Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Wirtschaft Bahn will 4000 Stellen streichen
Mehr Welt Wirtschaft Bahn will 4000 Stellen streichen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:04 13.12.2009
Die Stellenabbau-Pläne sind Teil des Sparprogramms „React“,  mit dem die Bahn die Folgen der Krise bewältigen will.
Die Stellenabbau-Pläne sind Teil des Sparprogramms „React“, mit dem die Bahn die Folgen der Krise bewältigen will. Quelle: ddp
Anzeige

Die Gewerkschaft sieht darin ein Armutszeugnis und fordert ein Eingreifen der Bundesregierung. Der geplante „Kahlschlag“ laufe den Klimaschutzzielen zuwider. Die Bahn leidet besonders unter der Rezession. Das Frachtvolumen auf der Schiene ist um ein Viertel gesunken, weil weniger Erz und Stahl, aber auch weniger fertige Produkte wie Autos tranportiert werden. Bahn-Chef Rüdiger Grube musste die Gewinnziele dieses Jahr bereits mehrfach nach unten korrigieren.

Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) könnte von 2,5 auf 1,4 Milliarden Euro sinken, der Umsatz um 4 auf unter 30 Milliarden Euro. Grube erwartet, dass der Konzern erst 2013 wieder frühere Rekordergebnisse erreicht. Bis dahin soll ein erneuter Anlauf zur Privatisierung des größten Staatskonzerns gestartet werden. Die Mittelfristplanung bis 2014, die Grube kürzlich dem Aufsichtsrat vorlegte, sieht dem Vernehmen nach die Streichung von bis zu 14.000 Arbeitsplätzen in den kommenden fünf Jahren vor. Rund 10. 000 der 240. 000 Beschäftigten sind derzeit in Kurzarbeit.

Die Bahn will pro Jahr 2 Milliarden Euro sparen. Die Gewerkschaften argwöhnen, dass der weiter angestrebte Börsengang der wahre Grund der Rotstiftaktion ist. Die gegenwärtige Wirtschafts- und Finanzkrise werde „als Vorwand benutzt, um das Unternehmen wieder auf Rendite zu trimmen“, kritisiert der Transnet-Vizechef Wolfgang Zell. Die Pläne bei DB Schenker Rail seien ein Armutszeugnis für das Management, dem nichts einfalle außer „Schließen, Streichen, Schluss“.

DB Schenker Rail weist die Kritik zurück. „Einen Kahlschlag in der Fläche wird es im Schienengüterverkehr nicht geben“, beteuert der Chef der DB-Tochter, Alexander Hedderich. Die Maßnahmen, über die man die Betriebsräte informiert habe, sollen demnach „überwiegend“ erst 2011 umgesetzt werden. Bisher gebe es „keine Entscheidungen“, die Frachtbahn müsse aber „wieder auf Kurs“ gebracht werden. Hedderich leitet Schenker Rail seit Sommer, zuvor war der Manager als enger Vertrauter des früheren Konzernchefs Hartmut Mehdorn für die Privatisierungsstrategie zuständig.

Ob es beim Stellenabbau auch zu Entlassungen kommt, ist offen. Das Beschäftigungsbündnis, das betriebsbedingte Kündigungen ausschließt, läuft Ende kommenden Jahres aus. Bis dahin ist jedem Mitarbeiter, dessen Arbeitsplatz überflüssig wird, eine neue Beschäftigung im Konzern garantiert. Die Verhandlungen über ein neues Bündnis beginnen nächstes Jahr.

von Thomas Wüpper