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22:16 18.08.2009
Außer Citibank und Santander gehören die Sparkassen in Berlin, Frankfurt und Köln-Bonn sowie die Bremische Volksbank und die Volksbank Mittelhessen zu den größten Abzockern. Quelle: Alexander Heimann/ddp (archiv)
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Die Experten raten dringend, solchen „Räuberbanken“ den Rücken zu kehren. Die Geldbranche scheint selbst ein schlechtes Gewissen zu haben. Mehr als 20 Banken boykottierten die Umfrage der staatlichen Verbraucherstiftung.

Die neue Untersuchung des Stiftungsblatts „Finanztest“ zeigt warum. Viele Geldhäuser kassieren so hohe Zinsen wie selten zuvor – und das, obwohl die Banken das Geld derzeit bei nur einem Prozent Leitzins von der Europäischen Zentralbank so billig bekommen wie nie. Außer Citibank und Santander gehören die Sparkassen in Berlin, Frankfurt und Köln-Bonn sowie die Bremische Volksbank und die Volksbank Mittelhessen zu den größten Abzockern.

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Auffällig viele Sparkassen und Volksbanken verlangen hohe zweistellige Überziehungszinsen, so „Finanztest“. Zu den günstigsten Anbietern dagegen gehörten zum Zeitpunkt des Tests Anfang Juli DAB Bank, DKB, Ethikbank, PSD Berlin-Brandenburg, PSD Nürnberg, Skatbank und SKG Bank. Im Schnitt verlangen die 57 untersuchten Institute von ihren Kunden 11,6 Prozent Zinsen für die eingeräumte Kontoüberziehung. Auch die Entwicklung der Zinssätze gibt zu Fragen Anlass. Seit Juli vorigen Jahres sank der Leitzins in sieben Schritten von 4,25 auf nur noch ein Prozent. Geld wurde für die Banken und Sparkassen also immer billiger.

An die Kunden aber gaben viele Anbieter diese Vorteile kaum oder überhaupt nicht weiter. Der Kredit auf dem laufenden Konto blieb trotz der historisch niedrigen und drastisch gesunkenen Leitzinsen teuer, einige Institute schlugen sogar noch mehr drauf. Bei den Einlagezinsen dagegen reagierte die Branche schnell. Vorigen Herbst vergüteten die besten zwanzig Anbieter ihre Tages- und Festgeldkonten noch mit mindestens 4 Prozent Guthabenzins, so „Finanztest“. Inzwischen stehe bestenfalls noch eine 2 vor dem Komma, zumeist weniger.

Tief in die Tasche greifen die Banken ihren Kunden auch bei der Überziehung des eingeräumten Dispolimits. Wer seine Kreditgrenze auf dem Girokonto überschreitet, zahlt im Schnitt nochmals 5 Prozentpunkte mehr. Die Sparkasse Köln-Bonn verlangt dann 19,24 Prozent Zinsen und gehört damit zu den teuersten Banken überhaupt. Auch bei der teilverstaatlichten Commerzbank werden fast 19 Prozent fällig und dazu noch 5 Euro pro Buchungsposten.

Zum Vergleich die Konditionen einiger Institute in Hannover: Die Sparkasse Hannover verlangt für den Dispokredit überdurchschnittliche 13,5 Prozent, bei Überziehungen über den eingeräumten Rahmen hinaus werden 18 Prozent fällig. Die Hannoversche Volksbank kassiert für Dispositionskredite sogar 13,95 Prozent und für Überziehungen darüber hinaus 18,95 Prozent. Bei der Sparda-Bank Hannover liegen die entsprechenden Sätze bei 13 beziehungsweise 17 Prozent.

von Thomas Wüpper