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Wirtschaft Bankenbranche auf Schrumpfkurs
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13:56 25.01.2013
Von Albrecht Scheuermann
Die Commerzbank hat den höchsten Turm, aber auch die größten Probleme unter den Frankfurter Großbanken. Quelle: dpa
Hannover/Frankfurt

Gerüchte über einen Jobabbau bei der Commerzbank machen schon länger die Runde. Weltweit beschäftigt die zu einem Viertel dem deutschen Staat gehörende Bank etwa 56 000 Mitarbeiter, in Deutschland sind es gut 43 000. Insgesamt sollen 4000 bis 6000 Arbeitsplätze wegfallen, wie jetzt bestätigt wurde. Wie viele davon im Inland wegfallen, blieb jedoch offen. Demzufolge könne auch noch nichts über die Auswirkungen auf Niedersachsen gesagt werden, erklärte ein Sprecher. Hier hat die Bank insgesamt mehr als 1000 Beschäftigte. „Die genaue Höhe des Abbaus wird in den Verhandlungen mit den Arbeitnehmergremien vereinbart“, hieß es. Die Gespräche sollen im Februar starten.

Die Bank hatte bereits im Anschluss an die Übernahme der Dresdner Bank vor gut vier Jahren rund 9000 Arbeitsplätze abgebaut. Weitere Anpassungen seien jedoch notwendig, wenn die Bank ihre Ertrags- und Wachstumsziele erreichen wolle, heißt es in einem internen Papier. Die Gespräche mit dem Betriebsrat dürften sich wegen der Vielfalt und Komplexität der Themen längere Zeit hinziehen.

Die Bank hat sich an der Dresdner Bank verhoben und kämpft zudem immer noch mit den Nachwirkungen der Finanzkrise. Sie musste vom Bund gerettet werden, der seitdem größter Aktionär der Commerzbank ist. Die Ergebnisse blieben zuletzt deutlich hinter den Planungen zurück.

Hypovereinsbank: Wie jetzt weiter bekannt wurde, will auch die Hypovereinsbank ihr Personal ausdünnen. In Unternehmenskreisen wurden gestern Berichte bestätigt, wonach die Tochter der italienischen Großbank Unicredit im laufenden und im kommenden Jahr insgesamt etwa 1000 Jobs streichen und 45 Filialen schließen will. Die Bank hat in Deutschland nach eigenen Angaben etwa 19 000 Mitarbeiter und 614 Geschäftsstellen. Offiziell hieß es bei der Bank aber nur: „Kein Kommentar.“ Dem Vernehmen nach ist das Geschäftsgebiet Niedersachsen von den Schließungen nicht betroffen. Nächste Woche sollen Verhandlungen mit dem Gesamtbetriebsrat beginnen.

Allianz Bank: Der Versicherungskonzern teilte mit, dass seine Allianz Bank geschlossen wird. Die Münchener hatten die Bank 2009 nach dem Verkauf der Dresdner Bank gegründet, um den Versicherungskunden auch Bankleistungen anbieten zu können. Formal ist die Allianz Bank eine Zweigniederlassung der zur Allianz gehörenden Oldenburgischen Landesbank. Diese werde „ihr erfolgreiches Geschäft als größte private Regionalbank mit langer Tradition fortsetzen“, hieß es. Die Allianz Bank hat bundesweit etwa 450 Arbeitsplätze, die 45 Bankfilialen in Allianz-Agenturen werden geschlossen. Das Angebot sei „leider wirtschaftlich nicht nachhaltig erfolgreich gewesen“, was auch an den derzeit schwierigen Bedingungen für die Branche liege.

Nord/LB: Auch Niedersachsens führendes Kreditinstitut, die Norddeutsche Landesbank, plant Stellenstreichungen. Derzeit beschäftigt diese im Konzern rund 7300 Mitarbeiter, davon 4500 in der Nord/LB selbst. Mittelfristig könnten durch die geplanten Effizienzsteigerungen 450 bis 650 Stellen entfallen, hatte es schon vor einigen Monaten geheißen. Ein Banksprecher betonte aber, dass keine Entlassungen geplant sind.
Deutsche Bank: Bereits im Herbst 2012 hat Deutschlands größter Bankkonzern einen Stellenabbau angekündigt. Demnach will die Deutsche Bank ihr Personal vor allem im Investmentbanking-Geschäft ausdünnen, was zum großen Teil Auslandsstützpunkte betreffen würde. Allerdings hat Bankchef Jürgen Fitschen erst kürzlich zu erkennen gegeben, dass auch in anderen Bereichen einschließlich des Privatkundengeschäfts Kürzungen bevorstehen.

(mit: rtr, dpa)

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