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Wirtschaft Banger Blick geht nach Japan
Mehr Welt Wirtschaft Banger Blick geht nach Japan
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20:11 20.03.2011
Volkswirte sorgen sich
 nach dem Beben in Japan um die Weltkonjunktur. Quelle: dpa
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„Die Folgen könnten im Extremfall für Japan desaströs sein und erhebliche weltwirtschaftliche Bremsspuren hinterlassen.“ Nach Einschätzung von Deutsche-Bank-Chefökonom Thomas Mayer könnte eine Atomkatastrophe zu einem „Vertrauensschock auf der ganzen Welt“ führen, der sich über die Finanzmärkte in die reale Wirtschaft übertragen könne.

Die Dekabank befürchtet, dass ein Super-GAU in Fukuschima die Weltwirtschaft schwächen würde. Denn eine Verstrahlung in einem Umkreis von 300 Kilometern würde neun japanische Präfekturen betreffen, die rund 40 Prozent zur Wirtschaftsleistung des Landes beitragen, heißt es in einer Analyse der Bank. In diesem Fall rechne die Dekabank damit, dass sich das globale Wachstum um einen Prozentpunkt abschwächt. Durch die Erdbebenkatastrophe seien Kosten für die japanische Volkswirtschaft von 137 Milliarden Euro entstanden. Diese Summe entspreche 3,2 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes. Die Volkswirte haben ihre Wachstumsprognose für Japan für dieses Jahr von anderthalb auf ein Prozent heruntergesetzt.

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Die Erdbebenfolgen allein würden sich nach Einschätzung der Bank auf die globale Konjunktur aber nicht auswirken. „Für die Entwicklung der Weltwirtschaft ist es letztlich von nachrangiger Bedeutung, ob Japan in einer Rezession steckt“, sagte Dekabank-Volkswirt Rudolf Besch. Dafür sei das Land zu isoliert und exportiere und importiere zu wenige Güter: „Da auch Japans Immobilien- und Finanzmärkte zu wenig mit dem Rest der Welt vernetzt sind, wird es auch zu keinem Unsicherheitsschock kommen, der den Aufschwung der Weltwirtschaft gefährdet.“

Der Wirtschaftsweise Franz glaubt, dass direkte Effekte auf die deutsche Wirtschaft begrenzt wären. „Es gibt aber auch Drittlandeffekte: Länder wie etwa China, die stärker mit Japan verflochten sind, werden Einbußen haben und deshalb unsere Exportprodukte dann möglicherweise weniger nachfragen“, sagte der Vorsitzende des Wirtschafts-Sachverständigenrats der Bundesregierung.

Hingegen sieht der Ökonom Thomas Straubhaar den Aufschwung der Weltwirtschaft auch ohne Super-GAU in Gefahr. „Erst die Krise in Arabien, dann der Ölpreis, jetzt Japan: Jede dieser Krisen einzeln wäre zu bewältigen, aber in dieser Konzentration könnte eine explosive Mischung entstehen, die den Aufschwung der Weltwirtschaft gefährdet“, sagte der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts: „Mir macht große Sorgen, dass die kritische Marke erreicht sein könnte.“ Er fürchtet einen Dominoeffekt: „Kommt es in Japan zu einem Wirtschaftseinbruch, ist die Ansteckungsgefahr hoch.“ Die Krise könne auf die Energiemärkte, den Bankensektor und dann auf die Staatsschuldenkrise in Europa übergreifen.

dpa