Markt für die Händler von Elektrogeräten rund um den Bart stetig gewachsen.

Die großen Hersteller Wilkinson Sword und Gillette geben auf Nachfrage zum Barttrend keine Umsatz- und Verkaufszahlen zu Rasierern preis. Aus eigenem Interesse: Eine Nachfrage beim Bundesamt für Statistik ergab, dass Produktionszahlen für Nassrasierer der Geheimhaltung unterliegen, weil wegen der geringen Anbieterzahl in Deutschland ansonsten Rückschlüsse auf einzelne Unternehmen möglich wären.

Mehr Geld für Schönheit

Gut aussehen hat seinen Preis: Einer Marktstudie des Kosmetikkonzerns L’Oreal zufolge sind die Ausgaben der Bundesbürger für Schönheitsprodukte im vorigen Jahr um 2,8 Prozent auf knapp 12,8 Milliarden Euro gestiegen. Gut lief vor allem das Geschäft mit Luxusmarken wie Lancôme, Giorgio Armani oder Yves Saint Laurent Beautè. Auch die Wettbewerber von L’Oreal setzen zunehmend auf den Trend zu mehr Natürlichkeit und Nachhaltigkeit. So erhofft sich Rivale Henkel, der im Geschäft mit Kosmetik zuletzt weltweit mit rückläufigen Umsätzen zu kämpfen hatte, neuen Schwung unter anderem durch den Relaunch der Marke Schauma – künftig soll das Shampoo vegan hergestellt werden.

Deutschland ist für L’Oréal weltweit der viertgrößte Markt. Der Konzern sieht hierzulande noch erhebliches Wachstumspotenzial. Man wolle „Vorreiter im Bereich Beauty Tech“ sein, betont Deutschland-Chef Fabrice Megarbane. Dafür habe das französische Unternehmen erstmals eine Spezialfirma übernommen: Modiface. Dessen Technik erlaube es Konsumenten, Kosmetikprodukte zunächst virtuell auszuprobieren.

Eine kleinere Eigenmarke auf dem deutschen Markt ist Mornin' Glory aus Berlin. Der Händler vertreibt seit 2012 Rasierklingen-Abos sowie Bartpflegemittel über das Internet. Die Klingen werden je nach Rasierrhythmus und Bartwuchs nach Hause geliefert. Auch Mornin' Glory macht der Barttrend nach eigenen Angaben zu schaffen. „Es ist schwieriger geworden“, sagt Geschäftsführer Manfred Teichelkamp. Denn die Zahl der Klingen-Abos sei gesunken.

Auch die Drogeriekette dm aus Karlsruhe merkt Veränderungen im Kundenverhalten und spricht von einer veränderten Nachfrage bei Rasierartikeln. „Der Trend zum Voll- oder Drei-Tage-Bart wirkt sich auch auf unser Sortiment aus“, sagt Christoph Werner, Geschäftsführer für den Bereich Marketing und Beschaffung. „So entwickeln sich einerseits Rasierer und Klingen nicht mehr so dynamisch wie in der Vergangenheit, andererseits haben wir unser Angebot für Bartpflege oder -styling um Produkte von neuen Marken oder kleineren Start-ups erweitert.“

Rasierhobel sind wieder angesagt

Von der neuen Eitelkeit der Männer profitiert auch der dm-Konkurrent Rossmann. „Der Trend der vergangenen Jahre zeigt, dass das Sortiment der Bartpflege von Wachstum geprägt ist“, erklärt ein Sprecher des Unternehmens. Und der Hersteller Wilkinson Sword will neben dem Hype um den Bart einen weiteren Trend ausgemacht haben: Eine Renaissance der traditionellen Gesichtsrasur. „Produkte wie der klassische Rasierhobel sowie Utensilien wie Pinsel und Rasierseife gewinnen zunehmend an Relevanz für die Zielgruppe – und an Präsenz in Drogerien“, sagt Werner.

Und auch die Friseure frohlocken angesichts des anhaltenden Bart-Booms. Männer geben wieder mehr Geld für den Friseurbesuch aus und gehen häufiger zum Coiffeur, erklärt der Zentralverband des deutschen Friseurhandwerks. Es gebe einen Trend zu mehr Pflege, zu dem auch der Bart gehöre. Hauptgeschäftsführer Jörg Müller meint: „Ein Bart ist ja auch eine sehr aufwendige Geschichte.“

Von RND/dpa

Der Artikel "Wer am Bart-Boom mitverdient – und wer nicht" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.