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20:27 21.10.2011
Foto: Die Banken stellen sich auf eine Insolvenz Griechenlands ein.
Die Banken stellen sich auf eine Insolvenz Griechenlands ein. Quelle: dpa
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Frankfurt

„Griechenland braucht einen Schuldenschnitt. Es reicht nicht, nur Abschreibungen in den Bankbilanzen vorzunehmen.“ Die letzte Vereinbarung zwischen Politik und Privatsektor habe das Problem nicht gelöst, sagte Blessing der „Bild“-Zeitung: „Das geht aus meiner Sicht nicht freiwillig, sondern nur, indem Griechenland selbst seine Zahlungsunfähigkeit erklärt.“

Ende Juli hat die Finanzbranche zugestimmt, sich freiwillig am zweiten Rettungspaket für Griechenland mit rund 50 Milliarden Euro zu beteiligen. Dies geschieht über den Rückkauf und Tausch von griechischen Staatsanleihen, was mit Wertberichtigungen von 21 Prozent einhergeht. Die Politik pocht aber auf eine stärkere Beteiligung der Banken. Dabei war zuletzt von einem Schuldenschnitt von 50 Prozent die Rede, dazu müssten die Institute möglicherweise gezwungen werden. Eine Einigung gibt es bislang nicht, obwohl Banker, Politiker und Notenbanker seit Tagen verhandeln.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, zugleich Chef des internationalen Bankenverbandes IIF, reiste in dieser Woche eigens nach Brüssel. Ein hochrangiger deutscher Bankenvertreter, der mit den Verhandlungen vertraut ist, brachte die Ernüchterung mit den Worten zum Ausdruck: „Eine freiwillige Vereinbarung ist weiter das Ziel. Aber ob das klappt, bleibt abzuwarten.“

Dass eine Pleite Griechenlands inzwischen auch von der Politik nicht mehr ausgeschlossen wird, zeigen deren Rekapitalisierungspläne für die Banken. Denn die Institute müssten dann weitere Abschreibungen fürchten. Um das zu schultern, brauchen sie ein entsprechend dickes Kapitalpolster. Im Gespräch ist die Aufstockung auf eine harte Kernkapitalquote von 9 Prozent der risikogewichteten Bilanzsumme.

Der Plan sollte ursprünglich am Wochenende verabschiedet werden, wenn die EU-Staats- und Regierungschefs über die Schuldenkrise beraten. Inzwischen gibt es aber auch beim Gipfel selbst Verzögerungen, weil sich Deutschland und Frankreich in etlichen strittigen Punkten nicht einig sind.

Die EU-Bankenaufsicht EBA hat die europäischen Geldhäuser in den vergangenen Tagen noch einmal auf Herz und Nieren geprüft: Sie verlangte aktualisierte Daten zu ihrem sogenannten Stresstest vom Sommer und forderte gleichzeitig, alle Staatsanleihen in den Büchern mit Marktwerten anzusetzen. Demnach brauchen Europas Banken bis zu 100 Milliarden Euro frisches Kapital. Sollten sie das Geld selbst nicht einsammeln oder verdienen können, sollen die Staaten und notfalls der Rettungsfonds EFSF einspringen. Die deutschen Großbanken brauchen wohl einen mittleren einstelligen Milliardenbetrag.

Kathrin Jones